Gefährliche Resistenzen: Wenn Antibiotika nicht wirken

HAMBURG. Antibiotikaresistenzen sind ein großes Problem. Dr. Heike Hilgarth, Stationsapothekerin in der Klinik für Intensivmedizin und Mitglied des Antibiotic-Stewardship-Teams des UKE, beantwortet anlässlich der Weltantibiotikawoche die wichtigsten Fragen zum Thema.


Wie entstehen Antibiotikaresistenzen?

Antibiotika werden verwendet, um bakterielle Infektionen zu bekämpfen. Doch Bakterien verfügen über die natürliche Fähigkeit, sich gegen Antibiotika zu schützen, also Resistenzen zu bilden. Diese entstehen durch Veränderungen im Erbgut der Bakterien oder indem Bakterien Resistenzgene aus der Umgebung aufnehmen. Die Erreger können mehrere dieser Gene aufnehmen und sich so gegen verschiedene Antibiotika schützen. Bakterienstämme, die eine Resistenz gegenüber dem Antibiotikum besitzen, überleben und können sich weiter vermehren und ausbreiten.

Warum sind resistente Bakterien auf dem Vormarsch?

Wenn Antibiotika zu oft, über einen zu langen Zeitraum oder unsachgemäß angewendet werden, begünstigt das die Entstehung und Verbreitung von resistenten Erregern. Außerdem wirken Antibiotika nicht nur gegen krankheitsverursachende Bakterien, sondern auch gegen die „guten“ Bakterien in unserem Körper. Resistente Stämme können hier im schlimmsten Fall auch Infektionen verursachen.

Wie lässt sich die Verbreitung eindämmen?

Indem Antibiotika nur eingesetzt werden, wenn sie wirklich erforderlich sind – also nicht bei Erkrankungen, die durch Viren verursacht werden. Auch wenn Bakterien nachgewiesen werden, zum Beispiel im Urin, aber keine Entzündung besteht, sind Antibiotika nicht sinnvoll. Die Erreger müssen zuverlässig nachgewiesen werden, damit ein Antibiotikum gezielt verabreicht und wirken kann. Mit wenigen Ausnahmen sollten Patienten Antibiotika so kurz wie möglich einnehmen.

Was kann jeder einzelne gegen Antibiotika-Resistenzen tun?

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Antibiotika erfordert immer einen umsichtigen Arzt – aber auch Patienten, die nicht auf eine antibiotische Behandlung drängen, wenn sie nicht notwendig ist. Die häufigste Ursache für eine Antibiotika-Verschreibung im ambulanten Bereich ist eine Atemwegsinfektion. Es ist bekannt, dass ein Großteil der Atemwegsinfektionen durch Viren hervorgerufen wird und daher keine antibiotische Behandlung erforderlich ist. Hier ist es wichtig, die Patienten aufzuklären, dass die Beschwerden in der Regel von alleine weggehen, dass dieser Heilungsprozess jedoch einige Tage andauern kann. Eine antibiotische Therapie beschleunigt die Heilung nicht, sondern kann im schlimmsten Fall sogar Nebenwirkungen hervorrufen.

Wer kümmert sich in Kliniken um den verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika?

Im UKE gibt es seit 2015 ein interdisziplinäres Antibiotic-Stewardship-Team bestehend aus Mikrobiologen, Apothekern und Infektiologen. Das Team hat mehrere Maßnahmen für eine rationale Verordnungspraxis und einen verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika etabliert, zum Beispiel über Freigaberegelungen für Reserve-Antibiotika, Fortbildungsmaßnahmen zum Erlangen des Antibiotika-Zertifikats sowie gesonderten Schulungen von Abteilungen mit einem besonders hohen Antibiotika-Verbrauch.

Unsere Expertin

Dr. Heike Hilgarth, Stationsapothekerin in der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und Mitglied des Antibiotic-Stewardship-Teams des UKE, www.uke.de

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