03.09.2018, 15:32
Altes Land: Schafe am Elbdeich gestohlen

JORK. Deichschäfer Vasile Buza aus Borstel ist verärgert: Kriminelle haben ihm in den vergangenen Wochen elf Zuchtschafe und 24 Lämmer gestohlen. Doch nicht nur das bereitet dem Schäfer Sorgen.

Seit dem 12. April lässt der Schäfer des Deichverbandes der II. Meile Alten Landes seine Herde – mehrere 100 Tiere – auf dem Elbdeich oberhalb des „Lühe-Sperrwerks“ in Jork-Lühe grasen. Gegenwärtig pflegen sie zwischen dem Fährhaus Kirschenland in Wisch und dem Yachthafen Neuenschleuse einen Teilabschnitt des „etwa dreizehn Kilometer“ langen Hauptdeichs des Verbands.

Bei einer Zählung stellte Buza fest, dass ihm mehrere seiner Tiere fehlten. Ob die Tiere auf einmal oder bei verschiedenen Taten erbeutet wurden und ob es sich bei den Dieben um dieselben Personen handelt, „kann derzeit noch nicht gesagt werden“, sagt der Stader Polizeisprecher Rainer Bohmbach. Gegenwärtig schauen sich die Beamten laut Bohmbach die Diebstähle der vergangenen Wochen und Monate an der Unterelbe noch einmal genau an.

Damit nicht genug. Die Diebe waren nicht nur scharf auf die Tiere. In der Zeit von Sonntag, 16 Uhr, bis Montag, 6 Uhr, haben Kriminelle auf einer eingezäunten Weide unterhalb des Elbdeichs in den Obstplantagen – rund 500 Meter nördlich des Yachthafens Neuenschleuse – ein Weidezaungerät der Marke „Patura“ mit den Gelbatterien entwendet. Allein die Batterie ist rund 180 Euro wert. Der Gesamtschaden wird auf etwa 4500 Euro geschätzt.

Hier wurde ein Weidezaungerät der Marke „Patura“ – auf einer Weide am Elbdeich – gestohlen. Foto: Vasel

Die Beamten der Polizeistation Jork suchen nun Zeugen, denen in den vergangenen sechs Monaten verdächtige Personen oder Fahrzeuge in der Nähe der Schafe aufgefallen sind. „Wir gehen davon aus, dass die Tiere mit einem Transportfahrzeug oder einem Anhänger abtransportiert worden sind“, sagt der Stader Polizeisprecher. Zeugen sollten sich unter 0 41 62 / 91 29 70 bei der Polizei (Borsteler Reihe 54) in Jork melden. Schäfer Buza will nicht ausschließen, dass die Täter Erntehelfer sein könnten, denn in Deutschland gebe es kaum noch Menschen mit Erfahrungen bei Hausschlachtungen.

Den Schäfer – er kam mit 18 Jahren als frischgebackener Maschinenbauingenieur aus Moldawien nach Deutschland und ist seit 2015 Deichschäfer in Jork-Borstel – trifft der Diebstahl doppelt. Denn durch die starke Trockenheit der letzten Monate muss der Schäfer bereits teures Kraftfutter bei den Lämmern zufüttern. Kurzum: Es gibt zu wenig Winterfutter, am Este- und Lühe-Deich konnte der Elbschäfer nur zwei Drittel des Vorjahresgrasschnitts ernten. Er hofft jetzt auf Regen, damit es auf den Winterweiden etwas zu futtern gibt.

Weil viele Schäfer nicht mehr ausreichend Futter haben, verkaufen sie Tiere oder geben ganz auf. Die Fleischpreise sind im Keller. Vor einem Jahr gab es noch 2,70 Euro pro Kilo beim Lamm, jetzt sind es 2,30 Euro pro Kilogramm – bei gestiegenen Futterkosten. „Das ist ein Minusgeschäft“, sagt Vasile Buza, der im Schnitt 1000 Tiere hat und für den Deichverband den Deich pflegt. Durch ihren tiefen Biss halten die Wiederkäuer die Grasnarbe kurz, durch den Tritt der Tiere wird sie fester und dichter. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Deichsicherheit.

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