11.06.2019, 19:00
Bergung der „Elbe No. 5“ frühestens ab dem Wochenende

STADE. Der am Sonnabend in der Schwingemündung gesunkene Ausflugssegler „Elbe No. 5“ wird nicht vor dem kommenden Wochenende geborgen. Das teilt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mit.

(Letztes Update am 11. Juni um 18.54 Uhr: Informationen zur Bergung sowie Bildergalerie hinzugefügt.)

Am Dienstag mussten Feuerwehr, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und Technisches Hilfswerk (THW) erneut ausrücken, um auslaufendes Öl aufzunehmen. Nachdem das THW am Montagabend bereits bis zu 2000 Liter Diesel abgepumpt hatte, traten am Dienstag offenbar Maschinen- und Getriebeöle in großen Mengen aus. Feuerwehr und DLRG aus Stade sowie der Ölwehrzug der Kreisfeuerwehr waren im Einsatz, sagte Stades stellvertretender Stadtbrandmeister Wilfried Sprekels. Mit Hilfe von Booten und einem Kran holten sie die am Wochenende ausgebrachten Einwegölsperren an Land und tauschten sie gegen neue aus. Die Ölbekämpfungseinheit des THW aus Cuxhaven setzte ein Spezialgerät ein, das die Betriebsstoffe aufnehmen soll. Das Umweltamt des Landkreises begleitete den Einsatz. Die Umweltexperten der Feuerwehr nahmen Gewässerproben zur weiteren Analyse. Die Schwinge ist gesperrt.

In den kommenden Tagen soll eine private Fachfirma etwaige austretende Kraftstoffe beseitigen. Wann und wie die Bergung erfolgen soll, bleibt unklar. Denkbar wäre, dass ein Schwimmkran den Havaristen auf einen Ponton hebt oder dass am Anleger ein Bergungskran positioniert wird. Der Schiffseigner hat der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung eine Risikobewertung für die Alternativen vorgelegt. Demnach „wird die Bergung voraussichtlich nicht vor dem nächsten Wochenende starten können“, teilt die Behörde mit.

Mithilfe eines Krans werden die Ölsperren aus dem Wasser gehoben.

Die Wasserschutzpolizei Hamburg versucht derweil, den Unfall zu rekonstruieren. Fest steht: Der durchgehende Schiffsverkehr hat Vorrang. Skipper müssen ihre Segelmanöver vorausschauend ausführen. Der 82-jährige Kapitän soll mehrere Funksprüche ignoriert haben. Die Polizei muss klären, ob der Mann „auf Funkansprachen reagierte“.

Der Lotsenschoner „No. 5“ ist Hamburgs letztes erhaltenes Seeschiff aus der Ära des Holzschiffbaus, es lief 1883 auf der Werft H.C. Stülcken auf Steinwerder vom Stapel. Auftraggeber war die Hamburgische Deputation für Handel und Schifffahrt, die eine solide Bauausführung verlangte. Über 30 Jahre lang hat der Gaffelschoner Lotsen in der Elbmündung und der Deutschen Bucht versetzt, eine verantwortungsvolle Aufgabe in einem der weltweit rauesten Seegebiete. Anschließend fand der ausgemusterte Schoner als Privatjacht Verwendung und absolvierte 13 Atlantiküberquerungen. 1937 umrundete er Kap Hoorn und erreichte wohlbehalten San Francisco.

2002 erwarb die Stiftung Hamburg Maritim das Schiff in Seattle und brachte es zurück nach Hamburg. Der Verein Freunde des Lotsenschoners No. 5 Elbe bot Tagesfahrten auf dem Schiff an. Der Gaffelschoner war erst vor kurzem in einer Werft in Dänemark für 1,7 Millionen Euro überholt worden. Die Stiftung hofft, die „Elbe No. 5“ nach der Bergung wieder herrichten lassen zu können.

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