T„Op Platt seggt man Du“: Neuer Leiter rettet Harsefelder Klöönsnack
Der neue Leiter des Plattdeutschen Nachmittags Detlef Schnackenberg mit seiner Vorgängerin Hanna Hilz. Foto: P. Meyer
Nach 51 Jahren war Schluss. Der Plattdeutsche Nachmittag brauchte einen neuen Leiter. Diese Lücke füllt nun Detlef Schnackenberg. Für ihn bedeutet die Sprache Heimat.
Harsefeld. Die Glocke klingt, das Stimmengewirr ebbt ab. Hinter den Türen des Saals im Kino-Hotel Meyer wird es still - nur für einen Moment. Dann tritt Detlef Schnackenberg nach vorn, räuspert sich, lächelt in die Runde: „Nu geiht dat los.“ Die 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer applaudieren begeistert, noch bevor er seinen Satz ganz beendet hat. Der plattdeutsche Nachmittag in Harsefeld lebt wieder.
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Ob es mit dem Harsefelder Klöönsnack überhaupt weitergehen wird, war lange ungewiss. Nachdem Hanna Hilz 2025 aus gesundheitlichen Gründen die Leitung abgeben musste, stand die Traditionsveranstaltung, die 1974 ins Leben gerufen wurde, fast ein Jahr lang still. Ein Nachfolger fehlte, damit drohte ein Stück Alltagskultur zu verschwinden. Umso größer ist nun die Erleichterung und die Freude, dass sich eine neue Leitung gefunden hat.
In der Tischlerei gehörte Plattdeutsch zum guten Ton
Detlef Schnackenberg ist 63 Jahre alt, Tischler im Ruhestand und seit 40 Jahren Harsefelder. Gebürtig stammt Schnackenberg aus Ahrenswohlde, wo er 45 Jahre lang in seinem Handwerk gearbeitet hat. „Bei uns im Ort und auf der Arbeit haben wir immer Plattdeutsch geredet“, erzählt er. Er sei damit großgeworden.
Vom plattdeutschen Nachmittag hatte Schnackenberg schon oft gehört, selbst dabei gewesen war er nie. Aus zeitlichen Gründen. Als er vor einem halben Jahr in Rente ging, bekam er mit, dass das Treffen nicht mehr stattfand. Fleckenbürgermeisterin Susanne de Bruijn ermutigte ihn schließlich, die Leitung selbst zu übernehmen.

Fleckenbürgermeisterin Susanne de Bruijn sprach einige Worte auf Plattdeutsch. Foto: P. Meyer
Auch für sie persönlich habe der plattdeutsche Nachmittag eine besondere Bedeutung: Ihre inzwischen verstorbenen Eltern waren über viele Jahre regelmäßig dabei. „Die Leute wollen, dass es weitergeht“, sagt sie. Der erste Nachmittag gab ihr recht.
Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen schon eine Stunde früher, zum Kuchenessen, Schnacken und Lachen. Für manche ist dieser Nachmittag mehr als eine Veranstaltung, er ist auch sozialer Treffpunkt mitten im Ort, gerade für ältere Harsefelder, die nicht mehr mobil sind. Es werden Geschichten, Witze und Gedichte vorgelesen, gemeinsam wird auf Platt gesungen oder lauthals gelacht. Jeder darf erzählen, was er möchte - auf Platt natürlich.
Eine freundliche Sprache, die gesprochen werden will
Plattdeutsch bedeutet für die Teilnehmer, sich auf einer anderen Ebene zu begegnen, erklärt Schnackenberg. „Auf Platt gibt es kein ‚Sie‘“, sagt er. „Op Platt seggt man Du.“ Genau das mache die Sprache so freundlich. Seit Detlef Schnackenberg nicht mehr arbeitet, habe er selbst kaum noch Platt gesprochen. Der Nachmittag ist für ihn ein Weg, die Sprache wieder aktiv auszuüben.
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In Harsefeld ist Detlef Schnackenberg gut vernetzt. Seit 40 Jahren spielt er hier Eishockey, trainiert eine Hobby-Mannschaft mit bis zu 40 Leuten. Auch überregional engagiert er sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache, etwa beim Förderverein De Plattdüütschen in Düdenbüttel. „Es wäre schade, wenn die Sprache ausstirbt“, sagt er. Platt sei Kulturgut und lebendig - wenn man sie spricht.
Platt im Job: Einige Kunden forderten plattdeutsche Beratung
Hanna Hilz, die den plattdeutschen Nachmittag 17 Jahre lang geleitet hat, sitzt an diesem Tag im Publikum. Insgesamt ist sie seit 39 Jahren dabei. Auch sie ist mit Plattdeutsch aufgewachsen und auch als Sparkassen-Mitarbeiterin wurden ihre Sprachkenntnisse oft gebraucht, wenn mal ein Kunde auf Platt beraten werden wollte. „Gott sei Dank geht das wieder los“, freut sich Hanna Hilz. Die Menschen hätten das Treffen vermisst. Plattdeutsch bedeute für sie und viele andere Heimatgefühl.

Ursula Vieths las eine Geschichte von Heinz Busch vor. Foto: P. Meyer
Zu ihnen gehört auch Ursula Vieths, 82 Jahre alt. Sie liest an diesem Nachmittag eine Geschichte von Heinz Busch vor. Vieths freut sich besonders auf die gemeinsam gesungenen Lieder, begleitet von Gitarre und Akkordeon. „Das ist lebensnotwendig“, sagt sie verschmitzt. Gemeinsam zu lachen sei wichtig, gerade in politisch schweren Zeiten, wie diesen.
Die Veranstaltung findet jeweils am zweiten Donnerstag im Monat von Oktober bis April um 15 Uhr im Kino-Hotel Meyer statt.
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