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Historische Prahmfähre

TMit Herz und Hand: Warum die Fähre Brobergen besonders ist

Ralf Ostermann an Bord der Fähre.

Ralf Ostermann an Bord der Fähre. Foto: Ziemens

Ralf Ostermann ist Fährmann in Brobergen. Weil er Wetter, Wolken und die Oste genießt. Die Fähre ist eine Herzensangelegenheit. Dafür hat er gute Gründe.

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Von Grit Klempow
02.10.2026, 18:53 Uhr

Brobergen. Warum er seit 18 Jahren beim Fährverein an Bord ist? Ralf Ostermann muss nicht lange nach Worten suchen. „Wir arbeiten hier in einem gewaltigen Naturraum, den man sonst selten findet.“ Andere würden sagen, die Fährstelle liegt im Nirgendwo. Ostermann sieht es vor allem so: „Wasser, Schilf, Wolkengebilde, Schwalben - es ist der typische Ort der Entschleunigung.“

Hinter Oldendorf rechts ab

Trotz der 15.000 Fahrgäste, die jährlich in Brobergen von Mai bis Anfang Oktober über die Oste setzen, soll es noch immer Menschen im Landkreis geben, die den Weg an diesen Entschleunigungsort noch nicht gefunden haben. Hinter Oldendorf zweigt die Landstraße rechts Richtung Brobergen ab. Von der Dorfmitte führen die Fährstraße und die Straße „Neen in Dörp“ zur Fährstelle, die nicht nur Fährmann Ralf Ostermann so am Herzen liegt.

Die Fähre auf Broberger Seite - abfahrbereit auf der Oste.

Die Fähre auf Broberger Seite - abfahrbereit auf der Oste. Foto: Klempow

Der Fähr- und Geschichtsverein Brobergen zählt mehr als 200 Mitglieder. Gäbe es den Verein nicht, wäre dieser Weg über die Oste von der Landkarte verschwunden. Kassenwartin Antje Rieckmann war da schon an Bord. 2008 hat der Verein die Verantwortung für den Fährbetrieb übernommen.

Jeder Dienst auf der Fähre ist anders

Mitte Oktober treten wieder Freiwillige zur Fährprüfung an. Verstärkung braucht das Team immer. Ostermann ist für das Team der Fährleute zuständig. Wer will, fährt öfter und damit vier-, fünfmal im Monat. Andere machen alle vier Wochen einen Dienst. Jeder Dienst ist anders - Wetter, Tide, Feiertage.

Ordentlich was los ist, wenn der Fährverein Feste organisiert wie am Sonnabend den großen Floh- und Bauernmarkt zum Abschluss der Fährsaison. Oder wenn Bollerwagen mit Himmelfahrt-Remmidemmi auf die Fähre gezogen werden.

Mit der Fähre geht es über die Oste zum Floh- und Bauernmarkt. Mit dem Markt endet traditionell die Fähren-Saison in Brobergen.

Mit der Fähre geht es über die Oste zum Floh- und Bauernmarkt. Mit dem Markt endet traditionell die Fähren-Saison in Brobergen. Foto: Ziemens

„Da gibt es einige, die sind richtig begeistert, wenn es brummt. Andere machen ihren Dienst lieber, wenn wenig los ist“, sagt Ostermann, der auch zweiter Vorsitzender ist, über das Fährleute-Team.

Freundliche Fahrgäste und Spenden in der Kasse

Er selbst mag die Gespräche mit den Fahrgästen. „Die sind uns alle freundlich gesonnen. Die Leute sind fröhlich, optimistisch, freuen sich, dass wir das anbieten.“ Manchmal gibt es Tage, da ist der Anteil der Spenden größer als das eigentliche Fährgeld. Allerdings nimmt der Verein pro Überfahrt nur einen Euro.

