25.12.2019, 12:00
Jahresrückblick: Apensen ist wieder für eine Überraschung gut

Die Samtgemeindebürgermeisterwahl in Apensen versprach wenig Spannung. Schließlich ist nur die Kandidatin Manuela Mahnke „vom Fach“, ihre Kontrahentin Petra Beckmann-Frelock ein politisch unbeschriebenes Blatt. Doch dann kam alles anders ...

An so einem Wahlabend ist die Zeit für die Berichterstatter knapp. Keiner weiß, wie lange die Auszählung dauert, der Redaktionsschluss drückt, TAGEBLATT online möchte fortlaufend gefüttert werden. Aber: Es ist ja nicht meine erste Wahl. Und eine gute Vorbereitung ist sowieso immer das A und O.

Und so wird der Ablauf des Abends bereits im Vorfeld durchgeplant und schon einmal ein paar Zeilen vorgeschrieben. Einleitungen für beide Varianten: Sieg von Manuela Mahnke, Sieg von Petra Beckmann-Frelock. Zugegeben – die letztgenannte Variante fällt zunächst etwas knapper aus. Denn kaum jemand hatte vorab Zweifel daran geäußert, dass sich Manuela Mahnke als Verwaltungsexpertin und amtierende Bürgermeisterin von Nottuln gegen den Politneuling Petra Beckmann-Frelock durchsetzen würde.

Vor allem auch deshalb, weil sie zwar als Einzelkandidatin in den Ring gestiegen war, aber dann doch die Unterstützung von SPD, CDU, Grünen und FWG erhielt. Nach bisherigen Erfahrungen bei Kommunalwahlen sollte das reichen, zumal ihre Gegenkandidatin Petra Beckmann-Frelock im Wahlkampf lediglich von der UWA unterstützt wurde, in die die Apenser Lokalmatadorin zudem erst vor kurzem eingetreten war.

Fragwürdiges Flugblatt

Doch „bisherige Erfahrungen“ haben in der Samtgemeinde Apensen wenig Wert, was sich bereits vor der Wahl der ersten Samtgemeindebürgermeisterin für die Kommune abzeichnete. Denn obwohl offiziell Einzelkandidatin, haftet Mahnkes Kandidatur nach der von der Kommunalaufsicht als Verstoß gegen das Neutralitätsgebot abgestraften und abgeblasenen gemeinsamen Kandidatensuche aller Parteien im Samtgemeinderat (mit Ausnahme der AfD) trotzdem ein „Geschmäckle“ an: Viele Wähler sehen in der Sozialdemokratin offenbar nur die Kandidatin, die ihnen von ihren Volksvertretern zum Abnicken vorgesetzt wurde.

Besonders krass bringt diese Ansicht ein Flugblatt in die Öffentlichkeit, das am Vorabend der Wahl in Apensen kursiert und „zehn Fakten“ über Manuela Mahnke enthält, die teilweise tief unter die Gürtellinie gehen. Wer den Schmähzettel verbreitet hat, bleibt unklar. Mahnke hat so kurz vor dem Wahlgang jedenfalls keine Chance mehr, auf die anonyme Attacke zu reagieren.

Nach Schließung der Wahllokale und beim Eintreffen der ersten Wahlhelfer im Rathaus Junkernhof wird relativ schnell klar: Der Abend könnte eine faustdicke Überraschung bereithalten. Beckmann-Frelocks Sieg zeichnet sich unerwartet frühzeitig ab. Bereits das erste Ergebnis aus der Kita Beckdorf kann sie deutlich für sich entscheiden. Am Ende setzt sich die UWA-Frau mit 52,76 Prozent der Stimmen gegen ihre Mitbewerberin Manuela Mahnke durch, die nur 47,24 Prozent der Stimmen erhält.

Bilanz nach einem halben Jahr fällt positiv aus

Beckmann-Frelock ist darüber selbst am meisten überrascht: „Ich habe gerade eine Wette verloren. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich als Neueinsteigerin so ein Ergebnis holen würde“, sagt sie dem TAGEBLATT bei der Siegesfeier im Beckdorfer Geesthus. Zum Feiern ist den etablierten Kräften der Samtgemeinde nicht zumute. Die Mahnke-Unterstützer erleben an diesem Abend, dass die Wähler sie und ihre Politik für Apensen mit ihrer Stimme für die unerfahrene Petra Beckmann-Frelock abgestraft haben.

Jetzt ist Apensens erste First Lady seit gut einem halben Jahr im Amt, und bisher sind die politischen Akteure für Apenser Verhältnisse recht anständig mit der 37-Jährigen umgegangen – jedenfalls vor den Kulissen. Und Petra Beckmann-Frelock scheint in der neuen Funktion angekommen zu sein: „Ich möchte den Job nicht mehr missen“, sagte sie dem TAGEBLATT.

Mein Moment 2019

Die Wahl von Petra Beckmann-Frelock zur ersten Samtgemeindebürgermeisterin von Apensen hat auch TAGEBLATT-Autorin Sabine Lepél ziemlich überrascht. Alle Artikel zum Jahresrückblick gibt es unter: www.tageblatt.de/specials/jahresrueckblick

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