TWie junge Tüftler aus Ahlerstedt mit ihrem Mini-Rennwagen abräumen
Das Team Speed Titans gewann bei den Junioren die Landesmeisterschaft Nord-West. Foto: P. Meyer
Nach dem Sieg als Landesmeister wollen die Speed Titans auch ihren Titel als Deutsche Meister verteidigen. Dafür arbeiten sie als Konstrukteure, Manager und Forscher.
Ahlerstedt. Wenn die Speed Titans von ihrem Rennwagen sprechen, klingt es ein bisschen wie bei einem echten Formel-1-Team. Es geht um Aerodynamik, Millimeterarbeit und entscheidende Zehntelsekunden. Doch hinter dem Namen stehen keine Profi-Ingenieure, sondern sechs Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren, die sich einmal pro Woche freiwillig nach der Schule im Ahlerstedter MINT-Zentrum treffen und dort an ihrem großen Ziel arbeiten.
Mini-Rennwagen schießen mit 80 km/h ins Ziel
Am Ende eines intensiven Wettbewerbswochenendes in Bad Oldesloe stand Ende Februar fest: Die Speed Titans sind Landesmeister Nord-West im Wettbewerb STEM Racing. STEM steht für Science, Technology, Engineering and Mathematics und entspricht im englischsprachigen Raum dem Begriff MINT.
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Neben dem Gesamtsieg in der Junior-Kategorie gewann das Team auch die Sonderpreise für Beste Konstruktion, Bester Teamstand, Beste Präsentation, Bestes Portfolio sowie das Knock-Out-Rennen. Für die amtierenden Deutschen Meister bedeutet das: Sie sind einen Schritt näher an der Titelverteidigung.

Mit diesem Modell gewannen die Speed Titans die Landesmeisterschaft Nord-West. Foto: P. Meyer
Seit 2014 gibt es die AG im MINT-Zentrum Ahlerstedt, die einmal wöchentlich 80 Minuten lang stattfindet. Beim STEM Racing, früher „Formel 1 in der Schule“, entwickeln Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Mini-Rennwagen, der mit Hilfe einer CO₂-Patrone über eine 20 Meter lange Strecke geschossen wird und dabei Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h erreicht. Doch nicht allein die schnellste Zeit entscheidet. Auch Konstruktion, Forschung, Präsentation und Teamarbeit fließen in die Gesamtwertung ein. Genau diese Mischung begeistert die Teenager besonders. „Jeder kann sich einbringen“, sagt Teammanager Silas. „Hier geht es nicht nur um Naturwissenschaften.“
Technik und Kreativität: vom CAD-Modell bis zum Messestand
Die Speed Titans bestehen aus Schülern des Aue-Geest-Gymnasiums (AGG) und der Schule am Auetal. Die Jungen kennen sich bereits seit der Grundschule oder aus dem Dorf. Begleitet werden sie von Lehrer Gert Iffland, Lehrerin Rebecca Klüver und Begleiter Klaas, der mit 15 Jahren für die Junioren in diesem Jahr schon zu alt ist.
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Besonders begeistert die Speed Titans der Austausch mit anderen Teams. „Man trifft viele Leute mit denselben Interessen“, beschreibt Teammitglied Levi die Erfahrung. Das Spezialgebiet des 13-Jährigen ist die Forschung und Entwicklung - Physik und Technik interessieren ihn besonders.

Bei der Siegerehrung der Landesmeisterschaft Nord-West. Foto: Iffland
Jeder bringt seine eigenen Stärken ein: Während ein Teil des Teams an Konstruktion und Aerodynamik arbeitet, kümmern sich andere um Gestaltung, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit.
Tjelle etwa ist der Konstrukteur des Teams, unter Einhaltung der technischen Vorgaben hat der 14-Jährige das Modell erstellt. Die Hauptaufgabe von Ressourcen-Manager Silas ist es, Sponsoren zu gewinnen und einen Blick auf die Ausgaben zu behalten - denn: Das Projekt ist keine günstige Angelegenheit. Neben Materialien fallen beispielsweise auch Kosten für Übernachtung und Anreise an.
Jury-Kritik kostet wertvolle Zehntelsekunden
Der Rennwagen entsteht zunächst digital, wird anschließend im 3D-Druck gefertigt und im Windkanal getestet. Dort analysiert das Team, wie stark Luftströmungen das Fahrzeug abbremsen, erklärt Forscher Levi. Ein neu entwickelter Heckspoiler erwies sich so etwa als deutliche Verbesserung zum letzten Jahr, während am Frontbereich noch optimiert werden soll.
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Wie entscheidend Details sind, zeigte die Landesmeisterschaft: Weil sich zwei Bauteile minimal überschnitten, erhielt das Team eine Zeitstrafe von 0,2 Sekunden. „Das ist viel“, ärgern sich die Speed Titans. Ohne diese Zeitstrafe wäre ihr Auto mit 1,201 Sekunden das zweitschnellste gewesen.
Die Jury gab auch Hinweise zur Präsentation und zum Portfolio. Das Feedback nehmen die Jugendlichen ernst und wollen es bei den Deutschen Meisterschaften besser machen.

Cleo (links) und Rasmus von den Speed Titans mit Pokal und Medaille. Sie kümmern sich im Team um Grafikdesign und Social Media. Foto: P. Meyer
Die finden vom 21. bis 22. Mai statt. Die Speed Titans treten als amtierende Titelträger an und ihr Ziel ist dementsprechend ehrgeizig: den Meistertitel erneut nach Ahlerstedt holen. „Das gab es noch nie“, weiß Teammanager Silas, und Lehrer Gert Iffland ergänzt: „Die Jungs sind richtige Senkrechtstarter.“
Daher glaube er fest an den Erfolg seines Teams. Für die Weltmeisterschaft sind die Speed Titans noch zu jung, die ist den Senioren-Teams vorbehalten. Wenn es 2027 aber soweit ist, wollen die Jungen all ihre Erfahrung nutzen und auch international abräumen.

Der Teamstand der Speed Titans samt ihrer Ausbeute an Urkunden. Foto: Iffland
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