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Nachhaltigkeit

TSchiffsrecycling: Eine junge Frau und das Ende von dicken Pötten

Anja Binkofski arbeitet für ihre Promotion am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven und beschäftigt sich mit Schiffsrecycling.

Anja Binkofski arbeitet für ihre Promotion am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven und beschäftigt sich mit Schiffsrecycling. Foto: ls

Anja Binkofski forscht am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Sie beschäftigt sich mit Schiffsrecycling. Warum das wichtig ist - und auch ein Risiko.

Von Ursel Kikker 30.05.2025, 09:08 Uhr

Bremerhaven. Anja Binkofski geht durch das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven mit dem neuen Ausstellungsbereich „Schiffswelten - Der Ozean und wir“. Sie strahlt. Im Moment kann sich die 28-jährige Kulturwissenschaftlerin nichts Besseres vorstellen. „Ich fühle mich hier richtig wohl.“

Die Bremerin forscht zum Thema Schiffsrecycling. Wenn sie Besucher durch das Werfttor der Ausstellung führt, beginnt ein wichtiges Kapitel Industriegeschichte: Ein Schiff entsteht. „Über die Geburt eines Schiffes wissen wir vieles“, sagt Binkofski. Taufe und Stapellauf sind prestigeträchtige Ereignisse.

Die letzte Fahrt zu den Schiffsfriedhöfen

Doch das „Sterben“ eines Schiffes – das Abwracken – verläuft irgendwo in Südasien, meistens in Bangladesch, Indien und Pakistan. Ihre Strände sind die Schiffsfriedhöfe der Welt. Etwa 80 Prozent der Ozeanriesen sollen auf ihrer letzten Fahrt Kurs auf diese Länder nehmen.

Beim „Beaching“ werden ausgemusterte Stahlkolosse auf den Strand gefahren und unter fragwürdigen Bedingungen zerlegt – mit entsprechenden Risiken, wenn beispielsweise giftige Schadstoffe ins Meer gelangen. Neben den Kosten sind Auflagen für den Umwelt- und den Arbeitsschutz deutlich geringer als in Europa. Ein dreckiges Geschäft.

Laut einer EU-Verordnung dürfen unter EU-Flagge fahrende Schiffe bestimmter Größe nur auf zugelassenen Recyclingwerften einer EU-Liste abgewrackt werden. Viele davon liegen in der Türkei. Mit der Hong Kong Convention der International Maritime Organisation (IMO) gelten ab Ende Juni 2025 internationale Vorschriften. Ob das Abwracken für Mensch und Umwelt wirklich sicherer wird, ist umstritten.

Weltweit werden nach Angaben des Verbands der Deutschen Reeder jährlich rund 700 Seeschiffe außer Dienst gestellt. Binkofski hat bewusst das Thema geweitet. Sie will „Geschichte mit dem Heute und Morgen verbinden“. Die Wissenschaftlerin fragt nach Perspektiven, die für norddeutsche Werftstandorte im Schiffsrecycling liegen könnten. In Schiffen sind wertvolle Rohstoffe verbaut. „Viel Potenzial liegt im Stahlrecycling“, ist Binkofski überzeugt.

Noch sei es ein großes Risiko für die Unternehmen, meint sie. Bislang sei das Regelwerk komplex, und recycelter Stahl sei noch nicht großflächig in die Kreislaufwirtschaft integriert. Dennoch: Die EWD Benli Recycling GmbH hat gerade von Behörden die Genehmigung für ein Schiffsrecycling in Emden erhalten. Sie gehört zur Bremerhavener Benli Gruppe, die im Fischereihafen sitzt.

Welchen Wert hat eine nachhaltige Zukunft?

Binkofski will nicht nur die ökonomische Sichtweise einnehmen. „Welchen Wert hat für uns eine nachhaltige Zukunft?“, fragt sie. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen aus Industrieländern ihren Urlaub auf Kreuzfahrtschiffen verbringen und Waren über den Seeweg in die Supermärkte gelangen, sollte bewusster über das Ende von Schiffen nachgedacht werden. „Idealerweise sollte beim Schiffbau der Rückbau gleich mitgedacht werden.“

Binkofski kommt aus einer Bergbau-Familie. In ihrer Masterarbeit hat sie sich mit dem Meeresspiegelanstieg auf den Halligen und die Zukunftsplanung von Küstenbewohnern befasst. Während des Studiums an der Uni Bremen lernte sie DSM-Direktorin Prof. Dr. Ruth Schilling kennen. Nach einem Praktikum im DSM war sich die junge Frau mit den Anker-Ohrringen sicher, am richtigen Platz zu sein. Binkofski: „Als Kulturwissenschaftlerin suche ich nach Geschichten, die ich erzählen kann.“

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