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Energiekrise

TWird Strom teurer? Worauf Verbraucher im Kreis Stade achten sollten

Steigende Gaspreise können auch Strom teurer machen.

Steigende Gaspreise können auch Strom teurer machen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Irankrieg und Energiekrise könnten sich auch auf den Strompreis auswirken. Lohnt sich ein Anbieterwechsel? Und wie begegnen EWE, Stadtwerke Stade und Buxtehude der Lage?

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Von Anping Richter
Sonntag, 29.03.2026, 05:50 Uhr

Landkreis. Der Irankrieg treibt die Gaspreise im europäischen Großhandel hoch. Die wiederum hängen mit den Strompreisen zusammen, was sich direkt auf die Endverbraucher auswirken könnte. Wie gehen die regionalen Grundversorger damit um? Und was können Verbraucher tun, um die Kosten in Schach zu halten?

Stadtwerke Stade nehmen Sonderprodukte vom Markt

Die Stadtwerke Stade haben schon Konsequenzen aus der schwer berechenbaren Lage gezogen: Sie bieten neuen Stromkunden ab sofort nur noch die Grundversorgung an und haben alle ihre Sonderprodukte vorübergehend vom Markt genommen. Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Born weiß: „Die erheblichen Unsicherheiten auf den internationalen Energiemärkten haben spürbare Auswirkungen – auch in unserer Region.“

Die Stadtwerke Stade prüfen laut Born nun „fortlaufend und sehr sorgfältig die Preisgestaltung in der Grund- und Ersatzversorgung, um auf die dynamischen Rahmenbedingungen angemessen reagieren zu können“.

Stadtwerke Buxtehude haben günstig eingekauft

Bei den Stadtwerken Buxtehude, die zum 1. Januar 2026 ihre Preise gesenkt haben, sei eine Erhöhung aktuell nicht in Sicht, sagt Prokurist Daniel Berheide: „Die Menge, die wir eingekauft haben, reicht für unsere Bestandskunden bis zum Jahresende.“

Auch bei der EWE, dem dritten Grundversorger in der Region, bleiben die Preise zunächst stabil, versichert Dietmar Bücker von der Konzernkommunikation der EWE. Denn ein großer Teil der Verträge seien Sondertarife, also Langzeitverträge mit Preisgarantie. Auch in der Grundversorgung gelte derzeit weiter der Preis, der zum 1. Februar 2026 festgesetzt wurde.

EWE: Weltmarktpreise wirken erst zeitversetzt

Sollten die Weltmarktpreise dauerhaft auf einem höheren Niveau bleiben, könnten sich diese Entwicklungen laut EWE aber zeitversetzt auch auf Endkundenpreise auswirken.

Dass Verbraucher zurzeit sehr preissensibel sind, nutzen Vergleichsportale aktuell verstärkt, um darauf hinzuweisen, dass ein Stromanbieterwechsel Geld sparen könnte. Oft haben Verträge nur im ersten Jahr sehr günstige Konditionen, was viele aber nicht beachten. Das Energieunternehmen Octopus spricht sogar von einer „Treuestrafe“ für wechselunwillige Kunden und führt dazu eine Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen an.

Studie: Bei Stromkunden wird Treue bestraft

Die hat Tausende Preisanpassungsschreiben privater Stromkunden ausgewertet. Bestandskunden zahlen demnach beim effektiven Arbeitspreis im Durchschnitt etwa 13 Cent pro Kilowattstunde mehr als Neukunden. Weil sie auf einen Anbieterwechsel verzichteten, haben Verbraucher in Deutschland laut Studie im Jahr 2025 circa 11 Milliarden Euro mehr bezahlt als nötig, die sogenannte Treuestrafe.

Die Firma Wechselpilot hat gerade einen sogenannten Wechsel-Ersparnis-Index, kurz WEX, veröffentlicht. Der soll zeigen, wie groß das Einsparpotenzial für Stromkunden ist, wenn sie in einen günstigeren Tarif wechseln. Dabei zielt der WEX besonders auf die Grundversorgung ab: 481 Grundversorger bundesweit wurden analysiert. Bei Wechselpilot kann über eine interaktive Karte für jedes Postleitzahlgebiet das Sparpotenzial berechnet werden.

