TWohnhaus für Geflüchtete: Das war sein letztes Projekt für Harsefeld
Harald Müller hat mit dem Wohnhaus an der Memelstraße sein letztes Projekt für die Samtgemeinde beendet. Foto: P. Meyer
Harald Müller ist eine Größe im Harsefelder Bauamt. Und das, obwohl er eigentlich schon seit acht Jahren im Ruhestand ist. Mit dieser Sanierung geht er nun endgültig.
Harsefeld. Der Ruhestand ist für viele Arbeitnehmer etwas, worauf sie lange hinfiebern: endlich Füße hoch und mehr Zeit für Familie und Hobbys. Ganz anders ist es für Harald Müller: Der hätte eigentlich schon 2017 in den Ruhestand gehen sollen. Doch seit acht Jahren hangelt sich der 74-Jährige von einem „letzten Projekt“ zum nächsten „letzten Projekt“.
Das Wohnhaus wurde nach hinten erweitert. Foto: P. Meyer
Mit der Fertigstellung der Mietshaussanierung an der Memelstraße, mit der neuer Wohnraum für Geflüchtete geschaffen wurde, hat Müller nun wirklich sein letztes Projekt für Harsefeld fertiggestellt.
Ohne Harald Müller ging es auf dem Bau nicht
„Ich bin das Bindeglied zwischen Gemeinde und Architekten“, erklärt Harald Müller seine Aufgabe. Seit 1990 ist der studierte Bauingenieur für die Harsefelder Verwaltung tätig, zuvor arbeitete er 13 Jahre lang für die Deutsche Bundesbahn.
„Es war die beste Entscheidung, in Harsefeld anzufangen“, blickt Müller zurück. Das selbstständige Arbeiten und das Zusammenspiel mit den Kollegen habe er immer geschätzt. Langeweile sei nie aufgekommen.

Vor dem sanierten Haus an der Memelstraße (von links): Ole Junker von der 2Punkt1 Ingenieurgesellschaft sowie Harald Müller und Peter Walthart von der Samtgemeinde Harsefeld. Foto: P. Meyer
Über den Tisch des ehemaligen stellvertretenden Bauamtsleiters lief „eigentlich alles in Sachen Hochbau“, so Harald Müller. Das heutige Rathaus, das 1993 fertiggestellt wurde, war eines seiner ersten Projekte. Auch die Sanierung und Erweiterung der Eissporthalle zwischen 2010 und 2016 begleitete er.
Und nachdem Harald Müller vor rund acht Jahren eigentlich in den Ruhestand gehen sollte, konnte die Bauverwaltung auf die Erfahrung des Fredenbeckers eben doch noch nicht ganz verzichten. „Es gab immer wieder Projekte, die seine Präsenz brauchten“, erklärt Bauamtsleiter Peter Walthart. So verlängerte Harald Müller immer wieder aufs Neue.
„Mein Job macht mir eben Spaß“, sagt er mit einem Lachen. Doch jetzt sei „finito“. Ein letztes Herzensprojekt hat Harald Müller mit der Sanierung des Wohnhauses an der Memelstraße beendet. Auf das, was dort entstanden ist, blickt er am Tag der Übergabe zufrieden zurück.
Sanierung kostete 1,7 Millionen Euro
Bei dem Wohnhaus handelt es sich um ein gemeindeeigenes Gebäude aus den 1960er Jahren, das stark sanierungsbedürftig war. „Das hatte seine besten Tage schon gesehen“, so Ole Junker von der 2Punkt1 Ingenieurgesellschaft. Seit mehr als 30 Jahren wurde das Haus für die Unterbringung von Bedürftigen und Geflüchteten genutzt.

Die modernen Wohnungen sollen an geflüchtete Menschen vermietet werden. Foto: P. Meyer
Die Grundsanierung wurde mit Mitteln der Städtebauförderung (634.000 Euro) sowie dem Programm „Integration Geflüchteter im Quartier“ (738.000 Euro) umgesetzt. Samt Eigenanteil von 328.000 Euro ergeben sich Kosten von rund 1,7 Millionen Euro.
T Wärmebrücken entlarvt: So können Harsefelder Hausbesitzer sparen
T Schmutzwassergebühr: Harsefelder zahlen ab diesem Jahr mehr
T Harsefelder Brücke wird vom Auftaktprojekt zum Problemfall
Entstanden sind sechs Wohnungen mit je 40 bis 90 Quadratmetern, die den zeitgemäßen Anforderungen entsprechen. „Auch energetisch“, betont Peter Walthart. Das Doppelhaus sei mit Wärmepumpen, Fußbodenheizung und Solaranlage auf dem Dach versehen. Die Ausstattung ist standardmäßig, doch gleichzeitig modern und hell.
Bis auf den Keller: Wohnhaus musste grundsaniert werden
Von der Grundsubstanz hatte man bei der Sanierung so viel wie möglich erhalten wollen. Doch die sei in keinem guten Zustand mehr gewesen, so dass auch der Giebel erneuert werden musste. „Alles andere wäre nicht wirtschaftlich oder energetisch sinnvoll gewesen“, so Ole Junker.

Bauamtsleiter Peter Walthart zeigt, wo der Keller erweitert wurde. Foto: P. Meyer
Einzig im Keller sind die Grundmauern des ehemaligen Baus noch zu erkennen. Hier hat man die Räume um zwei Reihen Mauersteine erhöht. Zudem wurde das Gebäude nach hinten heraus erweitert. „Vorher bot das Gebäude nur vier Wohnungen, jetzt sind es sechs“, erklärt Harald Müller. Insgesamt sind es nun 310 Quadratmeter Wohnfläche.
Junge Gäste aus der Ukraine erholen sich in Stade fernab des Kriegs
Durch die verwendeten Fördermittel ist die Nutzung zweckgebunden. Abgesehen davon, werde Wohnraum für geflüchtete Menschen auch in Harsefeld dringend benötigt, so Peter Walthart. Die Wohneinheiten werden bald an entsprechende Familien oder Einzelpersonen vermietet.

Während der Bauphase im vergangenen Herbst 2025. Foto: P. Meyer
„Es ist ein schönes Projekt, um sich endgültig zu verabschieden“, sagt Harald Müller. Dieses Mal wirklich. Dass er im Bauamt stets willkommen und ein gern gesehener Gast sein wird, das weiß der 74-Jährige. Was er ohne berufliches Projekt angehen will, steht für ihn noch nicht genau fest - die Füße hochlegen wird er wohl weniger. Gewiss ist für Harald Müller eines: „Langweilig wird mir nicht.“
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.