TWeniger Kinder und kurze Öffnungszeiten: Kita Himmelspforte in Sorge
Der evangelische Kindergarten Himmelspforte muss eine weitere Krippengruppe schließen. Foto: Grit Klempow
Auf den ersten Blick geht es in Himmelpforten um die Schließung einer Krippengruppe. Auf den zweiten Blick offenbart sich ein Dilemma um die Ausweitung von Betreuungszeiten. Darum geht‘s.
Himmelpforten. Es könnte ein Luxusproblem sein: In Himmelpforten gibt es auch künftig freie Kindergartenplätze. Während andernorts Wartelisten geführt werden, kann die Gemeinde mit einem breiten Angebot unterschiedlicher Träger aufwarten: der Lebenshilfe-Kita Abenteuerland, der kommunalen Kita Regenbogenland und der Krippe Zwergenland sowie der evangelisch-lutherischen Kita Himmelspforte, deren Träger der Kindertagesstättenverband Stade ist.
Weniger Kinder in Himmelpforten
Aber die Kinderzahlen in Himmelpforten sinken. Die Lebenshilfe-Kita Abenteuerland hatte deshalb eine der geplanten Gruppen gar nicht erst eröffnet - und in der kirchlichen Kita Himmelspforte fehlen künftig Kinder für eine der Krippengruppen. Vor dem gleichen Problem stand die Himmelspforte schon im vergangenen Herbst.
Nun müsste deshalb noch eine Mitarbeiterin gehen, Träger und Eltern wollen sie aber halten. Die Idee: Statt nur die Krippengruppe zu schließen, sollen die Kernzeiten aller Gruppen bis 15 Uhr verlängert werden. Damit könnte der Mitarbeiter-Stundenbedarf gehalten, vor allem aber den Eltern ein besseres Angebot gemacht werden. Doch so einfach ist es nicht. Zahlen muss vor allem die Gemeinde.
Zwischen Kosten und Angebot
„Wenn wir das Geld hätten, müssten wir darüber nicht reden“, sagte Ludwig Oellerich (CDU) den Eltern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kita. Als Vorsitzender versuchte er, zusammen mit dem Sozialausschuss der Gemeinde Himmelpforten durch das Dilemma zu lavieren und einen Kompromiss zu finden.
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Denn der größte Batzen im Haushalt einer Kommune fällt für den Kita-Bereich an. Miriam Baxmann, Geschäftsführerin des Kita-Verbandes, verwies auf die Kostenneutralität - für die Gemeinde werde es nicht teurer, wenn die Krippengruppe schließe und stattdessen die Öffnungszeiten verlängert werden.
Eltern machten weitere Argumente geltend. Bisher bietet die Kita eine Betreuung bis höchstens 14 Uhr an. Das sei nicht mehr gesellschaftsfähig. Frauen müssen nicht nur arbeiten, sie wollen auch. Sie sind hoch qualifiziert und werden in ihren Jobs gebraucht. Trotz Homeoffice-Möglichkeiten müssen sie dafür auch Wege in Anspruch nehmen. „Meine Kollegen in Hamburg lachen mich bei unseren Kita-Zeiten aus. Ohne Unterstützung durch meine Eltern ist das nicht zu machen“, schilderte eine Mutter.
Wahl zwischen Konzepten und Zeiten
Katharina Köttgen, Leiterin der Himmelspforte, verwies auf die Bindung der Kinder und auf die Qualität der Arbeit in der Kita. Andere hielten ein Plädoyer für die Chancengleichheit unter den einzelnen Kitas. Eine echte Wahlmöglichkeit zwischen Konzepten, Arbeitsweise oder Größe könne es nur bei vergleichbaren Öffnungszeiten geben. Immer wieder sei zu hören, dass Eltern ihre Kinder aufgrund der zu kurzen Betreuungszeit nicht in der Himmelspforte anmeldeten, obwohl sie die inhaltliche Ausrichtung schätzten.
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Belastbare Zahlen dafür fehlten allerdings dem Ausschuss. Eine Bedarfsabfrage liegt nicht vor. Auch deshalb hatte die Verwaltung empfohlen, die Verlängerung der Kernzeiten nicht zu genehmigen. Marian Burfeind als stellvertretende Fachbereichsleiterin bei der Samtgemeinde verwies auf die juristische Krux: Werden die Kernzeiten aller Gruppen bis 15 Uhr ausgeweitet, gelten diese für alle 65 Kinder - auch dann, wenn vermutlich längst nicht alle Eltern die lange Betreuung brauchen. „Anders ist das bei Rand- und Sonderöffnungszeiten“, so Marian Burfeind. Die erlaubten auch dem Träger mehr Flexibilität.
Träger soll Bedarf dokumentieren
„Ohne den tatsächlichen Bedarf habe ich keine Grundlage zuzustimmen“, so Christian Horeis (SPD). „Wir müssen auch auf das Gesamtkonzept sehen.“ Längere Öffnungszeiten gibt es bislang in zwei Elementargruppen in der kommunalen Kita Regenbogenland, bis 15 und bis 16 Uhr.
Neue Kernzeiten seien ein zu enges Korsett, fand auch Walter Kühlke (CDU). „Wir haben auch über Steuern zu befinden“, betonte er. Seine Fraktionskollegin Anne Schulze sah eine Verlängerung der Öffnungszeiten grundsätzlich positiv „für alle Eltern, die mit ihren Arbeitszeiten jonglieren müssen“.
Die Zeit bis zum neuen Kindergartenjahr ist knapp. Um ihn nicht abschmettern zu müssen, lotste Oellerich als Kompromiss den Antrag zurück zum Träger. Der soll laut Beschluss kurzfristig einen geänderten Antrag mit weiteren Varianten von Rand- und Sonderöffnungszeiten vorlegen - und untermauert mit einer Bedarfsabfrage.

Das Team in der Kita Himmelspforte soll zusammen bleiben, wünschen sich Träger und Eltern. Aber eine Krippengruppe muss geschlossen werden. Foto: Klempow
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