„Grundversorger sind gesetzlich verpflichtet, jeden Haushalt ohne Vertrag zu versorgen. Das klingt gut, hat aber einen Haken: Wer nie aktiv gewechselt hat, zahlt automatisch den Grundversorgungstarif und der ist deutlich teurer als frei verfügbare Alternativen am Markt“, sagt Maximilian Both, der Geschäftsführer von Wechselpilot. Seine Firma bietet ständige Wechsel zum jeweils günstigsten Anbieter als Service an - gegen eine Provision von 20 Prozent der gesparten Summe.

Die Vor- und Nachteile des Anbieterwechsels

Bei den Stadtwerken Stade werden in der Grundversorgung bei einem Haushaltsverbrauch von 3000 kWh jährlich 1380 Euro fällig. Laut Wechselpilot würde der günstigste verfügbare Anbieter in diesem Bereich 550 Euro weniger kosten. Angesichts der aktuellen Situation möchten die Stadtwerke Stade zu konkreten Tarifen oder Preisvergleichen zurzeit keine weitergehenden Angaben machen, sagt Geschäftsführer Christoph Born.

Er weist auch darauf hin, dass die Kunden der Stadtwerke Stade „von einem stabilen Service vor Ort, transparenten Vertragsbedingungen sowie der Gewissheit profitieren, einen verantwortungsvoll agierenden Partner an ihrer Seite zu haben – gerade in Zeiten volatiler Märkte“.

Bei der EWE werden bei einem Haushaltsverbrauch von 3000 kWh in der Grundversorgung jährlich Kosten von 1113 Euro fällig. Laut Wechselpilot wären das aktuell 280 Euro mehr als bei dem günstigsten verfügbaren Anbieter.

Vorsicht bei Tarifvergleichen: Es ist komplex

Es sei schwierig, die Grundversorgung mit den Preisen aus den Sondertarifen eines anderen Energieversorgers zu vergleichen, ohne die genauen Kostenstrukturen des Wettbewerbs zu kennen, sagt Dietmar Bücker von der EWE. Zudem sei die Grundversorgung im Markt in der Regel zwar teurer als Sondertarife. Doch das könne sich in einer anderen Marktsituation durchaus umkehren.

Die Stadtwerke Buxtehude sind in der Grundversorgung laut Wechselpilot bei einem Haushaltsverbrauch von 3000 kWh mit jährlichen Kosten von 1070 Euro um 280 Euro pro Jahr teurer als der günstigste verfügbare Anbieter.

„Mit grummelt bei solchen Vergleichen der Bauch“, sagt Daniel Berheide, Prokurist der Stadtwerke Buxtehude (SWB): „Wir betreiben die Schwimmbäder. Wir bauen die Weihnachtsbeleuchtung auf. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann sieht man den Stadtwerke-Mitarbeiter immer wieder.“ Die SWB versuchten, die Preise mit einer geschickten Einkaufspolitik attraktiv zu halten, und zwar mit langfristiger Perspektive. „Wir wollen nicht der billige Jakob sein, sondern der Anbieter, der mit fairen Konditionen am Markt ist und bei den Kunden Vertrauen genießt.“

Die Grundversorgung sei bei den SWB übrigens jahrelang sogar der günstigste Tarif gewesen. „Gerade bei kleinen Mengen für Azubis, Studenten oder Rentner“, sagt Berheide. Für Haushalte mit höherem Verbrauch hätten die SWB aber auch attraktivere Tarife im Angebot. Wer Stadtwerke-Kunde sei, sorge dafür, dass das Geld vor Ort bleibe und tue etwas für seine Stadt.

Stadtwerke Buxtehude: Lage kann sich drehen

Zudem könne sich die Lage schnell ändern - wie nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs, als die Preise schnell extrem hoch stiegen. Daraufhin hätten Billiganbieter ihre Kunden teilweise vor die Tür gesetzt. Berheide gibt zu bedenken: „Vielleicht sind wir mit unserer Grundversorgung irgendwann der günstigste Anbieter. Wenn dann plötzlich alle zu uns wechseln wollen, wäre das auch nicht ganz einfach.“ (mit ots/dpa)

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