09.06.2019, 19:43
Großer Andrang beim havarierten Lotsenschoner bei Stadersand
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  Traditionssegler "No. 5 Elbe“ kollidiert mit Containerschiff
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STADE. Der in der Schwingemündung gesunkene Lotsenschoner „Elbe No. 5“ war am Pfingstsonntag ein Publikumsmagnet. Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und Feuerwehr waren erneut im Einsatz.

Den ganzen Nachmittag waren die Ehrenamtlichen der DLRG aus Stade und Horneburg damit beschäftigt, ihr Material wieder von Bord des hölzernen Segelschiffes zu holen. Dutzende Pumpen, Schläuche und Gurte hatten sie am Sonnabend eingesetzt, um das Schiff solange zu stabilisieren und vorm Sinken zu bewahren, solange sich noch Passagiere an Bord befanden. Schlussendlich war das Leck so groß, dass der starke Wassereinbruch dazu führte, dass das Schiff in der Schwingemündung auf Grund lief. Mit Stahlseilen haben die Einsatzkräfte es an der Kaimauer fixiert.

Viel Publikum findet sich ein, während DLRG und Feuerwehr vor Ort sind.

Hunderte Schaulustige kamen am Sonnabend zum Anleger in Stadersand, um sich das Wrack anzusehen. In Scharen versammelten sie sich hinter dem Flatterbrand an der Einsatzstelle. Mehrere Reisebusse machten an der Unglücksstelle Station. Die Passanten kamen aus der gesamten Bundesrepublik. Der Unfall hatte ein großes Medienecho hervorgerufen, Pressefotografen und Kamerateams von Fernsehsendern waren vor Ort. Das TAGEBLATT hatte am gestrigen Nachmittag zunächst exklusiv von der Havarie und dem Großeinsatz in Stadersand berichtet.

Derweil beginnen die Vorbereitungen der Bergung. Taucher des Hamburger Unternehmens Knoth waren damit beschäftigt, die Schäden am Rumpf des Lotsenschoners in Augenschein zu nehmen. Vertreter der Versicherung sahen sich das Wrack ebenfalls an. Am Sonntag soll ein Schwimmkran installiert werden, von dem aus Spezialisten das Deck abdecken können. Vertreter des Eigners hatten sich bereits am Sonnabendabend ein erstes Bild von dem Schaden gemacht. Der Lotsenschoner war gerade erst restauriert worden und ist auf einer der ersten Touren verunglückt.

Am Sonntagabend rückten Einsatzkräfte der Stader Feuerwehr und der Führungsdienst Umwelt der Kreisfeuerwehr zu dem Havaristen aus. Betriebsstoffe traten aus und drohten sich in der Schwingemündung auszubreiten. Bereits am Sonnabend hatten die Feuerwehrleute vorsorglich Ölsperren verlegt. Ihre Position musste nun noch einmal angepasst werden. Außerdem verlegten die Ehrenamtlichen von DLRG und Feuerwehr Geotextil-Fleece, das auslaufendes Öl aufnehmen soll. In den kommenden Tagen werden die Einsatzkräfte die Lage kontrollieren. Um die Einsatzstelle zu sichern, haben Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe Gitterzäune aufgestellt.

Die Einsatzkräfte der DLRG holen ihr Equipment von dem Havaristen.

Rückblick: Auf der Elbe vor Stadersand ist der Traditionssegler „Elbe No. 5“ am Sonnabendmittag mit dem Containerschiff „Astrosprinter“ kollidiert. Aus Ausflugsschiff mit 43 Menschen an Bord schlug Leck. Acht Verletzte mussten im Krankenhaus behandelt werden. Den Einsatzkräften von Feuerwehr und DLRG gelang es in letzter Minute, den voll Wasser laufenden Lotsenschoner zum Anleger zu schleppen. Das rund 140 Meter lange Feederschiff „Astrosprinter“ war auf dem Weg in Richtung Nordsee, als es gegen 14 Uhr zu der Kollision kam.

