T„Von Tag zu Tag werden es mehr“: Anwohner leiden unter Rattenplage
Ratte auf einem Baum. Anwohner im Viertel ernten die Äpfel, um die Tiere loszuwerden. Foto: Hanske
Wie ist es eigentlich mit Ratten tagtäglich konfrontiert zu sein? In Bremerhavens Norden befürchten Anwohner eine Rattenplage. So versuchen sie sich zu wehren.
Bremerhaven. Ratten können in Hollywood-Produktionen sympathisch erscheinen und wie im Film Ratatouille für leckere Gerichte sorgen. Im echten Leben möchte man ihnen nicht begegnen, schon gar nicht in der Küche. Mit gutem Grund: Sie können an Kabeln und Isolierungen nagen und zu Stromausfällen führen. Ihre Fäkalien, Urin oder Haare können Lebensmittel verschmutzen und Lebensmittelvergiftungen oder andere Krankheiten verursachen.
Außerdem sind diese Tiere den meisten Menschen nicht sympathisch und lösen Angst aus. Eine Reaktion, die derzeit viele Bewohner im Norden Bremerhavens kennen. Sie sprechen von einer Rattenplage und fühlen sich auch von der Stadt bei diesem Problem nicht ausreichend unterstützt. Einige berichten, dass sie sich nicht mehr auf die Terrassen ihrer Wohnungen trauen.
Anwohner im Umkreis von 350 Metern sind betroffen
Einer der betroffenen Familien sind die Hanskes aus Leherheide. „Man kann die Fenster nicht mehr aufmachen, wir können nicht mehr auf der Terrasse sitzen“, sagt Judith Hanske. „Die Viecher sitzen im Obst, auf Bäumen in 4 Metern Höhe, laufen im Garten herum.“ Ein Nachbar sei sogar in seiner Garage von einer Ratte angefallen worden. Und was aus ihrer Sicht noch schlimmer ist: Eine Besserung ist nicht in Sicht. „Von Tag zu Tag werden es mehr“, stellt sie fest.

Sehr hohe Rattenpopulation: Gaby Drygalla holt die Äpfel vom Baum ihres Gartens in Leherheide, Nachbar Jannes Hanske hilft ihr dabei. Ratten machen auch vor dem Baum nicht halt. Foto: Kul
Die Hanskes sind nicht die Einzigen, denen die Rattenplage zu schaffen macht, wie sie es nennen. „Im Umkreis von 350 Metern sind alle betroffen, von den Nebenstraßen bis zur Stadtgrenze von Langen“, erzählt ihr Sohn Jannes Hanske, der im gleichen Haus wohnt. Nach seinen Ausführungen begann das Problem etwa vor anderthalb Jahren. Aber seit Mitte Juni ist es extrem geworden. „Es werden mehr“, stellt auch Jannes Hanske fest.
Bremerhaven tut aus Betroffenen-Sicht nicht genug
Ein weiteres Problem: Die Bekämpfung der Plage müsse über die Stadt gehen. Aus Tierschutzgründen, Betroffene dürfen die Tiere selbst nicht töten, wie sie sagen. Die Stadt sei aber auch verpflichtet, gegen die Plage etwas zu unternehmen, da von ihnen eine Gefahr für die Gesundheit ausgeht. Das Engagement der Stadt allerdings ist aus Sicht der Hanskes nicht ausreichend. Vor neun Wochen habe Jannes Hanske das Gesundheitsamt informiert. Es sei nicht angemessen reagiert worden. „Die spielen das alles runter“, ist sein Eindruck.
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Nachdem er sich vor ein paar Tagen wieder beim Amt gemeldet habe, sei er auch auf kein großes Verständnis gestoßen. Danach sei die Stadt wieder aktiv geworden und habe die Firma Heinsohn mit der Bekämpfung beauftragt. Dieser habe dann unter den Einwohnern pro Haushalt Rattenfallen mit Gift verteilt. Nach einer Woche würden die kontrolliert und nachgefüllt und nach der zweiten Woche wieder abgeholt. Doch aktuell sei man weit davon entfernt, mit der Plage fertig zu werden.
Ratten klettern auf Bäume und fressen Äpfel weg
Gaby Drygalla wohnt ein paar Straßen weiter und auch sie ist vom Problem betroffen. „Wir haben hier eine sehr hohe Population“, sagt auch sie. Sie ist gerade dabei, die Äpfel vom Baum in ihrem Garten zu holen. Einige Körbe hat sie schon gefüllt. „Die guten werde ich verschenken, die anderen werden entsorgt“, erzählt sie. Warum erntet sie jetzt die Äpfel? Die Ratten steigen auch auf den Baum und nagen an den Äpfeln. Sie zeigt einen halb zerfressenen Apfel. „Die Spuren der Rattenzähne sind hier eindeutig zu erkennen.“

„Die Spuren der Rattenzähne sind hier eindeutig zu erkennen“, sagt Gaby Drygalla. Foto: Kul
Die Äpfel müssten weg, damit Ratten nicht angelockt werden und auf den Baum im Garten steigen. Äpfel hätten auch wie übrigens Beeren, Schalobst oder Vogelfutter das Vitamin K1, welches dem Gift von Rattengift entgegenwirke und abschwäche. Im Freien dürfen die Anwohner auch kein Katzenfutter oder Vogeltränke haben, da auch sie Ratten anlocken.
Betroffene sollen das Ordnungsamt um Hilfe bitten
Auch die Hanskes haben ihr Obst geerntet. Judith Hanske hat damit Marmelade gekocht. Die Gläser stehen auf dem Küchentisch. Auf ihrem Tisch auf der Terrasse ihres Hauses stehen auch einige Flaschen mit Essig. Davon erhoffen sie sich, dass der Gestank von Ratten überdeckt wird. Sowohl Hanskes als auch Gaby Drygalla hoffen, dass sich möglichst viele Betroffene aktiv werden.

Eine Ratte auf einem Dach. Mit der Zeit werden die Tiere mutiger und verlieren ihre Scheu. Foto: Hanske
Eine Rattenplage sieht das zuständige Ordnungsamt allerdings nicht. „Die Stadt ist seit der vergangenen Woche über die zunehmenden Rattensichtungen und deren Ursache in der Merziger Straße informiert. Daraufhin wurden sofort entsprechende Maßnahmen erlassen, um dem Problem Herr zu werden. Inzwischen ist es gelungen, eine Einverständniserklärung zu erwirken, die dem zuständigen Schädlingsbekämpfungsunternehmen ermöglicht, auf einem Privatgrundstück und in dem dort befindlichen Wohnhaus tätig zu werden“, erklärte ein Sprecher der Stadt auf Anfrage. „Es kann also nicht die Rede davon sein, dass die Stadt die Situation nicht ernstgenommen hat“, so der Sprecher weiter.

Jannes Hanske mit Essigflaschen auf dem Tisch auf der Terrasse: Essig soll zusammen mit Flächendesinfektionsmittel Rattengestank überdecken. Foto: Kul