T„Verrückter“ Dirk Ludewig: Gesicht und Stimme des Silvesterlaufs
Insgesamt 500 Menschen starten Silvester in Drochtersen über die verschiedenen Distanzen. Foto: Berlin
500 Menschen starten beim Silvesterlauf in Drochtersen. Hauptorganisator Dirk Ludewig begrüßt im Ziel fast alle persönlich. Über einen Mann, dem die Ideen nie ausgehen.
Drochtersen. Im Februar wird Dirk Ludewig 80 Jahre alt. Der Silvesterlauf in Drochtersen ist sein Baby. Als Vorsitzender des gastgebenden Turnvereins Germania verantwortet Ludewig die Läufe der vergangenen 15, 16 Jahre. Dabei war er schon bei der ersten Ausgabe vor fünf Jahrzehnten. „Dieser Mann ist unersetzbar“, sagt Drochtersens Alt-Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch am Silvestertag im Kehdinger Stadion spontan ins Mikrofon. Bösch erklärt Ludewig kurzerhand zum Menschen des Jahres 2025.
Dirk Ludewig begrüßt fast alle Läuferinnen und Läufer im Ziel. Foto: Berlin
500 Leute stehen am Mittwoch beim 50. Silvesterlauf an der Startlinie bei den verschiedenen Konkurrenzen. So viele Läufer und Walker registrierte der TVG schon lange nicht mehr. Dirk Ludewig schickt sie alle mit einem Schuss aus der Startpistole auf die Strecken. Und Ludewig steht wenig später auch im Ziel, wenn die Athleten von der Runde durch das Dorf und auf Krautsand ins Kehdinger Stadion zurückkehren.
Als Jugendlicher springt Ludewig in deutscher Spitze
Ludewig begrüßt mit dem Mikrofon in der Hand an der Ziellinie fast jeden Athleten persönlich. Er motiviert. Er drückt seinen Respekt aus. Er lobt die Zeiten, die Leistung. Ludewig war in seiner Jugend einst selbst erfolgreicher Leichtathlet. Mit über sieben Metern sprang er in der deutschen Spitze mit. Leichtathletik ist für den Vereinschef Herzensangelegenheit. Die Siegerehrung lässt er sich nicht nehmen. Der Mann ist an diesem Tag allgegenwärtig. Vor allem seine markante Stimme.

Dirk Ludewig moderiert die Siegerehrung in der Sporthalle. Foto: Berlin
16 Minuten und 20 Sekunden nach dem Startschuss fliegen die ersten Fünf-Kilometer-Läufer förmlich über die letzten Meter. Tobias Middendorf vom Fischer-Mohr-Laufteam gewinnt die Konkurrenz mit drei Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Sam Strohmeyer. Der Sieg über die fünf Kilometer der Frauen geht auch an Fischer-Mohr. Emily Haase schafft die Distanz in genau 19 Minuten.
Das sind die Schnellsten beim Silvesterlauf
Paul Mahler vom Fischer-Mohr-Team gewinnt die zehn Kilometer in 34 Minuten und 39 Sekunden. Die schnellste Frau, Mareike Seib vom Laufteam Hamburg, benötigt nur 36 Minuten und 9 Sekunden.
Silvesterlauf 2025
Eindrücke vom Silvesterlauf 2025 in Drochtersen
Gesamtsieger des Schülerlaufs ist in einem spannenden Schlussspurt Marlon Stelling in einer Zeit von 4,06 Min. vor Lenja Koppelmann mit 4,07 Min. Holger Brunkhorst vom TSR Ahrenswohlde ist beim Nordic Walking am besten, ebenso Silvia Schütze. Die Wanderer Sarah Licht und Timo Stüben kommen nach zehn Kilometern zeitgleich über die Linie.

Tobias Middendorf gewinnt über fünf Kilometer. Foto: Berlin

Emily Haase ist schnellste Frau über fünf Kilometer. Foto: Berlin
Im Kehdinger Stadion läuft im Hintergrund Musik. Die Boxen knarzen ein wenig. Die Läuferinnen und Läufer überqueren die Ziellinie mit einem Lächeln. Einige winken oder reißen die Arme hoch. Handys machen Fotos und Videos von glücklichen Menschen. Deshalb macht Dirk Ludewig das Ganze.

Paul Mahler ist über zehn Kilometer nicht zu stoppen. Foto: Berlin

Schnellste über zehn Kilometer: Mareike Seib. Foto: Berlin
Diese Emotionen sind sein Lohn. Einige sagen über den 79-Jährigen, er habe den Landstrich Kehdingen in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. Ludewigs Ferienspaß-Aktion wird 50 Jahre alt, sein Kunstmarkt ist genauso alt. Als DJ von der Elbe zieht Ludewig durch die Seniorenheime der Region und lässt die Rentner tanzen. „Ich will die Leute mit Kleinigkeiten glücklich machen“, sagt er. Tränen, Freude, Begeisterung reichen als Bezahlung.
Ehrenamtliche vom TVG stocken Programm auf
Hinter den Kulissen des Silvesterlaufes arbeiten 30, 40 Menschen ehrenamtlich mit. Sie messen die Zeiten, verteilen die Startnummern, organisieren die Tombola oder drucken die Urkunden. Sie sperren die Strecke ab, reichen heißen Tee, Wasser und Bananen, kochen Kaffee und Würstchen und schmieren belegte Brötchen. „Das ist eine sehr aktive Crew“, sagt Ludewig. In diesen Zeiten müsse man dankbar sein für dieses Engagement.

Erstmals bietet der TVG Drochtersen einen Inklusionslauf an. Foto: Berlin
Zur 50. Auflage des Silvesterlaufes haben die Organisatoren das Programm aufgestockt. Den Kindern wird in der Sporthalle nicht langweilig. Bei einer Tombola können die Läufer Preise gewinnen. Beim ersten Inklusionslauf starten Menschen mit Handicap neben Menschen ohne Handicap. Wieselflink überholen die Kinder auf der Tartanbahn die Starter im Rollstuhl oder preschen an einer blinden Frau vorbei.
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Ludewig hat Ideen für die nächsten Monate
Ludewig selbst sagt, dass sich sein Alter so langsam bemerkbar mache. Dennoch hat er Visionen. Seine Mutter sei 94 Jahre alt geworden. Das will er übertreffen. Denn seine Ideen reichen noch für Jahrzehnte. Der 51. Silvesterlauf ist im Kopf längst vorgeplant. Konkret sind die Ideen für einen Familientag im Sommer auf Krautsand, um die Insel zu einem Kinderspieleparadies zu machen, ein Adventssingen im Kehdinger Stadion und eine Integrationsdisco im Bürgerhaus.
Warum er das alles macht? „Vielleicht, weil ich ein bisschen verrückt bin. Und weil ich dadurch jung bleibe“, sagt Dirk Ludewig. Auf dem Sofa rumliegen sei seine Sache nicht.
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