TSchauspielerin Klara Lange: „Harsefeld wird immer meine Heimat sein“
„Plötzlich Schwester“: Klara Lange als Sandra Giesinger (rechts) und Cosima Henman als Sandy Koslowski. Foto: Michael Kötschau
Am 6. August läuft die ZDF-Komödie „Plötzlich Schwester“ mit Klara Lange in der Hauptrolle. Ein sehr persönliches Gespräch über Perfektionismus, Harsefeld und Zukunftspläne.
Harsefeld. TAGEBLATT: In der neuen ZDF-Komödie „Plötzlich Schwester“ spielen Sie die spießige Perfektionistin Sandra, die herausfindet, dass sie eine Schwester hat und durch die neue Verwandtschaft ins Chaos gestürzt wird. Sind Sie privat auch eine Perfektionistin?
Klara Lange: Ich glaube, ich habe über die Jahre ein gutes Gleichgewicht zwischen Spontanität und kleinen abgesteckten Zielen gefunden. Viele meiner bisherigen Rollen hatten einen hohen perfektionistischen Drang, von denen ich mir gut was abgucken konnte. Alles, was ich nicht beeinflussen kann, betrachte ich mit einem mitgegebenen Gedanken meiner Mutter: geschehen lassen!
Pretty in Pink beim Junggesellinnenabschied für Sandra (Klara Lange, 2. von rechts) mit Sandy Koslowski (Cosima Henman, 2. von links) und den Frreundinnen Mira (Jona Pausacker, links) und Melek (Danai Chatzipetrou, rechts). Foto: Brainpool/Michael Kötschau
Zusammen mit Cosima Henman (als chaotische Sandy) spielen Sie ein schrilles Geschwister-Duo. Im wahren Leben haben Sie einen jüngeren Bruder. Sind Sie mit ihm auf einer Wellenlänge?
Auch wenn wir sehr unterschiedliche Leben führen und auch gerne diskutieren, erkennen mein Bruder und ich immer mehr Ähnlichkeiten und gemeinsame Glaubenssätze - das ist ziemlich schön.

Beim Kauf des Brautkleids läuft einiges schief (von links): Mutter Monika (Andrea Sawatzki) mit Tochter Sandra (Klara Lange) sowie Sandy Koslowski (Cosima Henman) und Mutter Gabi (Anita Vulesica). Foto: Brainpool/Michael Kötschau
In der Komödie geht es um Ihre Hochzeitsvorbereitungen. Ist das auch privat für Sie ein Thema?
Aktuell erlebe ich beruflich gerade so viele Abenteuer, dass das Thema Hochzeit kein großes Thema für mich ist. Wenn es irgendwann so weit sein sollte, dann nach meinen ganz eigenen geheimen Vorstellungen. Aber die Idee, die Liebe mit Freunden und Familie zu feiern, finde ich schon schön.

Im Laden für Brautmode: Sandy (Cosima Henman, links) hat andere Vorstellungen vom perfekten Brautkleid als Sandra (Klara Lange). Foto: Brainpool/Michael Kötschau
Die bekannte Schauspielerin Andrea Sawatzki spielt in der Komödie ihre Mutter Monika. Im richtigen Leben sind Sie in dem Tanzstudio ihrer Mutter Susanne in Harsefeld aufgewachsen. Inzwischen leben Sie in Hamburg. Kommen Sie noch oft nach Harsefeld zu ihrer Familie und zu Freunden und inwieweit hat Harsefeld ihre Jugend geprägt?
Harsefeld wird immer meine Heimat sein, in die ich gerne immer mal wieder zurückkehre! Raus aus der lauten Stadt zu kommen und alte gewohnte Wege zu meiner Stammeisdiele Dante oder durch den Klosterpark zu gehen, sind für mich sehr beruhigend.
Zehnjähriges Abi-Treffen in Harsefeld
Meine Familie regelmäßig zu sehen ist mir sehr wichtig, auch wenn das berufsbedingt mal regelmäßig und mal unregelmäßiger klappt. Nächstes Wochenende habe ich zehnjähriges Abitreffen an meinem alten Gymnasium. Ich freue mich schon sehr darauf, ehemalige Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Lehrkräfte zu sehen. Das kann spannend werden.

