TTränen auf dem Horneburger Kirchturm: Drei Paare haben sich getraut
Ein grandioser Ausblick und Seifenblasen: Manuela Cristodaro und Jörg Thoma auf dem Horneburger Kirchturm. Foto: Buchmann
Ganz spontan kirchlich heiraten: Das war am 26. Juni 2026 auch in Horneburg möglich. Trotz Hitze trauten sich manche auch auf den Kirchturm - und fuhren dafür durchs halbe Land.
Horneburg. 12 Uhr mittags, 30 Grad Celsius: Langsam nähern sich Christel und Horst Sauter einem Raumtrenner aus blauem Stoff, geschmückt mit Luftballons und bunten Girlanden. Dahinter liegt der Altar der Liebfrauenkirche, Pastorin Dorlies Schulze erwartet das Ehepaar und einige enge Freunde bereits.
Christel und Horst Sauter haben sich am Freitag in Horneburg kirchlich trauen lassen. Foto: Buchmann
Seit vier Jahren lebt das Ehepaar in Horneburg. Kennengelernt haben sich die beiden vor 19 Jahren im ehemaligen Technologiezentrum Buxtehude, 2009 heirateten sie. Beide waren zuvor schon einmal verheiratet. „Meine Frau war vor 20 Jahren verstorben“, sagt der 87-Jährige. Doch er fand in seiner Christel noch mal die Liebe.
Liebe bis ins hohe Alter
„Die Liebe bedeutet uns viel“, sagt Christel Sauter. Die 79-Jährige hat trotz Sommerhitze und eines gebrochenen Wadenbeins den Weg in die Liebfrauenkirche auf sich genommen. „Wir wollten das noch einmal kirchlich bestätigen“, sagt Horst Sauter.
Fiel deshalb die Wahl auf den beliebten Bibelvers „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“?
„Den hat Horst ausgesucht“, sagt Christel Sauter und schaut zu ihrem Mann. „Der stand ganz oben“, antwortet der augenzwinkernd. Dafür habe sich seine Frau das „Danke“-Lied ausgesucht. „Ich finde das so schön“, schwärmt sie. „Und ich habe mich angeschlossen“, ergänzt er.

Pastorin Dorlies Schulze erteilt dem Ehepaar den kirchlichen Segen. Foto: Buchmann
Vor der Zeremonie waren beide „positiv aufgeregt“, sagt Christel Sauter beim Sektempfang danach im Gemeindehaus. „Du hast uns ja immer daran erinnert, am Freitag lieber etwas früher da zu sein“, wirft eine Freundin sofort ein und lacht.
In trauter Dreisamkeit hoch auf den Kirchturm
16 Uhr nachmittags, 32 Grad Celsius: Nicole und Jan Schwämlein wagen gemeinsam mit Sohn Mattis den Aufstieg auf den Horneburger Kirchturm. „Das wollten wir schon immer mal machen“, gesteht die Standesbeamtin, die mit ihrer Familie auf Daudiek lebt.

Jan und Nicole Schwämlein haben sich auf dem Kirchturm trauen lassen. Sohn Mattis ist ebenfalls mutig hinaufgestiegen. Foto: Buchmann
Seit zehn Jahren sind die beiden schon ein Paar, verheiratet seit acht - bisher nur standesamtlich. Eine Postkarte im Briefkasten habe sie davon überzeugt, sich für die Heiratsaktion anzumelden.
Ein Glockenschlag zur richtigen Zeit
Gemeinsam mit Pastorin Dorlies Schulze steigen sie die insgesamt 50 Leitersprossen empor, bis sie am obersten Punkt des Holzturms herauskommen. „Wunderschöner Ausblick“, kommentiert Jan Schwämlein, während er den Blick über Horneburg bis zur Elbe schweifen lässt.

Ganze 50 Leitersprossen müssen Paare bis zur Turmspitze erklimmen.
Ein besonderer Moment dürfte den beiden in Erinnerung bleiben, als sie sich ihre Ehegelübde vorlesen. Denn gerade als Nicole Schwämlein ihres abschließt, läutet eine der Glocken. Ein Amen wie aus dem Bilderbuch.
Von Bonn bis nach Horneburg - aus Liebe
17 Uhr nachmittags, 31 Grad Celsius: Manuela Cristodaro steckt ihrem Mann Jörg Thoma noch schnell eine Ansteckblume ans Revers. Die beiden haben sich an diesem Tag richtig in Schale geworfen: er im hellgrauen Anzug mit Fliege, sie im weißen Hochzeitskleid mit Schleppe.

Pastorin Dorlies Schulze bei der Trauung auf dem Kirchturm. Foto: Buchmann
Das Paar hat über 400 Kilometer Anreise aus Wachtberg bei Bonn auf sich genommen, um auf der Spitze des Kirchturms kirchlich zu heiraten. Im Norden verbringen sie gerne ihren Urlaub. Da sie über den Aktionszeitraum wegen eines Sommerfestes in Harburg untergekommen sind, haben sie in der Nähe nach einem besonderen Ort zum Heiraten gesucht - und stießen so auf Horneburg.
Heiratsantrag auf Sylt
„Der Kirchturm ist so eine besondere Location“, schwärmt Manuela Cristodaro. Noch am Vortag sei sie mit Lockenwicklern durch Bonn gelaufen, um alles perfekt vorzubereiten. Sowohl die 47-Jährige als auch ihr 59-jähriger Partner waren schon einmal verheiratet.
„Eigentlich wollte ich nicht noch mal heiraten“, gesteht sie. Doch als ihr Mann von der Heiratsaktion im Radio hörte und ihr davon erzählte, machte sie ihm anschließend einen Antrag auf Sylt. Somit war es entschieden.
Sanfte Tränen über den Dächern Horneburgs
Trotz Höhenangst und Schleppe kämpfte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann auf den Turm. „Ich wusste, er ist hinter mir und gibt mir Halt“, sagt sie. „Für mich bedeutet Liebe, dass wir einander vertrauen und füreinander da sind“, sagt Jörg Thoma.
Oben angekommen wirkt das Paar sichtlich erleichtert. Während Dorlies Schulze aus dem gemeinsamen Leben der beiden erzählt, treffen sich immer wieder ihre Blicke.
Als später Florian Künstler aus dem Handylautsprecher singt: „Wenn wir beide weiße Haare haben, will ich noch immer in dein‘n Arm‘n schlafen, ich würd immer wieder ja sagen zu dir“, fließen sanfte Tränen über den Dächern Horneburgs. Das muss Liebe sein.

Ein Blumenstrauß für die Zeremonie darf nicht fehlen. Foto: Buchmann
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