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Kreisbauernverband

TVon Milch bis Getreide: Landwirte im Kreis Stade kämpfen mit niedrigen Preisen

Kreislandwirt Jan Plath wirtschaftet in Büthflethermoor selbst auf Moorflächen.

Kreislandwirt Jan Plath wirtschaftet in Büthflethermoor selbst auf Moorflächen. Foto: Anping Richter

Ob die Ernte gut ausfällt und die Landwirte im Kreis Stade dabei verdienen, hängt nicht nur vom Wetter ab - sondern auch von globalen Krisen. So ist die Stimmung in der Landwirtschaft.

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Von Grit Klempow
Freitag, 27.03.2026, 15:50 Uhr

Oldendorf. „Wir bewirtschaften hier einen absoluten Gunststandort“, das betonte Vorsitzender Jan Plath jüngst bei der Kreisverbandsversammlung des Landvolks Stade in Oldendorf. Der Kreisbauernverband vertritt die Interessen eines Großteils der Landwirtinnen und Landwirte zwischen Balje und Buxtehude.

Stolz auf spezialisierte Betriebe

Gunststandort, das bedeutet: Beste natürliche Bedingungen für die Landwirtschaft - Boden, Klima, Wasser - ermöglichen, besonders effizient zu produzieren. „Wir sind stolz auf unsere spezialisierten Betriebe im Obstbau, in der Veredlung, im Ackerbau und in der Milchwirtschaft.“ Dennoch machen sich auch die Landwirte im Kreis Stade Sorgen.

Da ist zum einen das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises. Der Entwurf wird derzeit überarbeitet, macht den Akteuren in der Landwirtschaft aber wie berichtet Sorgen.

Düngemittel werden knapp

Die globalen Krisenherde wie der Ukraine-Krieg oder der Krieg im Iran mit ihren verheerenden Folgen für die betroffenen Menschen strahlen bis in den Landkreis aus. Energiekosten steigen und Düngemittel werden knapp.

Rund 45 Prozent der weltweiten Stickstoffproduktion stammten aus der Golfregion, so Plath. „Gerade jetzt im Frühjahr, wo unsere Pflanzen auf der Nordhalbkugel den höchsten Bedarf an Stickstoff haben, drohen durch reduzierte Düngung Ertragseinbußen“, warnte er.

Die aktuelle Lage sei paradox: „Während die Produktionskosten für Energie, Dünger und Löhne steigen, kämpfen wir bei Obst, Getreide, Schweinefleisch und Milch mit zu niedrigen Preisen.“

Landvolk hat Forderungen - auch zum Mindestlohn

Es sei damit zu rechnen, dass die Handelspreise für ihre Produkte kurz- oder mittelfristig steigen. „Wir setzen auf den Markt als bevorzugtes System – aber die Politik muss die Leitplanken so setzen, dass wir wettbewerbsfähig bleiben.“

Deshalb hat das Landvolk Forderungen an die Politik. Plath stellte sie vor:

  • Risikoausgleichsrücklage: „Wir fordern die Einführung einer steuerfreien Rücklage, damit Betriebe in guten Jahren Vorsorge für schwierige Zeiten treffen können.“
  • Mindestlohn: In anderen Ländern der EU sei der Mindestlohn erheblich geringer. Laut eines aktuellen Rechtsgutachtens wäre ein 20 Prozent geringeres Lohnniveau bei Saisonarbeitskräften vereinbar mit dem Grundgesetz und europäischem Recht.
  • Düngerecht: Aufgrund von Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts Ende 2025 wurden die bisherigen „Roten Gebiete“ in mehreren Bundesländern, darunter Niedersachsen, als rechtswidrig eingestuft. Der Verband erwarte jetzt vom Bundeslandwirtschaftsminister eine neue, praxistaugliche Düngeverordnung.
  • Tierwohl: „Wir fordern eine verlässliche finanzielle Unterstützung für den Umbau zu Tierwohlställen speziell im Schweinebereich. Ziel ist die flächendeckende Anhebung auf höhere Haltungsstufen, um Tierwohl und Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu vereinen.“ Wichtig sei eine massive Vereinfachung und Beschleunigung bei den Baugenehmigungen für Um- und Neubauten.

Landwirtschaft lädt zum Tag des offenen Hofes ein

Die Landwirtschaft müsse sich aber auch offen zeigen und Transparenz schaffen, so Plath. Das tut sie bei den Grünen Stader Studientagen für Lehrkräfte und Erzieher zu verschiedenen Themen, aber auch beim Tag des offenen Hofes am 7. Juni. Zu besichtigen sind der Betrieb der Familie Tobaben-Merkens in Beckdorf, die Biogasanlage in Apensen und die Jithofer Käserei in Bargstedt.

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