Wer für Sturmschäden haftet

STADE. Der Orkan „Sabine“ fegt durch Deutschland – und hinterlässt auch im Landkreis Stade allerorten seine Spuren. Was ist zu tun, wenn Sturmschäden am eigenen Haus oder beim Nachbarn, beispielsweise durch umgestürzte Bäume oder fliegende Dachziegel, eintreten?


Eigentümer müssen im Zweifel nachweisen, dass Schäden bei anderen nicht auf vernachlässigte Instandhaltung des eigenen Hauses oder auf mangelnde Kontrolle des eigenen Baumbestandes zurückgehen, schreibt der Verein „Haus & Grund“ Stade in einer Pressemitteilung und nimmt Bezug auf ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart (Urteil vom 23.11.2016 - 4 U 97/16). Rechtsanwalt Mathias Schröder ergänzt: „Bei Bäumen reicht es, wenn man zweimal im Jahr 'auf Sicht' kontrolliert, ob die Bäume krank oder vorgeschädigt sind und deshalb eine erhöhte 'Windwurfgefahr' besteht.“

Was die eigenen Schäden angeht, ist im Zweifel der Eigentümer „fein raus“, der in seiner Wohngebäudeversicherung auch über einen Elementarschadenzusatz verfügt. Denn dieses Paket schützt vor den finanziellen Folgen eines Naturereignisses und dadurch eingetretener Schäden zum Beispiel durch Starkregen, Überschwemmungen, Rückstau, Hochwasser, Erdrutsch oder Schneedruck. Sturmschäden, die durch Luftbewegungen über Windstärke 8 nach Beaufort (Windstärke ab 62 km/h) eintreten, sind bereits durch die Wohngebäudeversicherung gedeckt.

Versicherung schnellstmöglich informieren

Zieht der Versicherer in Zweifel, dass es zum Sturm gekommen ist, muss der Eigentümer entsprechende Windstärken nachweisen (OLG Saarbrücken, Urteil vom 20.6.2018 - 5 U 58/17) – am besten durch die Auskunft des Deutschen Wetterdienstes (Telefon: 069/80 62 0; www.dwd.de/wettergutachten).

Zudem rät „Haus & Grund“ Geschädigten, schnellstmöglich ihre Versicherung zu informieren. Sie sollten die Schäden anhand von Fotos dokumentiere und Zeugen benennen. Die Wohngebäudeversicherung greift bei allen Schäden, die durch Feuer, Blitz, Sturm, Hagel oder auslaufendes Leitungswasser eintreten. Sie zahlt zum Beispiel bei abgedeckten Dächern, beschädigten Schornsteinen oder bei Schäden durch umgestürzte Bäume. Ebenso kommt sie für Folgeschäden am Haus selbst auf.

Elementarschadenzusatz greift bei vollgelaufenen Kellern

Für Schäden am Hausrat und anderen beweglichen Teilen einschließlich Gartengeräte ist die Hausratversicherung zuständig. Ausgenommen sind beschädigte Teile, die im Freien – zum Beispiel auf der Terrasse oder auf dem Balkon – gestanden haben. Auch hier kommt es auf einen Elementarschadenzusatz an. Schäden wegen vollgelaufener Keller oder Wohnungen werden dagegen nur durch die Elementarschadenversicherung erfasst, unterstreicht Mathias Schröder.

„Sind Bäume durch den Sturm geschädigt, deshalb nicht mehr ausreichend standsicher oder gar umgeworfen worden, müssen sie entsorgt werden“, erklärt der Rechtsexperte zu Schäden im Garten. „Wird dadurch der eigene Rasen oder der Rasen des Nachbargrundstücks durch den Einsatz von Maschinen in Mitleidenschaft gezogen, gehören die dadurch veranlassten Kosten zur Wiederherstellung mit zu den ersatzfähigen Kosten bei Sturmschäden.“ Die Wohngebäudeversicherung des Baumeigentümers muss den Schaden dann regulieren (LG München I, Urteil vom 11.8.2017 - 26 O 8529/16). Hausbesitzer sollten nach dem Sturm das Dach und alle Gebäudeteile auf Schäden überprüfen (so: LG Aurich, Urteil vom 19.1.2018 - 3 O 1102/16).

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