Gabi Koslowski (Anita Vulesica, von links) und ihre Tochter Sandy (Cosima Henman haben sich im Garten von Sandra Giesinger (Klara Lange und ihrer Mutter Monika (Andrea Sawatzki) eingenistet. Das sorgt für viel Brennstoff bei den ungleichen Familien. Foto: Brainpool/Michael Kötschau
Neben der Schauspielerei machen Sie auch Musik. Ihre Band heißt Kata Kaze - wie kam es dazu und was bedeutet der Name?
Musik ist der perfekte Ausgleich für die auch immer wieder ruhigeren Momente in meiner Schauspiellaufbahn. Irgendwann hat sich diese Band gegründet. Der Name Kata Kaze ist durch ein wildes Brainstorming entstanden, über das wir alle oft lachen müssen. Nicht der einfachste Name, um ihn anderen zu erklären. Ich versuche es lieber gar nicht erst. Also: ein Geheimnis.
Sie sind außerdem Botschafterin der Plattform „Rollenfang“ für mehr Inklusion und Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen im Film und Fernsehen. Warum haben Sie dieses Amt übernommen?
Ich habe mich als der Typ Mensch, der ich bin, schon immer wiedergefunden in Film- und Fernsehproduktionen. Meine ganze Jugend war geprägt von Filmen wie „Freche Mädchen“ oder „Die Wilden Hühner“. Ich hatte immer Identifikationsrollen. Vielen Menschen, vor allem Menschen mit Behinderung, fehlt das bis heute.
Engagement für Inklusion
Rollenfang arbeitet nach dem Motto „Wir wollen alle sehen“. Ich versuche an Filmsets und in Gesprächen immer wieder Aufmerksamkeit und Aufklärung für das Thema Inklusion zu schaffen und Berührungsängste abzubauen. Weil ich als Mensch in der Öffentlichkeit mit meiner Stimme manchmal mehr durchdringen kann als andere. Das möchte ich nutzen.

Familienbande (von links): Monika Giesinger (Andrea Sawatzki), Sandra Giesinger (Klara Lange), Sandy Koslowski (Cosima Henman) und Gabi Koslowski (Anita Vulesica). Foto: ZDF/Michael Kötschau/(M) Vielfei
Neben der ZDF-Komödie „Plötzlich Schwester“ waren Sie bereits bei Folgen vom „Tatort“ sowie in Talkshows im Fernsehen zu sehen. Schauen Sie selbst noch Fernsehen - und wenn ja, welche Sendung beziehungsweise Serien?
Ich muss zugeben, dass ich auch hauptsächlich nur noch in Mediatheken und über Streamingportale Filme und Serien gucke. Aber auch, weil große Sender wie ARD und ZDF teilweise nur noch für die Mediathek produzieren - hier lohnt es sich, mal durchzugucken. Ein paar Tipps sind zum Beispiel die neue Staffel Push oder Oderbruch.

Justus (Yannik Heckmann) und Sandra (Klara Lange) planen ihre Hochzeit bis ins kleinste Detail. Doch das ordnungsliebende Paar ahnt noch nicht, wie schnell und turbulent alles aus dem Ruder laufen kann. Foto: Brainpool/Michael Kötschau
Ihre erste große Rolle nach der Schauspielschule war die erfolgreiche Streaming-Serie „Die Discounter“. Viele warten immer noch sehnsüchtig auf ein Wiedersehen mit Pina und den anderen Mitarbeitern von „Feinkost Kolinski“. Gibt es noch Hoffnung auf neue Folgen?
Aktuell gibt es da keine Infos. Ich lass mich wie alle Fans der Serie überraschen.

Happy End mit Hindernissen: Sandra (Klara Lange) und Justus (Yannik Heckmann) bei der Hochzeit - im Hintergrund Gabi Koslowski (Anita Vulesica). Foto: Brainpool/Michael Kötschau
Vorfreude auf die Fortsetzung „Plötzlich Mama“
Die Fortsetzung der Komödie „Plötzlich Schwester“ ist bereits in Arbeit. Wie geht es mit Sandra weiter und wann ist die Ausstrahlung im ZDF geplant?
Die Dreharbeiten zum zweiten Teil liefen unter dem Arbeitstitel „Plötzlich Mama“. Nachdem der Schritt der Hochzeit abgehakt ist, verfolgt meine Rolle Sandra den in ihrem Kopf nächsten logischen Step in ihrem Leben: eine Familie gründen und Mama werden. Und ich sag euch, das ist mit vielen Hindernissen, Vorurteilen und Tränen der Freude und des Trauerns verbunden. Ein Film, der mich sehr herausgefordert hat. Aber ich glaube, es hat sich gelohnt. Wann genau der Film veröffentlicht wird, weiß ich allerdings noch nicht.
Gibt es weitere Projekte, die bei Ihnen demnächst anstehen oder die Sie gerne einmal machen würden - und gehört zum ganz großen Ziel auch Hollywood, so wie bei der deutschen Schauspielerin Sandra Hüller?
Im September finden die Filmfestspiele in Venedig statt und ich habe das große Glück, dass dort ein Film im Wettbewerb gezeigt wird, den ich letztes Jahr in München drehen durfte. Camouflage von dem Regisseur Mykyta Gabalenko, der von einem jungen Mann handelt, der sich in München ein neues Leben aufbaut, während in seiner Heimat Ukraine der Krieg wütet. Ich bin sehr stolz, Teil dieses Films zu sein. Und ich bin natürlich aufgeregt auf dieses internationale Festival, neue Filmkontakte und Impulse für meine Zukunft.
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Die Komödie „Plötzlich Schwester“ läuft am Donnerstag, 6. August, um 20.15 Uhr im ZDF und ist außerdem für ein Jahr in der Mediathek.
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