06.07.2016, 09:53
Fanmeilen in der Region begrüßen immer weniger Zuschauer
Leserbrief

LANDKREIS. Das Interesse am Public Viewing während eines großen Fußballturniers ist rückläufig. Die Besucherzahlen von den größten Fanmeilen im Landkreis Stade, die Harsefelder Eissporthalle und das Baufachzentrum Hasselbring in Stade, liegen voll im Bundestrend. 

„Wir pendeln uns bei 1000 Besuchern ein“, sagt Hasselbring-Prokurist Marco Hartlef. Der Betriebsleiter für die Harsefelder Sport- und Freizeitanlagen, Michael Wege, erklärt, dass die Besucherzahlen im Vergleich zu den letzten großen Turnieren um gut 20 bis 30 Prozent zurückgegangen seien.

Public Viewing bei Hasselbring auf der Kippe

„Wir kommen nicht an die Zahlen der Weltmeisterschaft 2014 heran“, sagt Marco Hartlef. Als Deutschland den Titel in Brasilien gewann, sahen in Stade zwischen 1800 und 2000 Menschen zu. Seit der WM 2006 in Deutschland überträgt Hasselbring alle Spiele der Deutschen live in seiner großen Lagerhalle. Das Unternehmen überlege, ob es in den kommenden Jahren Public Viewing anbietet. Aufwand und Kosten seien schon enorm, sagt Hartlef. Außerdem hinge eine Live-Übertragung vom Spielplan ab. Die nächste WM findet in zwei Jahren in Russland statt.

In Harsefeld sind die Zahlen ebenfalls rückläufig. „Die EM 2012 war besser“, sagt Michael Wege. Die WM 2014 ebenfalls. Das Endspiel der Deutschen gegen Argentinien sahen 2800 Menschen. Gegen Italien am vergangenen Sonnabend kamen gut 1000 Fans weniger in die Eissporthalle. Das Slowakei-Spiel sahen 1400 Leute, die Vorrunde verfolgten bis zu 1200. „Wir können dennoch zufrieden sein“, sagt Wege. Allerdings habe er schon festgestellt, dass die Stimmung während der Vorrunde eher gedämpft war. Im Halbfinale gegen Frankreich erwartet der Betriebsleiter 1800 bis 2000 Menschen in der Eissporthalle.

Gründe für den Rückgang sind vielfältig

Die Gründe für den Rückgang der Besucherzahlen sind nach Meinung der Veranstalter in Harsefeld und Stade vielschichtig. Zwei Faktoren könnten die späten Anstoßzeiten während der Woche und das Einsetzen der Ferienzeit sein. Zudem hätten die Menschen aufgrund des Terrors in der Welt Angst oder zumindest Bedenken, auf Massenveranstaltungen zu gehen. Im Jahr 2008 begannen die Macher in der Harsefelder Eissporthalle, Public Viewing im großen Stil anzubieten. „Die Euphorie ist nicht mehr ganz so groß“, sagt Michael Wege. „Public Viewing geht bergab“, meint Marco Hartlef. Es gebe günstig große Fernsehgeräte zu kaufen. Und die Konkurrenz aus dem heimischen Garten oder den Vereinslokalen sei nicht zu verachten.

Die Gastronomen spüren den Rückgang der Besucherzahlen. Der Getränkekonsum auf dem Gelände sei rückläufig, sagt Hartlef. Die Zuschauer trinken seiner Meinung nach vor Beginn der Übertragungen einiges. Probleme nach zu heftigem Alkoholkonsum habe es aber nicht gegeben.

„Die Bilder von jubelnden und geschminkten Anhängern der DFB-Elf, die TV-Sender und Fotoagenturen regelmäßig zu den bisherigen deutschen EM-Siegen vom Brandenburger Tor in Berlin oder dem Hamburger Heiligengeistfeld liefern, täuschen“, schreibt die „Frankfurter Allgemeine“ und beruft sich dabei auf Zahlen der Deutschen Presseagentur (dpa). 15 000 Menschen verfolgten demnach die Vorrundenspieler der Deutschen in Berlin. Die Straße des 17. Juni bietet Platz für mehr als eine halbe Million Menschen. Beim Fanfest in Hamburg bleiben ebenfalls die Hälfte der 50 000 Plätze regelmäßig leer.

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