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Freiburg

TNach 46 Jahren sagt Erika Hatecke Tschüss – Aber sie hat noch einiges vor

Erika Hatecke auf der neuen Steganlage der Werft II.

Erika Hatecke auf der neuen Steganlage der Werft II. Foto: Helfferich

Nur noch wenige Tage, dann geht Nordkehdingens Samtgemeindebürgermeisterin Erika Hatecke in den Ruhestand. 46 Jahre hat sie gearbeitet: mit viel Engagement und Herzenswärme.

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Von Susanne Helfferich
20.10.2026, 06:20 Uhr

Freiburg. „Ich arbeite gerne“, versichert Erika Hatecke - und das nimmt man ihr sofort ab. Sie hatte sogar kurz überlegt, weitere fünf Jahre dranzuhängen. Doch der Niedersächsische Landtag hatte im Januar 2025 beschlossen, die Amtszeit von Hauptverwaltungsbeamten von fünf auf acht Jahre zu verlängern. Da legte Hateckes Familie ihr Veto ein.

Erika Hatecke, die im Freundeskreis nach ihren Ursprungsinitialen für Erika Off „EO“ gerufen wird, folgte dem Einspruch. Sohn Kai ist seit zwei Jahren Vater und auch Tochter Katharina wird in wenigen Wochen ihr erstes Kind bekommen. Da wurde der fast 67-Jährigen klar, dass sie mehr Zeit haben will für die Familie und die Enkel.

Erika Hatecke wollte mehr Zeit für Familie und Boote

Und dann gibt es auch noch die Werft II im Freiburger Hafen, die Erika und Rainer Hatecke vor drei Jahren gekauft haben. Der Freiburger Hafen ist jetzt in fester Hand der beiden. Im Hafen angrenzend ans Bassin liegt der Traditionsbetrieb - die Werft I - den der Schiffszimmerer und Ururopa von Rainer Hatecke Barthold-Hermann Hatecke 1861 gegründet hatte. Die Werft II liegt an einem Seitenarm des Hafens und hatte einem Hatecke-Verwandten gehört.

Saisonende: Der Freiburger Hafen ist derzeit voller Schiffe, die noch bei Hatecke eingelagert werden.

Saisonende: Der Freiburger Hafen ist derzeit voller Schiffe, die noch bei Hatecke eingelagert werden. Foto: Helfferich

Hier hat Erika Hatecke während des Sommers schon damit begonnen, im Kastaniengarten neben der Lagerhalle der Werft II Pflanzen anzulegen; Rohrkolben und Wasserlilien sind schon angepflanzt. Ans Ufer schmiegt sich eine neue Steganlage aus Holz. Die künftige Rentnerin liebt es, sich dort auf die Bank zu setzen und in den Hafen zu schauen.

25 Boote werden in diesem Jahr auf der Werft II überwintern. Die Börteboote lagern in der Werft I. „Da liegen einige Schätze dabei“, sagt die fast 67-Jährige, „alle Schiffe haben eine Geschichte.“ Und diese sollen in der geplanten Museumswerkstatt der Werft II entdeckt und erzählt werden. Eine Konkurrenz zum Kehdinger Küstenschiffahrtsmuseum in Wischhafen oder zum Kornspeicher in Freiburg sei das nicht. Im Gegenteil: Alles könne sich gegenseitig beleben.

Mit dem Vater auf Kümos unterwegs nach Schweden

Erika Hatecke liebt den Geruch nach Holz und Elbe. Sie ist in einer Bootsbauerfamilie aufgewachsen und als Teenager häufiger mit dem Vater auf Kümos nach Finnland oder Schweden mitgefahren. „Ich habe auch viel Zeit mit meinem Vater in der Werkstatt verbracht“, erzählt sie. Doch dass sie selbst an einer Werkbank steht, habe niemals zur Debatte gestanden. „Meine Eltern wollten, dass ich einen sicheren Job habe, und ich wollte mein eigenes Geld verdienen. Das konnte ich bei der Behörde.“

Die Kastanienwiese neben der Lagerhalle soll noch weiter bepflanzt werden.

Die Kastanienwiese neben der Lagerhalle soll noch weiter bepflanzt werden. Foto: Helfferich

Nach der Schule machte sie zunächst ein Praktikum bei der Kreishandwerkerschaft. Der damalige Geschäftsführer gab ihr mit auf den Weg: „Mädchen, Du darfst Dich nicht unter Wert verkaufen“, erzählt Hatecke. Das habe ihr Selbstbewusstsein für die neuen Begegnungen gegeben. Und so knickte sie auch nicht ein, als später die Damen des Schreibbüros beim Landkreis pikiert kritisierten, als sich die junge Erika Off mit „Frau“ Off und nicht mit „Fräulein“ meldete.

Trotz Schwangerschaft überzeugte sie das Männerregime

Und sie bot auch anderen Kalibern die Stirn: Nach zwölf Jahren bei der Kreisverwaltung sollte sie ans Natureum versetzt werden. Parallel wurde eine Stelle bei der Samtgemeinde Nordkehdingen ausgeschrieben. Spontan bewarb sie sich und wurde auch eingeladen. Die Herausforderung: „Während des Bewerbungsverfahrens wurde ich schwanger. Da dachte ich schon, den Job kann ich abhaken“, so Hatecke.

Dennoch folgte sie der Einladung des rein männlich besetzten Verwaltungsausschusses. Sie versprach, so lange es geht, weiterzuarbeiten und acht Wochen nach der Geburt wieder einzusteigen. Natürlich seien die Männer skeptisch gewesen. Doch sie hielt dagegen: „Ihr würdet doch auch einen Mann einstellen, der sich beim Skifahren ein Bein bricht und drei Monate ausfällt.“

Herzensprojekte: Schulen, Kitas und die Feuerwehren

Sie hatte den Job als Ordnungsamtsleiterin und wurde direkte Vertretung von Verwaltungschef Edgar Goedecke - ab 2019 Samtgemeindebürgermeisterin. Als Leiterin des Ordnungsamtes bekam sie viele Schicksale zu sehen. „Ich hätte ein Buch schreiben können“, sagt sie, ohne näher auf die Ereignisse einzugehen. Ihre Herzensprojekte waren die Schulen, die Kindertagesstätten - und die Feuerwehren.

Erika Hatecke ist zufrieden mit dem, was sie erreicht hat. Dennoch will sie sich bei der Dorfentwicklung weiter einbringen. „Freiburg hat so viel Potenzial“, sagt sie. Und so ist auch ihr Fokus auf die Verschönerung des Hafens ausgerichtet.

Erika und Rainer Hatecke freuen sich darauf, die Werft II künftig gemeinsam gestalten zu können.

Erika und Rainer Hatecke freuen sich darauf, die Werft II künftig gemeinsam gestalten zu können. Foto: Helfferich

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