TTür geht zu schwer auf: 95-jährige Staderin muss nach Sturz ins Heim
Bewohnerin Ursula Laasch stürzte kürzlich beim Versuch, die Seiteneingangstür der Seniorenwohnanlage in Riensförde zu öffnen. Dabei verletzte sie sich und lebt seitdem nebenan im Pflegeheim. Foto: Stehr
Eine Brandschutztür in der Seniorenwohnanlage der Jung Stiftung in Riensförde wird Ursula Laasch zum Verhängnis. Sie sagt: „So weit hätte es nicht kommen müssen.“
Stade. Das ist nicht jedem vergönnt: Mit 95 Jahren ist Ursula Laasch noch fit genug, um alleine in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung zu leben. Doch dann passiert es: Die Staderin stürzt, bricht sich den Arm und zieht sich Platzwunden am Kopf zu. Seitdem ist sie im Pflegeheim und vermisst ihre Unabhängigkeit. „Wenn sich unsere Haustür leichter öffnen ließe, wäre es nicht so weit gekommen“, sagt Ursula Laasch.
Die Türen machen den Senioren das Leben schwer
Vor acht Jahren zieht sie in die damals gerade neu eröffnete Seniorenwohnanlage mit 51 seniorengerechten Wohnungen der Ernst und Claere Jung Stiftung auf dem Seniorencampus im Stader Stadtteil Riensförde. Sie fühlt sich hier sehr wohl, auch wegen der netten Mitarbeiterinnen. Die sind immer werktags vor Ort ansprechbar. Außerdem gibt es rund um die Uhr einen Notrufservice. So weit, so gut.

Der Eingangsbereich der Seniorenwohnanlage der Ernst und Claere Jung Stiftung in Riensförde. Sowohl die Haupt- als auch die Seiteneingangstür lassen sich für die Bewohner nur schwer öffnen. Foto: Stehr
Doch schon seit Jahren weisen Ursula Laasch und viele andere Bewohner auf ein großes Problem hin, das hier allen das Leben schwer macht. In dem Neubau lassen sich die Flur- und Außentüren - weil es sich um Brandschutztüren handelt - nur sehr schwer öffnen. Häufiger seien deshalb schon Senioren an der Eingangstür gestürzt, sagt Ursula Laasch. Eine Bewohnerin traue sich überhaupt nicht mehr selbstständig ins Haus, wenn die Tür vorne abgeschlossen ist. Sie warte so lange draußen, bis jemand vorbeikomme, um ihr zu helfen.
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Die Haupteingangstür öffnet sich eigentlich automatisch. Sie ist die einzige Tür im Haus mit elektronischem Öffner. Es gibt aber einen Haken. Wenn der Empfang drinnen nicht besetzt ist - und das sei werktags in der Regel ab 14 Uhr der Fall und am Wochenende durchgehend - muss die Tür von draußen aufgeschlossen werden. Erst dann aktiviert sich der Türöffner - und die Tür drückt mit voller Wucht gegen die Person, die davor steht. Das bringt selbst Menschen ohne Rollator leicht ins Straucheln.
Durchkommen, bevor die Tür mit Wucht wieder zuschlägt
Ursula Laasch benutzt deswegen meist die Seiteneingangstür. Hier ist sie vor Kurzem gestürzt. Wer den Selbsttest macht, versteht schnell, warum. Auch diese Tür öffnet sich nach außen und muss aufgeschlossen werden. Wer rein will, muss den Schlüssel drehen, stark an der Klinke ziehen und durchkommen, bevor die Tür mit Wucht wieder zuschlägt. Auch das ist schon für Menschen ohne Rollator eine kleine Herausforderung.
Dabei sollte doch gerade eine Seniorenwohnanlage, noch dazu eine neu gebaute, zwingend über einen seniorengerechten Zugang verfügen, findet auch Ursula Laaschs Tochter. Sie hat bereits vor gut zwei Jahren unter anderem an den Stiftungsvorstand geschrieben und - wie es im benachbarten Pflegeheim gang und gäbe ist - den Einbau elektronischer Türöffner an allen Brandschutztüren gefordert.
Das bestätigt der Superintendent und Vorstandsvorsitzende der Ernst und Claere Jung Stiftung in Stade, Dr. Marc Wischnowsky. Es gebe aber einen guten Grund, warum die Forderung nicht erhört wurde.
Superintendent: „Wir werden eine Lösung finden“
„Erfahrungen anderer Häuser zeigen, dass solche Systeme sehr fehleranfällig und dadurch wartungsintensiv sind“, sagt Wischnowsky. Die Elektronik gehe häufig kaputt, weil Menschen überflüssigerweise an den Türen ziehen. Das Problem mit der Haupteingangstür sei ihm nicht bewusst gewesen, weil er bisher nur ins Haus gegangen sei, wenn der Empfang besetzt war und sich die Tür automatisch öffnete.
Er macht sich deshalb nach dem Hinweis aus der TAGEBLATT-Redaktion ein Bild vor Ort und verspricht, eine Lösung zu finden, damit alle Bewohner sicher ins Haus kommen. Denkbar wäre etwa ein Schließsystem seitlich an der Mauer oder am Klingelfeld. Die Senioren müssten dann nicht mehr direkt vor der Tür stehen, um aufzuschließen.
Ursula Laasch hofft, dass sie wieder auf die Beine kommt, um davon auch noch zu profitieren.
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