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Landwirtschaft

TVom Euter bis zu den Klauen: Neeke weiß, was eine gute Kuh ausmacht

Neeke Bellmann ist im dritten Jahr ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung.

Neeke Bellmann ist im dritten Jahr ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung. Foto: P. Meyer

Mit geübtem Blick erkennt die Auszubildende Neeke Bellmann, wie der Zustand einer Kuh ist. Mit ihrem landwirtschaftlichen Können hat sie Deutschland international vertreten.

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Von Pauline Meyer
Dienstag, 07.04.2026, 22:50 Uhr

Ahlerstedt. Neeke Bellmann steht im Stall und schaut genau hin. Euter, Klauen, Körperbau: Was sagt das Erscheinungsbild der Kuh über ihren Zustand aus? Innerhalb weniger Minuten hat sich die 19-Jährige einen Eindruck gemacht.

Neeke ist schon fast so fit wie die Preisrichter

Beim Tierbeurteilungswettbewerb in Estorf hat Neeke Bellmann jüngst den zweiten Platz von 35 teilnehmenden landwirtschaftlichen Auszubildenden und Nachwuchsjungzüchtern belegt. Ihre Beurteilung der Milchkühe wich nur knapp von der der Preisrichter ab.

Vorbeurteilung: Die Auszubildenen füllen den Beurteilungsbogen aus.

Vorbeurteilung: Die Auszubildenen füllen den Beurteilungsbogen aus. Foto: Schulz

Der Wettbewerb, organisiert von den Berufsbildenden Schulen III Stade und dem Jungzüchterclub Stade, gilt als ein wichtiger Bestandteil in der landwirtschaftlichen Ausbildung. Wer später Tiere kaufen, verkaufen oder züchterisch weiterentwickeln will, muss ihren Zustand sicher beurteilen können.

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„Das Auge des Herren füttert das Vieh“, zitiert Lehrer Jörn Schulz ein bekanntes Sprichwort. Er macht damit deutlich, worauf es ankommt: auf den geschulten Blick. Während ihrer Ausbildung im Milchviehbetrieb von Tobias Lühmann in Ahrensmoor hat Neeke Bellmann sich den Blick hart erarbeitet. Hier hilft sie beim Versorgen von mehr als 200 Milchkühen.

Technik unterstützt die Arbeit in der Landwirtschaft

„Ich liebe die Arbeit draußen. Ich könnte mir nicht vorstellen, in einem Büro zu arbeiten“, sagt Neeke Bellmann. Aufgewachsen ist sie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferdezucht in Beckdorf.

Während der Corona-Zeit hat sich ihr Interesse für die Landwirtschaft verstärkt. „Da habe ich meinem Vater viel bei der Arbeit geholfen“, erzählt sie. Nach ersten Praktika entschied Bellmann sich dann letztendlich für die Ausbildung.

In ihrer Berufsschulklasse ist sie eine von drei jungen Frauen unter 15 männlichen Auszubildenden. Für Neeke Bellmann spielt das keine große Rolle. „Ich finde, es kommt nicht darauf an, ob ich einen schweren Sack auf einmal anheben kann. Es kommt darauf an, was ich mir einfallen lasse, damit ich meine Arbeit genauso verrichten kann“, sagt sie.

Neeke Bellmann ist im dritten Jahr ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung.

Neeke Bellmann ist im dritten Jahr ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung. Foto: P. Meyer

Und auch Tobias Lühmann stimmt zu: „Frauen haben heutzutage eigentlich keinen Nachteil mehr. Auch wenn es noch immer ein körperlicher Beruf ist“, erklärt er. Vieles laufe mittlerweile technisch.

Große Maschinen unterstützen beim Ausmisten, Fütterungsroboter versorgen die Kühe und digitale Systeme liefern Daten über Aktivität, Wiederkauverhalten oder Temperatur der Tiere. „So sehen wir schon zwei Tage vorher, ob eine Kuh krank wird“, erklärt Lühmann.

Trotz aller Technik bleibt die Arbeit am Tier zentral. „Mit den Tieren zu arbeiten, macht mir sehr viel Spaß“, sagt Neeke Bellmann. Besonders das Melken liege ihr. Dabei ist Präzision gefragt: Reinigen, vormelken, Melkzeug ansetzen und zum Abschluss das Euter pflegen - jeder Schritt sitzt. Das sei wichtig, denn: „Kühe sind Gewohnheitstiere“, erklärt Bellmann. „Am liebsten wollen sie alles genau wie gestern.“

Pflugwettbewerb: Gute Leistung in Estland

Neeke Bellmann weiß genau, auf was bei der Beurteilung von Milchkühen geachtet wird: „Es gibt vier Merkmalskomplexe: Milchtyp, Körper, Fundament und Euter“, erklärt sie. Insgesamt 25 Einzelmerkmale, die auf einer Skala von eins bis neun beurteilt wurden, flossen in die Wertung ein.

Besonders wichtig sei das Euter, da hier die Milch gebildet wird und täglich die Melkmaschine angesetzt wird. Gleichzeitig spielen auch Beweglichkeit und Futteraufnahme eine große Rolle, denn nur gesunde Tiere können dauerhaft Leistung bringen.

Tobias Lühmann (von links), Neeke Bellmann und Jörn Schulz.

Tobias Lühmann (von links), Neeke Bellmann und Jörn Schulz. Foto: P. Meyer

Dass sich Neeke Bellmann in Wettbewerben behaupten kann, zeigte sie auch im vergangenen Jahr, beim internationalen Leistungspflügen in Estland. Bei diesem Jugendwettbewerb vertrat sie Deutschland und belegte den 11. Platz von 35 Teilnehmenden. Dabei musste sie eine kleine Ackerfläche mit einem Zweischar-Pflug möglichst gerade und akkurat pflügen. „Das war ziemlich gut gemessen an der kurzen Vorbereitung“, ordnet Jörn Schulz die Leistung ein.

Nach ihrer Abschlussprüfung im Sommer möchte Neeke Bellmann die Fachschule in Rotenburg besuchen. Langfristig hat sie ein klares Ziel: den elterlichen Betrieb weiterführen. Der gewisse Blick für Details, den sie beim Tierbeurteilungswettbewerb schon unter Beweis gestellt hat, dürfte ihr auf diesem Weg helfen.

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