TZu Gast bei Toni de Angelis: Das schmeckt Stades erstem Italiener
Toni in seinem Restaurant La Via del Sale in der Salzstraße. Foto: Stehr
Seit Jahrzehnten prägt Toni de Angelis die Stader Gastronomie. Doch jetzt brodelt die Gerüchteküche. Das Haus mit dem Lokal in der Salzstraße steht zum Verkauf.
Stade. Gerhard Schröder, Jürgen Prochnow, Roger Whittaker oder Heino - die Liste prominenter Menschen, die schon mal bei Antonio de Angelis gegessen haben, ist lang. Viele Persönlichkeiten der Stader Stadtgesellschaft und aus der ganzen Region gehören zu den Stammgästen des Stader Gastronomen mit zwei Restaurants in der Stader Altstadt. Kein Wunder, dass der Aufschrei groß ist, wenn das Gerücht im Raum steht, Toni wolle aufhören.
Fachwerkhaus steht zum Verkauf
Tatsächlich steht das denkmalgeschützte Fachwerkhaus zum Verkauf, in dem sich Tonis Restaurant La via del Sale befindet. Für knapp 400.000 Euro ist das Wohn- und Geschäftshaus in der Salzstraße 21 zu haben. „Unser Ziel ist es, einen Investor zu finden, der Toni als Mieter behalten möchte“, sagt Mandy Brockelmann von der gleichnamigen Immobilien-Vermittlung. Denn Toni denkt auch mit 67 Jahren noch nicht ans Aufhören.

Gastwirt Toni mit Mandy Brockelmann (links) und Jana Hackelberg von der Immobilienvermittlung Mandy Brockelmann. Die beiden Frauen sind mit dem Verkauf des Hauses in der Salzstraße 21 beauftragt. Foto: Stehr
„Ich will weiterkochen, ich bin gesund und habe den besten Beruf der Welt“, sagt der gelernte Koch, während er im La Via del Sale an seinem Espresso nippt. Den mag er am liebsten ohne Zucker. Auch beim Essen weiß Toni genau, was ihm schmeckt. Alles, was die italienische Küche zu bieten hat. Außerdem liebt er Artischocken, Risotto und Rosmarin. Eine Einschränkung gibt es aber doch. „Ich esse zwar gerne pikant, aber ich bin ein Feind von Pfeffer“, sagt Toni.

Bei Toni kommen nur frische Zutaten auf den Tisch. Foto: Stehr
Wenn er zurückblickt, kommt er auf 55 Jahre gastronomische Erfahrung. Mit 13 Jahren beginnt er seine Ausbildung zum Koch in einem kleinen italienischen Dorf südlich von Rom. Als 17-Jähriger kommt er - ohne ein Wort Deutsch zu sprechen - nach Stade, um seinen Bruder zu besuchen. Ein Jahr später eröffnen die beiden am Wilhadikirchhof das erste italienische Restaurant Stades.
Einmal hätte Toni fast hingeschmissen
„Von da an war ich selbstständig, habe immer gearbeitet“, sagt Toni. Seinen italienischen Akzent hat er sich bewahrt. Er führt Restaurants in der Wallstraße und der Großen Schmiedestraße. Seit 2002 steht er im La Via del Sale, benannt nach der Salzstraße, hinterm Herd. Nur einmal hätte er fast hingeschmissen.
Ende der 1990er Jahre zieht Toni mit seiner Frau und den drei Kindern wieder in die alte Heimat und will sich eigentlich nie wieder selbstständig machen. Doch er hält es nicht lange aus. Nach einem halben Jahr kehrt er zurück und eröffnet Ende 1999 in Agathenburg das Ristorante L‘Osteria. Drei Jahre später bekommt er die Chance, wieder in Stade zu arbeiten - mitten in einer der schönsten Straßen der Stader Altstadt.

Antonio de Angelis kam mit 17 Jahren nach Stade. Vor 50 Jahren eröffnete er hier sein erstes Restaurant. Foto: Stehr
Es sei immer sein Traum gewesen, in einem kleinen Laden selbst zu kochen und sich um seine Gäste zu kümmern. Viel Wert legt er dabei auf frische Zutaten, am liebsten saisonal und regional eingekauft. „Das hat auch seinen Preis, aber meine Gäste lieben mein Essen, vor allem meine Überraschungsmenüs“, sagt Toni. Hauptgerichte wie Kalbsleber oder Angus-Rinderfilet kosten bei ihm aktuell zwischen 28 und 38 Euro.

Wer bei Toni essen möchte, muss im Voraus reservieren. Auch für den ersten Weihnachtstag und Silvester ist das La Via del Sale schon so gut wie ausgebucht. Foto: Stehr
Es gebe immer weniger Menschen, die gutes Essen zu schätzen wüssten, sagt Toni. Doch seine 30 Plätze im La Via del Sale seien fast immer besetzt. Wer nicht im Voraus reserviert, hat schlechte Karten. Auch am ersten Weihnachtstag und an Silvester sei das Restaurant bereits ausgebucht.
Generationen von Stadern hat der Italiener schon bekocht. Er freut sich, wenn die Gäste von damals heute ihre Enkelkinder mitbringen. Er selbst ist dreifacher Opa. Regelmäßig treffen sich auch Vertreter großer und kleiner Firmen aus dem Landkreis bei Toni. Eben alles, was Rang und Namen hat. „Ich kenne sie alle und weiß, was sie am liebsten mögen“, sagt Toni. Mit vielen fühle er sich freundschaftlich verbunden.
Stade ist für Toni zur Heimat geworden
Wer ihn besser kennt, weiß, dass er in der Vergangenheit mit familiären Schicksalsschlägen zu kämpfen hatte. „Wir alle erleben Höhen und Tiefen, aber ich habe mein Glück wiedergefunden“, sagt Toni. Stade sei für ihn zur Heimat geworden, weil er sich hier so wohlfühlt. Bis vor drei Jahren wohnte er noch in der Altstadt, direkt über seinem Restaurant. Inzwischen lebt er in Horneburg.
In Stade ist er immer von Dienstag bis Samstag. Abends bewirtet er seine Gäste im La Via del Sale. Bereits ab mittags ist an den gleichen Tagen sein Ableger in der Hökerstraße, das Vino e Crostini da Toni, geöffnet. Seit 2021 serviert er hier Getränke und kleine Speisen zum Wein.

Das Haus in der Salzstraße 21 steht aktuell zum Verkauf. Seit 2002 betreibt Antonio de Angelis das La Via del Sale im Erdgeschoss. Foto: Stehr
Seinen Espresso hat Toni inzwischen ausgetrunken. Jetzt ist es Zeit, die Blumen auf den Fensterbänken zu gießen. Künstliche Pflanzen kann der Gastwirt nicht ausstehen. Bei ihm ist alles echt. Und das soll so bleiben.
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