Treffen am Anleger: Zusammen haben Wolfgang Struck, Burkhard Hansen, Günther Schimkatis, Hermann Buck, Heinz Schlegel und Hans-Jürgen Peters angepackt.

Treffen am Anleger: Zusammen haben Wolfgang Struck, Burkhard Hansen, Günther Schimkatis, Hermann Buck, Heinz Schlegel und Hans-Jürgen Peters angepackt. Foto: Klempow

Überhaupt die Fähre. Sie ist mehr als 100 Jahre alt. Auch das technisch-historische Bauwerk fasziniere ihn. „Ich glaube, das geht vielen so“, sagt Ostermann.

Ein Deutz-Motor aus der Lehrzeit

Ganz sicher ist das der Fall bei Günther Schimkatis. Der Vorsitzende des Fährvereins hat ein besonderes Händchen für den alten Motor an Bord der Fähre. Schließlich ist er Kfz-Meister und Kfz-Elektriker-Meister. „Dieser Motor war ja zu meiner Lehrzeit bekannt. Er ist seinerzeit in den ersten Deutz-Treckern verbaut worden.“

Günther Schimkatis hält er den betagten Deutz-Motor der Fähre in Schuss.

Günther Schimkatis hält er den betagten Deutz-Motor der Fähre in Schuss. Foto: Klempow

Schimkatis ist Praktiker. „Ich habe den Motor von Gleich- auf Drehstrom umgebaut“, sagt er. Das hat sich bewährt. Denn schon, als die Fähre noch vor Gründung des Vereins für die landwirtschaftlichen Betriebe dies- und jenseits der Oste im Einsatz war, wurde Schimkatis gerufen, wenn es hakte - oder die Batterie mal wieder schlapp gemacht hatte.

Anlasser und Lichtmaschine liegen parat

Für den Gleichstrom-Betrieb müsse die Lichtmaschine immer eine bestimmte Drehzahl haben, erklärt er. „Aber unser Motor läuft ja eigentlich nur im Stand“, sagt Schimkatis. Also: „Hab ich den ganzen Kram geändert und umgebaut. Seit dem Drehstrom haben wir keine Probleme mehr.“

„Wir brauchen langfristig Menschen, die sowas können“, sagt Ostermann. Im letzten Jahr wollte der Anlasser nicht mehr. Kein Problem für Schimkatis: „Ich habe einen Anlasser-Lichtmaschinen-Prüfstand. Das gibt‘s sonst gar nicht mehr.“ Schimkatis ist vorbereitet - sollten Anlasser oder Lichtmaschine sich verabschieden - „ich hab beides noch liegen“. Hauptsache, der Fährbetrieb läuft verlässlich.

Durch die Oste geschwommen

Wie beim gepflegten Motor greift auch im Verein vieles ineinander. Ralf Ostermann sagt es so: „Es ist eine total glückliche Fügung, dass alle etwas sehr Spezielles mitbringen und sich ergänzen. Wir sind zusammen mehr wert als die Summe der Einzelteile.“ Für den Fährmann ist der Verein wie eine große Familie. „Da wird gelacht, gestritten und gefeiert“, sagt er.

Ralf Ostermann im Fährkrug. Er hat gleich mehrere Gründe für seinen Dienst als Fährmann in Brobergen.

Ralf Ostermann im Fährkrug. Er hat gleich mehrere Gründe für seinen Dienst als Fährmann in Brobergen. Foto: Klempow

Ostermann ist aus vollem Herzen Fährmann. Im wahrsten Sinn: „Ich will auch was zurückgeben“, sagt er. Denn: Heute lebt er mit seiner Frau in Brobergen. Im Verein wird aber zu gern die Geschichte erzählt, wie er vor fast 20 Jahren für ein paar Monate auf dem Weg zu ihr an der Fährstelle immer durch die Oste geschwommen ist. „Den Weg hat die Fähre mir doch sehr erleichtert“, sagt er und grinst.

www.faehre-brobergen.de

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