TTriathlet oder rüstiger Senior: Warum sie in Harsefeld am Start sind
Aufwärmen vor dem Start der Bambinis beim 20. Lauf- und Musikfestival. Foto: Felsch
Das Wetter ist schlecht, aber die Stimmung beim 20. Harsefelder Lauf- und Musikfestival ist bombastisch. Was die Starter antreibt - und was die Sorge des Zeitnehmers ist.
Harsefeld. Mehr als 1000 Läuferinnen und Läufer haben sich angemeldet. Die meisten von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Und trotz teils heftiger Sturmböen und viel Regen kommen am Sonnabend sogar noch einige Nachzügler dazu.
Sie treten beim 2000 Meter-Kinderlauf, auf der 5100-Meter-Kurzstrecke, über 10 200 Meter, beim Staffellauf, bei den Bambinis oder beim Seniorenwalk an. Jeder läuft die passende Strecke und hat seine eigenen Ziele.
Der Älteste
Wind und Regenschauer konnten sie nicht abhalten: Die Seniorengruppe der Harsefelder Kirche, die für Kinder aus der Ukraine antritt, um Spenden zu akquirieren, gehen singend die vorgeschriebene Runde.

Der älteste Teilnehmer Johann Klintworth. Foto: Felsch
Der älteste Teilnehmer Johann Klintworth macht zum ersten Mal mit seinen Rollator den Senioren-Walk mit. Zuhause habe er fleißig geübt, verrät der 92-Jährige gut gelaunt und fügt hinzu: „Ich bewege mich täglich, um fit zu bleiben.“ So hält es auch Peter Brandt, 91, der zweitälteste aus der Gruppe.
Die Jüngsten
Die jüngsten Teilnehmer wurden ebenfalls begleitet - von Eltern oder Großeltern. Laut Anmeldung sind das Jaron Meyer und Paul Räder, beide gerade mal ein Jahr.

Lena (4) und ihre Schwester Zofia (6) sind schon mehrmals mitgelaufen. Foto: Felsch
Zwei, die wie so viele der Kleinsten, ganz aufgeregt sind, obwohl es nicht ihr erster Lauf ist: Lena Kedzierska (4) und ihre Schwester Zofia (6). „Unsere Töchter tanzen gern und sind im TuS Harsefeld“, erzählt ihre Mutter stolz. Die beiden Mädchen gehören zur Kita Villa Kunterbunt.

Erzieherin Mette Wohlers. Foto: Felsch
„Unsere Kita-Gruppe ist 2006 schon dabei gewesen“, sagt Erzieherin Mette Wohlers, die die Kids während der Wartezeit betreut. „Und wir sind heute wie damals gut drauf, trotz des schlechten Wetters“, fügt sie mit einem Blick auf den dunklen Himmel hinzu.
Der Zeitmesser
Sven Schulz, einer der Hauptverantwortlichen, hat in den 20 Jahren, die er dabei ist, schon mehr Sonne erlebt. „Soviel, dass wir einmal den Kinderlauf nicht gestoppt hatten, weil es zu heiß war“, erinnert sich der 48-Jährige.
Wegen Corona musste das Event ausfallen - alternativ liefen die Teilnehmer allein. Von seinem Wohnzimmer aus erfolgte später die Siegerehrung per eingeblendeter Urkunden auf dem Bildschirm. „2012 hatten wir richtig großes Chaos, weil wir RaceResult da noch nicht kannten, irgendwie hat es letztendlich doch geklappt“, so Schulz.

Sven Schulz. Foto: Felsch
Dass das System nicht funktioniert, ist seine größte Sorge. Oder dass jemand sich verletzt, so wie 2024, als zwei Frauen stürzten. Seine Kinder, Hannes (16) und Sontje (12) laufen auch wieder mit, was den Vater besonders freut.
„Ich selbst habe früher Leichtathletik gemacht, heute bin ich nur noch Schiedsrichter“, meint Schulz bescheiden, bevor er sich wieder auf seine Aufgabe, die Zeitmessung konzentriert. Denn die Technik des gemieteten Systems erfordert höchste Aufmerksamkeit.
Die Stimmungsmacher
Ein paar Meter weiter haben die DJs ihre Hightech-Anlage zum Schutz vor dem Regen unter dem Bushaltestellen-Dach aufgebaut. Die „Plattenfietzen“ begleiten das Festival mit den besten Beats und mit passenden Kindersongs bei den Aufwärmübungen der Kleinsten.

Die DJs Jannis und Jan Henrik. Foto: Felsch
Jannis Thien (26) und Jan-Henrik Höpper (30) haben Erfahrung: Wenn sie nicht gerade bei Hochzeiten, Schützenfesten oder Geburtstagen auflegen, dann in Harsefeld beim Seifenkistenrennen und beim Frühjahrs- und Herbstmarkt.
Am Sonnabend haben sie den ganzen Tag zu tun, erst sorgen sie für den Hintergrundsound bei den Läufen, später am Abend heizen sie von der Bühne aus dem Partyvolk ein - mit vielen Songs aus 2006 als Hommage an den 20-jährigen Geburtstag des Events. Bis zum Ende der Veranstaltung um 23 Uhr. „Harter Tag, aber bringt Spaß, schön, dass so etwas stattfindet“, versichern beide glaubhaft.
Der Weitgereiste
Das findet auch Jürgen Boeker, der 2006 mitlief, mit der Startnummer 208, und den vierten Platz erreichte. Für das heutige Ereignis ist der Triathlet, der mittlerweile im Allgäu lebt, extra wieder in seine Heimat Harsefeld gereist, auch um alte Bekannte wiederzutreffen.
Der ehemalige Bundeswehroffizier und Iron Man Hawaii hat insgesamt zehnmal an dem Sportereignis teilgenommen, immer beim Zehn-Kilometer-Lauf, den er oft als Schnellster bestritt.

Triathlet Jürgen Boeker. Foto: Felsch

Peter Brandt (91). Foto: Felsch
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