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Schulwesen

TWechsel im Schulsystem: Das ändert sich an der Oberschule Horneburg

Schulleiterin Daniela Rambow und didaktische Leiterin Nadine Landsberg wollen durch die Umstellung die Horneburger Oberschüler bestmöglich fördern und fordern.

Schulleiterin Daniela Rambow und didaktische Leiterin Nadine Landsberg wollen durch die Umstellung die Horneburger Oberschüler bestmöglich fördern und fordern. Foto: Buchmann

Ab Sommer führt die Oberschule wieder Haupt- und Realschulzweige ein. Ein Rückschritt? Nein, sagt die Schulleitung - im Fokus steht die Förderung.

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Von Steffen Buchmann
Donnerstag, 05.03.2026, 18:11 Uhr

Horneburg. Im August bricht an der Oberschule Horneburg eine neue Zeitrechnung an. Ab dem kommenden Schuljahr will die Oberschule schulzweigbezogen unterrichten, also getrennt in Haupt- und Realschulklassen. Betroffen davon sind alle neuen Schüler, die nach dem Sommer die 5. Klassen besuchen - aber erst, wenn sie die 8. Jahrgangsstufe erreicht haben.

„Unser Ziel ist es, dass jedes Kind seinen individuell besten Schulabschluss erreicht“, sagt Schulleiterin Daniela Rambow. Hauptschule und Realschule getrennt, gab es das nicht schon einmal in Horneburg? Tatsächlich wurden Schüler bis 2012 je nach Abschlussziel getrennt unterrichtet, bis das Modell von einem jahrgangsbezogenen System mit Kursen abgelöst wurde.

Schulzweige statt gemischte Klassen - ein Rückschritt?

Die neue Umstellung sei „kein Rückschritt“, betont die didaktische Leiterin Nadine Landsberg. Anstatt wie früher zwei Schulleitungen und zwei Lehrerkollegien einzusetzen, setzt die Oberschule weiterhin auf ein gemeinsam genutztes Personal. Trotz getrennter Schulzweige sollen sich die Schüler weiterhin als Oberschüler verstehen und etwa bei bestimmten Fächern oder außerschulischen Angeboten miteinander arbeiten.

Knapp 400 Schüler besuchen die Oberschule in Horneburg.

Knapp 400 Schüler besuchen die Oberschule in Horneburg. Foto: Archiv

Der Plan: Die kommenden Schüler lernen in der fünften und sechsten Klasse gemeinsam, im siebten Jahrgang orientieren sich die Schüler für den weiteren Schulweg, bleiben aber zusammen. Landsberg: „Alle kommen gemeinsam an und können sich individuell orientieren“ - drei Jahre lang.

Anders als bisher erfolgt in der achten Klasse dann die Einteilung in die Schulzweige. In beiden Schulzweigen können alle Abschlüsse erreicht werden, auch der Wechsel zwischen den Zweigen bleibt offen. Wichtig: Alle jetzigen Jahrgänge werden bis zum Abschluss noch nach dem alten System unterrichtet.

Schulsystem stößt an seine Grenzen

Doch was ist der Grund für den Horneburger Paradigmenwechsel? Die Idee für die Umstellung sei vor etwa zweieinhalb Jahren aus dem eigenen Kollegium gekommen. „Die Bedürfnisse der Schüler haben sich über die Jahre enorm verändert“, sagt Schulleiterin Rambow.

Das bestehende System sei an seine Grenzen gekommen. Die Schüler bestmöglich in ihrer schulischen Entwicklung zu unterstützen wurde schwieriger - insbesondere angesichts von Klassengrößen von bis zu 28 Schülern.

Individuelle Förderung im Fokus

Schwächere Schüler brauchen Förderung, wohingegen Stärkere gefordert werden müssen, sagt Rambow - und findet deutliche Worte: „Es ist eine romantische Vorstellung, dass alle immer zusammen lernen. Die Realität sieht ganz anders aus.“

Für die Schulleiterin und ihre Kollegen sei es wichtig, den kommenden Schülern durch die Umstellung zwei Dinge zu vermitteln: Einerseits sollen sie selbstverantwortliches Lernen üben, andererseits von den Lehrern eine klare Anleitung bekommen. „Wir schauen uns jedes Kind individuell an und wo es die besseren Möglichkeiten hat“, sagt Landsberg.

Bisheriges Modell gescheitert? Schulleiterin widerspricht

Die Schulzweige sollen deshalb für die künftigen Schüler durchlässig bleiben, also dass Schüler je nach persönlichen Stärken in den passenden Klassen einen Platz finden. Die Schulleitung erhofft sich durch die Umstellung auch kleinere Klassen, um besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler eingehen zu können.

Der Frage, ob das jahrgangsbezogene Modell in Horneburg gescheitert sei, widerspricht Rambow entschieden: „Das Modell ist nicht gescheitert, sondern die Bedingungen haben sich schlichtweg geändert.“

Förderschüler sollen von Umstellung profitieren

Die Schulzweige aufzulösen und in ein Kurssystem zu überführen, sei vor 14 Jahren die richtige Entscheidung gewesen. Zu dieser Zeit habe die Oberschule jedoch auf mehr Lehrkräfte zurückgreifen können als heute - im November lag die Unterrichtsversorgung an der Oberschule bei unter 70 Prozent.

Was das Thema Inklusion angeht, hat Schulleiterin Rambow eine klare Vorstellung: „Inklusion bedeutet nicht, Kinder mit besonderem Förderbedarf einfach in Regelschulen zu setzen.“ Für sie bedeute Inklusion, Schule so zu gestalten, dass jedes Kind die Unterstützung bekommt, die es braucht, um lernen und sich entwickeln zu können.

Bedürfnisse der Schüler haben sich verändert

Aktuell stehe der Oberschule nur eine Förderschullehrerin mit 25 Wochenstunden zur Verfügung - bei einer Gesamtschülerzahl von etwa 400 Schülern. Eine angemessene Förderung sei so nicht möglich.

Wir wollen das Beste für die Schüler herausholen.

Daniela Rambow, Schulleiterin Oberschule Horneburg

Die Zahl an Förderschulen in Niedersachsen ist seit 2012 stark zurückgegangen, auch im Kreis Stade. „Früher konnten sich Eltern für eine Förderschule entscheiden“, sagt Landsberg. Heute sei das nicht mehr möglich.

Ob die Systemumstellung so wirkt wie angedacht, wolle man die nächsten zehn bis 15 Jahre beobachten. Daniela Rambow verspricht sich viel davon für die Horneburger Oberschule: „Wir wollen das Beste für die Schüler herausholen.“

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