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Drochtersen

TVom Postboten zum Diakon in Drochtersen: Gott zeigte ihm den Weg

Diakon Andreas Cohrs mit seiner Westerngitarre vor dem Altar der St.-Johannis-und-Catharinen-Kirche in Drochtersen.

Diakon Andreas Cohrs mit seiner Westerngitarre vor dem Altar der St.-Johannis-und-Catharinen-Kirche in Drochtersen. Foto: Helfferich

35 Jahre begleitete der Diakon Andreas Cohrs junge Menschen mit seiner Musik. Mit 60 Jahren wendet er sich nun den Älteren zu. Was er vor hat und welche Rolle Gott dabei spielt.

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Von Susanne Helfferich
Montag, 25.05.2026, 08:00 Uhr

Drochtersen. Andreas Cohrs‘ Weg stand eigentlich fest: Nach der Schule wurde er Postbeamter und hatte eine Beamtenlaufbahn vor sich; wie sein Vater und sein Großvater auch. Für Jahrzehnte ein sicheres Leben. Sechs Jahre blieb er dabei.

Doch dann quälten ihn Zweifel, ob es da nicht etwas anderes gäbe. „In Zwiesprache mit Gott bat ich um ein Zeichen“, erzählt Cohrs. Und so kam es. Er schlug die Bibel auf und hatte die Geschichte des Jüngers Andreas vor sich. Andreas ist nicht nur sein Namensvetter, sondern gilt in der biblischen Geschichte als der „Erstberufene“ der Apostel.

„Gott hat mich hierher gestellt“, sagt Cohrs, der sich selbst als fromm bezeichnet. Es sei kein kleiner Schritt gewesen, seinen Beamtenstatus aufzugeben, aber er sah seinen Auftrag.

Vom Postbeamten zum Jugenddiakon

Andreas Cohrs wollte Diakon werden. Der Beruf fußt auf zwei Säulen: dem Dienst am Nächsten und der Verkündung des Glaubens. Als junger Mensch habe er selbst gute Diakone kennengelernt. Er hatte zwar kein Abitur, konnte aber mit seiner Ausbildung als Postbeamter an einem theologischen Seminar studieren.

Seit Oktober 1991 arbeitet der heute 60-Jährige als Diakon in Drochtersen und Assel - 35 Jahre. Neben Angeboten wie Jugendfreizeiten, Zeltlagern, Streitschlichterarbeit, Kinderbibelwochen und Konfirmandenunterricht spielte stets die Musik eine große Rolle.

Schick zum Casinoabend während der Jugendfreizeit in Dänemark mit Andreas Cohrs (rechts).

Schick zum Casinoabend während der Jugendfreizeit in Dänemark mit Andreas Cohrs (rechts). Foto: Cohrs

Andreas Cohrs besuchte die Grundschulen, um mit den Kindern zu singen. Er übernahm den Teeny-Club für Kinder von acht bis zwölf Jahren. Die Rainbow-Kids kamen 1996 dazu. Sie studierten insgesamt 28 Musicals zu kirchlichen Themen ein. Wer dort herausgewachsen war, konnte bei den Soul-Teens einsteigen. Die Gruppe Singing4People traf sich im Asseler Gemeindehaus. Die Eltern so mancher Kinder, die heute bei den Rainbow-Kids und dem Teeny-Club mitsingen, haben früher selbst unter Anleitung von Cohrs gesungen.

Andreas Cohrs: „Singen ist gesund und macht Spaß“

Der Diakon hatte nie Musikunterricht, brachte sich als Autodidakt das Gitarrenspiel und später auch Klavierspielen selbst bei. Und er führte die Kinder über das Singen an die Musik heran. „Es tut so gut, zu singen. Die Stimmbänder werden trainiert, die Haltung wird besser, ebenso die Atmung. Singen ist einfach gesund und macht Spaß“, sagt Andreas Cohrs.

Auch sei es für die Kinder und Jugendlichen eine tolle Erfahrung, auf der Bühne zu stehen und gemeinsam zu singen. „Es ist wichtig für sie, über sich hinauszuwachsen“, so der Diakon.

Mit der Musik soll es weitergehen, auch wenn Andreas Cohrs zum Ende des Monats aus der Kinder- und Jugendarbeit in Drochtersen aussteigt. Mit 60 Jahren wendet sich der Diakon nun den Älteren zu und steigt in die Altenseelsorge ein.

Kinder wachsen bei Konzerten über sich hinaus

Gemeinsam mit Superintendent Marc Wischnowsky habe er die Idee entwickelt, generationsübergreifendes Singen in Stade zu etablieren: Kitas und Senioren zusammenzubringen, Schulen einzubinden und Demenzerkrankte über die Musik zu erreichen. In Stade betreue die Kirche sechs Seniorenheime. „Dort wollen wir etwas anbieten, und warum nicht gemeinsames Singen?“

Andreas Cohrs hat auch mit den Kleinsten gesungen.

Andreas Cohrs hat auch mit den Kleinsten gesungen. Foto: Cohrs

Was bleibt, ist der Gospelchor, den Andreas Cohrs vor 20 Jahren unabhängig von seiner Jugendarbeit gegründet hat. Die „Sound of Rainbow Gospel Singers“ zählen inzwischen 45 Sängerinnen und Sänger und sind ein eigener Verein. „Ich möchte keinen weiteren Chor leiten“, sagt er, „der Gospelchor reicht mir, um mit Spaß mit anderen Menschen zu singen.“

Passend zum Psalm 103, den sich Cohrs für seinen Verabschiedungsgottesdienst und Rückblick ausgesucht hat, sagt er: „Ich bin froh, diesen Beruf zu haben und dass ich so viele tolle Erfahrungen habe sammeln können in meiner Arbeit.“ Und wenn er zurückschaut auf sein Zwiegespräch mit Gott, fasst er zusammen: „Das hat er gut gemacht: Er hat reichlich gegeben, viel geschenkt.“

Am Freitag, 29. Mai, um 17.30 Uhr verabschiedet sich Andreas Cohrs bei einem Gospel-Gottesdienst in der St.-Johannis-und-Catharinen-Kirche in Drochtersen.

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Diakon Andreas Cohrs, hier vor der St.-Johannis-und-Catharinen-Kirche in Drochtersen, widmet sich künftig den Senioren in Stade.

Diakon Andreas Cohrs, hier vor der St.-Johannis-und-Catharinen-Kirche in Drochtersen, widmet sich künftig den Senioren in Stade. Foto: Helfferich

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