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Basketball

TÜberflieger Cook schlägt beim VfL voll ein und genießt deutsches Bier

Christian Cook ist vom Gegner kaum zu stoppen.

Christian Cook ist vom Gegner kaum zu stoppen. Foto: Struwe (Archiv)

Der VfL Stade ist derzeit nicht zu toppen in der Regionalliga. Das liegt vor allem an dem neuen US-Amerikaner, den selbst die Gegner als „unglaublich“ betiteln. Das ist er.

Von Rainer Thumann 22.10.2026, 14:50 Uhr

Stade. Wäre Christian Cook Fußballer, dann würde er vermutlich mit Bayern-Stürmerstar Michael Olise verglichen. Wenig Aufhebens um die eigene Person, ruhig und zurückhaltend neben dem Platz, dazu ein auffälliger Look und spektakuläre Szenen auf dem Feld.

Als Topscorer und Passgeber sorgt der Amerikaner mit der leicht vornüber gebeugten Körperhaltung für Aufsehen beim Basketball-Regionalligisten VfL Stade, ohne es darauf abgesehen zu haben.

Routinier Marvin Boadu ist nach Cook der bisher beste Punktelieferant des VfL Stade.

Routinier Marvin Boadu ist nach Cook der bisher beste Punktelieferant des VfL Stade. Foto: Struwe (Archiv)

Nach fünf Spielen und fünf Siegen führt Cook die Spielerstatistik mit 147 Punkten klar an, im Schnitt wirft er gut 30 Punkte pro Spiel. Routinier Marvin Boadu ist auf Platz 16 mit 63 Punkten zweitbester Scorer des VfL Stade.

Er selbst sieht noch Luft nach oben

Seit seiner Ankunft aus Australien, wo der „nur“ 1,88 Meter große US-Boy eine Saison für die Albury Wodonga Bandits auf hohem Niveau in der NBL1 East auf Korbjagd ging, hat er ein Drittel aller VfL-Punkte erzielt. Als erfolgreichster Werfer sorgt er dafür, dass im Stader Sportcampus so etwas wie eine „Cookamania“ unter den Fans ausgebrochen ist.

Christian Cook lenkt das Spiel des VfL Stade, sucht nicht überehrgeizig jeden Abschluss.

Christian Cook lenkt das Spiel des VfL Stade, sucht nicht überehrgeizig jeden Abschluss. Foto: Struwe (Archiv)

Dem 25-Jährigen aus Oklahoma City ist es fast peinlich, denn „so gut habe ich bisher gar nicht gespielt“, wie er sagt. Dann ist also noch Luft nach oben für den Amerikaner mit Bachelorabschluss an der New Mexico State University.

Die Mutter arbeitet als Krankenschwester, von den drei jüngeren Brüdern bastelt der älteste ebenfalls an seiner Profi-Basketballkarriere.

Heimweh im zweiten Jahr in Übersee?

„Ich bin seit sieben Jahren mit meiner Freundin zusammen. Wir kennen eine Fernbeziehung bereits“, sagt Cook.

Und während seine Freundin noch auf den Besuch an der Elbe wartet, hat Cook selbst offenbar bereits ein Stück Heimat gefunden: Nach dem Spiel sitzt er mit den Teamkollegen beim Feierabendbier. „Meine Großeltern haben mir geraten, in Deutschland mal Bier zu probieren“, so der junge Mann aus dem Süden der USA.

Sein aktuelles Lieblingsgericht in der Schwingestadt ist Curry-Hühnchen mit Pommes beim Griechen. Aber auch Cheeseburger mag Cook. „Das könnte ich jeden Tag essen“, sagt der Mann mit den zu zwei Zöpfen geflochtenen Dreadlocks.

Schon als Kind trug er sein Haar lang, seine Eltern mochten das afroartige Haar ebenfalls. Vor vier Jahren ließ er daraus Dreadlocks machen. „Beim Basketball stört es mich nicht. Höchstens bei einer Spin-Move-Bewegung können mir die Zöpfe schon mal ins Gesicht fliegen“, so Cook über seine Haarpracht, durch die er in der Stadt schon erkannt wird.

Mitspieler sind voll des Lobes

„Chris ist ein sympathischer Typ, der sich gut ins Team einbringt. Er hat eine gute Balance zwischen Passen, Spielaufbau und dem Moment, in dem er sein eigenes Ding macht“, sagt Mitspieler Luca von Thun, der als Center von Cooks Anspielen profitiert.

Robert Heise beobachtet den neuen Kollegen derzeit noch von außen. Nach seinem Kreuzbandriss im vergangenen Herbst ist der frischgebackene Master-Absolvent wieder im Training, allerdings noch ohne gegnerischen Kontakt. Heise hofft auf sein Comeback „vielleicht noch vor Weihnachten“.

„Chris ist sehr strukturiert und teamintegriert. Er kommt gut mit den jungen Spielern klar und führt sie. Er ist sehr effektiv und die Zahlen sprechen einfach für sich. Durch sein Mid-Range-Spiel kommen wir in eine ganz andere Dimension“, ist Heise voll des Lobes über den künftigen Spieler an seiner Seite.

Verantwortliche froh über die richtige Entscheidung

VfL-Manager Thomas Bolz beeindruckt vor allem die Ruhe und Routine des überall locker und dabei unscheinbar auf dem Feld auftauchenden Cook. „Wenn man ihn in Aktion sieht, denkt man nicht, dass es ein Punktspiel ist“, so der Team-Verantwortliche. Und Chef-Coach Adria Martin setzt noch einen drauf.

„Als Christian mir sein Profil geschickt hat und ich ein ganzes Spiel von ihm gesehen habe, da wollte ich ihn haben. Er war von Anfang an sehr offen in den Gesprächen, super interessiert daran, in Europa zu spielen und die Chemie stimmte gleich zwischen uns“, ist sich der Trainer sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben.

Zumal Cook eine gute Vorbereitung gespielt habe, große Schritte vorwärts von Woche zu Woche mache und das Potenzial besitze, aus verschiedensten Spielsituationen zu treffen. „Ich bin super happy mit ihm. Er ist ein funny Guy“, so Adria Martin.

Jetzt kommt der Oldenburger TB nach Stade

„Ich bin nach Stade gekommen, um zu gewinnen, auch wenn hier deutlich körperlicher gespielt wird als in Australien. Das Team hat das Potenzial oben in der Liga mitzuspielen“, lautet das selbst gesteckte Ziel von Christian Cook. Aktuell sind der US-Profi und sein Team voll im Soll, grüßen sie doch ungeschlagen von der Tabellenspitze der Regionalliga.

Das soll sich am Sonntag (16 Uhr) nicht ändern, wenn der Oldenburger TB zu Gast ist im Sportcampus.

„Wir dürfen und werden Oldenburg niemals unterschätzen, auch wenn sie erst zwei von fünf Partien gewonnen haben. Es ist ein solides Team, das wir mit dem aktuellen Lauf aber schlagen müssen“, so Trainer Martin.

Schwer wiege allerdings die Verletzung von VfL-Center Pearse Uniacke, der sich in Berlin einen Handknochenbruch zugezogen hat und nach der Operation im Elbe-Klinikum mindestens drei Monate ausfallen werde.

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