Zähl Pixel
Nordkehdingen

TRestauriert bei Hatecke: Zwei Männer retten das größte Börteboot No.5

Holzbootbauer Rainer Hatecke ist sichtlich zufrieden mit seiner Arbeit.

Holzbootbauer Rainer Hatecke ist sichtlich zufrieden mit seiner Arbeit. Foto: Helfferich

Als 12,4 Meter langes Frachtboot wurde die No.5 für Helgoland gebaut. Doch die besten Zeiten waren schnell vorbei. Jetzt wurde das Börteboot auf der Hatecke-Werft rundum erneuert.

author
Von Susanne Helfferich
07.08.2026, 16:05 Uhr

Freiburg. 12,4 Meter lang und fast vier Meter breit ist das Börteboot, das am Wochenende in Freiburg vom Stapel gelaufen ist. „Es ist das größte Börteboot, das je gebaut wurde“, sagt Rainer Hatecke. Er muss es wissen. Führt er doch die Bootswerft Hatecke in fünfter Generation.

In den 1960er Jahren gab es auf der Werft einen richtigen Bauboom. Als „rekordverdächtig“, so heißt es im Buch „Helgolands Börteboote“ des 2024 verstorbenen Altbürgermeisters Frank Botter, galt der Neubau von 1967.

Die No.5, das größte Börteboot, das je gebaut wurde - so Rainer Hatecke - wurde vergangenen Freitag zu Wasser gelassen.

Die No.5, das größte Börteboot, das je gebaut wurde - so Rainer Hatecke - wurde vergangenen Freitag zu Wasser gelassen. Foto: Helfferich

Die Gemeinde Helgoland beauftragte die Werft „mit dem Bau eines Frachtbootes für den Transport von Post, Gepäck und sonstigen Frachtsendungen von und zu den auf der Reede liegenden Seebäderschiffen“. Wie alle Helgoländer Gemeindeboote, erhielt auch dieses Boot nur eine Nummer: die No.5.

Fast 40 Jahre vor Helgoland im Dienst

Neben den Aufgaben für den Frachttransport wurde die No.5 auch als Dünenfähre eingesetzt. Fast 40 Jahre tat das Boot Dienst für die Inselgemeinde und den angeschlossenen Hafenservice EMT. Nach Jahren war auch das größte Börteboot nicht mehr groß genug. Es wurde zum Motorkajütboot umgebaut und fuhr zeitweise blau-gelb bemalt für den Helgoländer Edeka.

Jahre später wurde das Boot auf Krautsand in den Ruthenstrom gelegt, wo es mit den Jahren im Schlick versank. Im August 2022 musste die Feuerwehr ausrücken, weil das einst stolze Börteboot gesunken war. „Nur noch die Mastspitze ragte aus dem Wasser“, hieß es im TAGEBLATT.

Schließlich landete No.5 in Cuxhaven, wo es eigentlich saniert werden sollte. Aber nichts geschah. „Dort ist es nur noch schlechter geworden“, sagt Hatecke heute. Und dann kam Knud Müller ins Spiel, der einstige Miteigentümer der EMT.

Für Knud Müller war die Sanierung eine Herzenssache

„Ich hatte das Boot in den vergangenen Jahren immer mal wieder in Cuxhaven gesehen“, erzählt Müller, „der Anblick war schwer erträglich.“ Das Boot, das ihm ja schon einmal gehört hatte, wurde für ihn eine Herzensangelegenheit, und er schnackte mit Rainer Hatecke. Gemeinsam beschlossen sie: „Lass uns das Boot retten.“

Die Stunde der Wahrheit: Bootsbauer Rainer Hatecke und Eigner Knud Müller (links) schauen, ob sich Wasser durch die Planken drängt.

Die Stunde der Wahrheit: Bootsbauer Rainer Hatecke und Eigner Knud Müller (links) schauen, ob sich Wasser durch die Planken drängt. Foto: Helfferich

100.000 Euro stellte Müller, der Mitglied im Verein zum Erhalt der Helgoländerboote ist, erstmal bereit. Das vernachlässigte Börteboot wurde nach Hause geholt und im Herbst 2025 begannen Hatecke und Müller mit den Restaurierungsarbeiten.

Schnell stellten sie fest, dass die Außenplanken komplett ausgetauscht werden müssen. Aber von den 80 Spanten konnte die Mehrheit erhalten bleiben. Auch das Schandeck wurde erneuert, ebenso der Fahrerstand für den Steuermann. Angestrieben wird das hochseesichere Börteboot von einem 70-PS-Motor.

Kosten stiegen von 100.000 Euro auf 200.000 Euro

„Das Arbeitsvolumen verdoppelte sich. Aus 100.000 wurden 200.000 Euro - und Knud Möller bezahlte“, erzählt Bootsbauer Hatecke. „Wir versuchten den Originalzustand herzustellen. Am Ende waren wir mehr als zufrieden“, so Rainer Hatecke, „wir haben das Boot zu 99 Prozent erhalten.“

Knud Müller kann kein Wasser im Boot finden.

Knud Müller kann kein Wasser im Boot finden. Foto: Helfferich

Vergangenen Freitag ließen Rainer Hatecke und Knud Müller das Boot von der Hatecke-Werft zu Wasser. Mit dem Heck zuerst ging es auf der Slipanlage Meter für Meter in den Hafen, dabei blubberte es tüchtig unterm Kiel. Bootsbaugeselle Marvin Knopke korrigierte mit Tau und Stecken, bis das Boot seinen Weg in das Priel bei der Werft fand. Dort wurde es festgemacht.

Einen Teil der Innenbohlen waren da noch nicht verlegt. So konnten die Bootsbauer überprüfen, ob das Boot No.5 auch wirklich dicht ist. Inzwischen hat Rainer Hatecke auch eine kleine Probefahrt im Freiburger Hafensiel gemacht. Ohne besondere Vorkommnisse.

Aus dem sicheren Hafen geht es nun auf hohe See

„Wir haben das Boot wieder wach geküsst“, freute sich Müller, nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass die No.5 dicht ist. Das Börteboot wird auch künftig im Freiburger Hafen liegen, wo sich aktuell Frauke, Störtebecker, Sellebrun, Kleiner Hinnerk und Spikkerpeter tummeln.

Bereits am kommenden Wochenende geht es auf große Fahrt. No.5 wird seinen früheren Hafen auf Helgoland besuchen und kann seine Hochseetauglichkeit beweisen. Mit dabei sind ihre Retter: Rainer Hatecke und Knud Müller.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel