02.08.2017, 17:31
Abschied von der Schwermütigkeit
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Erst vor kurzem hatte ich so einen kleinen Das-Leben-imitiert-die-Kunst-Moment“, erklärt Lana Del Rey fast feierlich, bevor sie vor Lachen losprustet. „Er beinhaltete ausgezogene Klamotten und den Beachwood Canyon unweit des Hollywood-Schriftzugs in den Bergen von Los Angeles.

Aber ganz so wild, wie ich es in dem Song beschreibe, war die Aktion dann doch nicht.“ In „Lust For Life“, dem recht poppigen und ausgelassenen Titelstück ihrer jüngsten CD (einen Duett mit The Weeknd), behauptet Lana nämlich, sie habe nackt auf dem „H“ des Hollywood-Zeichens getanzt. Was so einfach dann doch nicht ist: „Das ist voll hoch, das schaffst du nicht einmal mit einer Leiter.“ Wie dem auch sei: Lana ist lockerer geworden.

Natürlich, die Songs klingen immer noch im Großen und Ganzen eher schwermütig, dafür sorgen allein schon Lana Del Reys tiefe Stimme und ihre langsame Art zu singen. Aber mit 32 Jahren hat die einst notorisch melancholische Schönheit, die als Elizabeth Grant nahe New York zur Welt kam und vor fünf Jahren mit der Sixties-Hommage „Video Games“ berühmt wurde, endlich die Leichtigkeit des Seins entdeckt.

Mehr Spaß am Leben

„Ich habe mich gut entwickelt, was das Gesamtglücksgefühl angeht“, so Lana, die sich zum Telefoninterview in ihr geliebtes Auto gesetzt hat, einen Jaguar. „Ich bin immer noch auf dem Weg, und Wachstum wie auch Chaos werden mich weiter durchs Leben begleiten, machen wir uns keine Illusionen. Und doch fühle ich deutlich die Veränderung. Ich habe klar mehr Spaß im Leben als vor einigen Jahren.“

In „Change“, einem sehr ruhigen Song, fasst sie die Veränderungen zusammen. „Ehrlich, fähig, schön und stabil“, sei sie geworden, singt Lana. „Mein gesamtes Leben ist von der Suche geprägt, irgendwo hinzugehören. Auf diesem Weg bin ich ein gutes Stück vorangekommen.“ Zu Anfang ihrer Karriere habe sie unter dem Misstrauen jener Leute gelitten, die sie für ein Kunstprodukt hielten. Viele nahmen ihr nicht ab, was sie sang und wie sie es sang.

„Ich war schrecklich ängstlich und unsicher. ,Video Games‘ hat extrem polarisiert, ich weiß bis heute nicht genau, warum. Mittlerweile habe ich einige Alben im Säckchen und bin selbstsicherer geworden. Es ist also kein Zufall, dass ich eine Reihe von Musikern auf die neue Platte eingeladen habe.“ Lana singt einige Duette mit wirklich spannenden Gästen. Mit Stevie Nicks von Fleetwood Mac, eine ihrer Heldinnen und eine gute Freundin ihres Produzenten Rick Nowels, singt sie „Beautiful People, Beautiful Problems“.

„Ich liebe einfach diesen Sound aus den Siebzigern, und Stevie ist seit fünfzig Jahren dabei, sie hat alles gesehen und erlebt. Da kann man schon neidisch werden“, erzählt Lana. Neben besagtem The Weeknd und dem Rapper A$AP Rocky ist auch Sean Lennon dabei, im Song „Tomorrow Never Came“.

„Ich erzähle in dem Lied von meiner Idealvorstellung einer Beziehung. John Lennon und Yoko Ono nenne ich als Beispiel“, erklärt Lana Del Rey. „Ich stellte mir die beiden vor, wie sie innig auf einer Bank im Central Park sitzen, dieses Paar weckt romantische Vorstellungen in mir. Somit lag es sehr nah, Sean zu fragen, zumal ich seine Musik sehr schätze.“ Eine vergleichbar intensive Liebe sei ihr selbst bislang nicht selbst widerfahren, „aber ich träume davon, endlich einmal etwas richtig festzuhalten, anstatt es immer wieder zu vermasseln“.

Politik im Fokus

Und noch etwas ist neu: Hat Lana Del Rey um Politik zuvor stets einen Bogen gemacht, so geht sie nun auf gesellschaftliche und politische Themen ein. „God Bless America - And All The Beautiful Women In It“ ist Feminismus in Verkleidung eines Countrysongs, und im Folksong „When The World Was At War We Kept On Dancing“ fragt sie „Is it the end of America?“ Bekannt ist auch , dass Lana Donald Trump mit einem „Hexenfluch“ belegte, wie sie halb scherzhaft in einem anderen Interview verriet. Ob er schon Wirkung gezeigt hat?

„Was denkst Du?“, fragt sie. „Man weiß es nicht. Alles, was wir jetzt mit ihm erleben, kennen wir schon aus dem Wahlkampf. Er macht eigentlich so weiter wie immer. Deshalb fürchte ich, der Fluch hat noch nicht gewirkt.“ Lana sagt, sie wünsche sich so sehr eine friedliche, lockere Zeit, darüber spricht sie zum Beispiel im Song „Coachella (Woodstock On My Mind“).

„Wo ist sie nur hin, die goldene Hippiezeit? Stattdessen gibt es bedrohliche Szenarien rund um die Raketentests in Nordkorea, und Trump gießt immer nur weiter Öl in alle Feuer“, gibt sie zu bedenken. „Er hat einige Dinge gesagt, über die sich Frauen wirklich ängstigen sollten. Ich hoffe nur, dass nichts ernsthaft schiefgeht in den nächsten dreieinhalb Jahren.“

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