Kurz vor der Schwingemündung missglückte der Mannschaft des Hamburger Ausflugsschiffs „Elbe No. 5“ die Wende, es querte das Hauptfahrwasser direkt vor dem „Astrosprinter“. Bei der Kollision erlitt der Segler einen Mastbruch. Wasser drang ein. Wegen eines anderen Einsatzes befanden sich die Stader DLRG-Rettungsboote „Good Will“ und „Kiek ut“ sowie das Hilfeleistungslöschboot „Henry Köpcke“ der Feuerwehr Stade in unmittelbarer Nähe. Die Einsatzkräfte sahen die Kollision und eilten sofort herbei. Die DLRG-Boote zogen den manövrierunfähig im Hauptfahrwasser treibenden Havaristen zum Anleger in Stadersand.

Zwei Rettungsdienstmitarbeiter, als Feuerwehrleute an Bord der „Henry Köpcke“, übernahmen die Sichtung der Verletzten auf dem Segelschiff. Weil der Schoner rasch volllief, mussten Passagieren und Besatzung rasch von Bord gebracht werden. Dies geschah mit Kleinbooten der DLRG. Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle löste Großalarm aus. Beide Züge der Stader Feuerwehr, die Feuerwehr Grünendeich, die Werkfeuerwehr der Dow sowie die DLRG-Ortsgruppen aus Stade, Buxtehude, Horneburg/Altes Land und Wedel rückten mit Booten und Fahrzeugen aus. Elf Rettungswagen vom hauptamtlichen Rettungsdienst und der ehrenamtlichen Rettungsdienstbereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes, der Johanniter-Unfallhilfe und der Dow-Werkfeuerwehr eilten zum Anleger Stadersand.

Von den DLRG-Booten aus werden die Ölsperren und das Fleece verlegt.

Drei Notärzte aus den Landkreisen Stade und Rotenburg sowie die Besatzung des Rettungshubschraubers Christoph 29, stationiert beim Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg, unterstützten sie bei der Betreuung der Verletzten. Vier Organisatorische Leiter Rettungsdienst aus dem Team der Rettungsleitstelle und ein Leitender Notarzt vom Stader Elbe Klinikum koordinierten die Versorgung der Schiffspassagiere. Die Wasserschutzpolizeistation wurde kurzerhand zur Verletztensammelstelle umfunktioniert. Der Rettungshubschrauber überflog die Einsatzstelle, um etwaige über Bord gegangene Passagiere aufzuspüren. Schnell stellte sich heraus, dass niemand ins Wasser gefallen war.

43 Menschen waren an Bord der „Elbe No. 5“: 28 Gäste und 15 Besatzungsmitglieder. Acht Verletzte mussten ärztlich behandelt werden, darunter zwei schwerverletzte Erwachsene und zwei leichtverletzte Kinder. Ein Schwerverletzter flog im Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus in Altona, die beiden Kinder kamen in Rettungswagen ins Helios-Klinikum Mariahilf in Hamburg-Harburg. Für die übrigen fünf Verletzten ging es in Rettungswagen ins Stader Elbe Klinikum. Mit mehreren Pumpen versuchten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und DLRG, das Wasser aus dem Segelschiff zu bekommen. Mit den Seilwinden mehrerer Einsatzfahrzeuge hielten sie den Lotenschoner an der Wasseroberfläche.

Ermittler der Stader Polizeiinspektion sowie der Wasserschutzpolizei aus Stade und Hamburg begannen mit der Rekonstruktion der Ereignisse. Auf der Bundeswasserstraße Elbe hat die Berufsschifffahrt stets Vorrang. Der Kapitän der „Astrosprinter“ hatte keine Chance, der „Elbe No. 5“ auszuweichen, die plötzlich das Hauptfahrwasser kreuzte. Begleitet von der Wasserschutzpolizei, im Einsatz war die „Bürgermeister Brauer“ aus Hamburg, setzte das Feederschiff seine Reise in Richtung Deutsche Bucht/Brunsbüttel fort.

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