TRaus aus dem Alltagstrott: Gemeinsames Töpfern als Therapie
Elke Ernst (links) und Michaela Parlow laden zum Töpferflohmarkt in Fredenbeck ein. Foto: Laudien
Kugeln, Schalen, Vogeltränken - beim Töpferflohmarkt in Fredenbeck ist jedes Stück ein Unikat. Was sechs Hobbytöpferinnen antreibt und welche neuen Pläne sie haben.
Fredenbeck. Ein betörender Duft von Flieder, Blauregen und Frühlingsblühern liegt in der Luft. Im Gartenteich plätschert das Wasser und am Ufer sonnt sich ein Schwarm bunter Fische aus Keramik. Der Garten von Michaela Parlow gleicht einem idyllischen Paradies.
Hier hat sich die Fredenbeckerin ihre Keramikwerkstatt eingerichtet, töpfert mit der Töpferscheibe oder modelliert mit den Händen und lässt ihrer Fantasie dabei freien Lauf.
Wilkommensschild der Kreativen Keramikwerkstatt in Fredenbeck. Foto: Laudien
Am Samstag, 6. Juni, von 10 bis 17 Uhr, und Sonntag, 7. Juni, von 13 bis 18 Uhr, verwandelt sich ihr Garten in einen kunterbunten Töpferflohmarkt. Schalen, Kerzenständer, Krüge, Vogeltränken, Kugeln und andere Dekorationsgegenstände bieten ein Eldorado für Liebhaber von handgefertigter Keramik. Zu den Hinguckern zählen unter anderem originelle Tierfiguren und humorvolle Charaktere, wie etwa ein uriger Typ mit zwei drolligen Hunden, die Besucher bereits am Eingang zum Garten begrüßen.
Töpferinnen aus Stade, Hemmoor und Fredenbeck
Die Ausstellerinnen des Töpferflohmarkts sind Hobbytöpferinnen aus Fredenbeck und Umgebung. Zu dem Töpferstammtisch gehören Michaela Parlow und Elke Ernst aus Fredenbeck, Tracy Schmidt aus Isensee, Anke Kilian aus Bützfleth sowie Christina Eberz und Blanka Piede aus Stade. „Wir inspirieren und helfen uns gegenseitig“, erzählt Michaela Parlow, die den Stammtisch vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat.

Mit Goldkettchen und Hosenträgern: zwei dekorative Hingucker Foto: Laudien
Einmal im Monat treffen sich die Hobbytöpferinnen zum gemeinsamen Töpfern. Außerdem besuchen sie Keramikausstellungen und Töpfermärkte. Weitere Töpferinnen sind bei ihrem Stammtisch stets willkommen. Die Töpferinnen schmieden momentan große Pläne.
Künftig möchten sie einen regelmäßigen Töpfermarkt im Landkreis Stade etablieren. Außerdem suchen sie nach einem geeigneten Raum für eine offene Werkstatt für Treffen und zum Austausch sowie zum Tauschen von Glasuren und als Veranstaltungsort für Töpfermärkte.

Handgetertigte Kermik für Haus und Terrasse. Foto: Laudien
Michaela Parlow hat erstmals vor acht Jahren bei einem Kuraufenthalt getöpfert. „Ich habe den Ton in die Hand genommen, und der Werkstoff wurde geradezu lebendig“, schildert die Fredenbeckerin. Seitdem habe sie das Töpfern nicht mehr losgelassen.

Dekorative Keramikfische am Gartenteich von Michaela Parlow. Foto: Laudien
Die Arbeit mit dem Ton mache etwas mit einem, denn es gebe nicht nur Erfolge, erzählt sie. „Töpfern ist Therapie“, sagt Parlow. Man steige aus dem Alltagstrott aus, könne Ideen umsetzen, werde geerdet und müsse lernen, Misserfolge zu verkraften. Töpfern wirkt erwiesenermaßen als effektive Therapie. Die Arbeit mit Ton baue Stress ab, fördere die Feinmotorik und steigere durch kreatives Gestalten das Selbstwertgefühl, sagen Experten.
Herausforderungen beim Töpfern
Der handwerkliche Töpferprozess umfasst das Formen aus Ton, einen ersten Brand, den sogenannten Schrühbrand, das Bemalen und Glasieren sowie einen zweiten Brand, den Glattbrand. Eine große Herausforderung sei die Bemalung, sind sich die Töpferinnen einig.
Insbesondere das Malen von Gesichtern, „aber auch von Händen und Ohren ist nicht einfach“, sagt Parlow. Hinzu kommt, dass die Farben anfangs nicht in ihrem eigentlichen Farbton sichtbar sind, sondern alle den gleichen Beige-Ton haben. Michaela Parlow bewahrt ihre Farben in ihrer Werkstatt in einem Kühlschrank auf. „Mein Tipp als optimaler Aufbewahrungsort, damit die Farben dunkel und trocken lagern“, sagt die Hobbytöpferin.
Auch beim Brennen der Tonrohlinge und der Glasur ergänzen sich die sieben Töpferinnen, um den Platz im Brennofen optimal zu nutzen. Ein nicht unerheblicher Energie- und Kostenfaktor bei Erhitzung von 1000 Grad. Das Öffnen des Brennofens sei immer wieder pure Spannung, schildern die Töpferinnen. „Oft werden wir mit Erfolgserlebnissen belohnt. Manchmal muss man aber auch Enttäuschungen einstecken, weil die Keramik nicht so geworden ist, wie man sie sich vorgestellt hat“, gesteht Parlow.
Elke Ernst besitzt einen großen Brennofen, da sie früher Töpferkurse gegeben hat. Seit über 40 Jahren ist das Töpfern ihre Leidenschaft. Dann kam Corona, und ihre Kurse durften nicht mehr stattfinden. Danach hatte die Fredenbeckerin die Lust am Töpfern verloren. „Doch dann hat Michaela bei mir die Leidenschaft wieder entfacht“, erzählt Elke Ernst.
Kontakt: Michaela Parlow, Auf dem Losfeld 14 in Fredenbeck, M.Parlow@gmx.de.
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