06.07.2016, 19:00
Kolumne: Grit hält den Ball flach
Leserbrief

TAGEBLATT-Redakteurin Grit Klempow fühlt sich bei den deutschen EM-Spielen angeschrien, schlägt jetzt aber trotzig zurück.

Ich hätte heute gerne fünf Tore für Deutschland, bitteschön. Denn immer, wenn ich mit Jubeln beschäftigt bin, werde ich beim Fußballgucken nicht angebrüllt. Ansonsten dauernd. Kaum konzentriere mich auf das Spiel, auf Taktik oder Spielerfrisuren, bölkt einer rum und ich bin abgelenkt. „Orange!!!“, „Hisense!“, „Socar!!!!!!“. Schon dreht sich wieder ein Auto am Spielfeldrand.

Aufdringlich ist das

Die Banden-Penetranz ist unsäglich. Ich fühle mich angeschrien, ohne überhaupt zu wissen, von wem. Ein Mobilfunk- und Telekommunikationsanbieter (Orange), ein chinesischer Technikkonzern (Hisense), eine Brauerei (Carlsberg: „Probably!!!!) und der staatliche Energiekonzern Aserbaidschans (Socar) nehmen immer gleich die ganze digitale Bande in Beschlag. Aufdringlich ist das.

Ich sag’s jetzt mal deutlich: Nein, danke, ich möchte nicht zu Orange wechseln, keinen chinesischen Kühlschrank kaufen, ich beziehe meine Energie lieber regional und trinke seit jeher nur Becks’s. Und wenn mich einer anschreit, dann werde ich trotzig. Darauf gönne ich mir jetzt einen Snickers und versuche, noch einen 24er Fujifilm zu bekommen. Das stand bei der EM 1996 ganz analog und höflich auf der Bande – und wirkt anscheinend immer noch.

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