29.12.2019, 14:00
Jahresrückblick: Der große Moment des Harm Wiebusch

Ein großes Turnier, der Große Preis, ein schweres Springen. Auf den Zuschauerrängen ist es still. Ein Ruf: „Harm!“ Mit dem letzten Galoppsprung brandet Jubel auf. Harm Wiebusch siegt im Großen Preis beim Dobrock-Turnier – ein großer Moment.

In diesem winzigen Bruchteil einer Sekunde liegen große Geschichten. Ein bisschen David gegen Goliath, ein Quäntchen Versöhnung, der Lohn für einen, der sein Talent selbst erst spät entdeckt und vielleicht bis zu diesem Moment unterschätzt hat.

Harm Wiebusch, Springreiter und Pferdeprofi aus Fredenbeck, kennt das Dobrock-Turnier seit seinen Kindertagen, schließlich ist er familiär vorbelastet, sein Vater Hans-Jürgen Wiebusch selbst erfolgreicher Springreiter. Dass international unerreichbar hochdotierte Turniere den Klassikern im Reitsport wie dem Dobrock-Turnier bei der internationalen und nationalen Elite der Reitprofis den Rang abgelaufen haben, ändert nichts daran, dass das Flair des Dobrock-Turniers ein besonderes ist.

Goliath vor David

Schirmherr Paul Schockemöhle weiß das zu schätzen, in der Wingst lässt er seine Pferde gern an den Start gehen. Die Schockemöhle-Reiter kämpfen in vielen Spring-Wettbewerben auf Spitzenpferden um den Sieg mit. Ein Jahr zuvor hatte Philip Rüping im Sattel von Chanyon für den Schockemöhle-Stall die Nase im Großen Preis vorn. Goliath vor David. Harm Wiebusch freute sich über den zweiten Platz. Ein Flüchtigkeitsfehler hatte ihn auf Clouseau den Sieg gekostet. Ebenso wie Harm Wiebusch weiß auch das fachkundige Publikum am Dobrock, gute Leistungen fair einzuschätzen – dennoch blieb ein Hauch Enttäuschung, keiner, der Harm Wiebusch nicht den Sieg gegönnt hätte.

Deshalb ist das Wimpernschlag-Finale am Dobrock in diesem Sommer ein so besonderer Moment: David vor Goliath, eine kleine Versöhnung für alle, die schon ein Jahr zuvor mit dem Reiter aus der Nachbarschaft mitgefiebert hatten.

Das mag zum einen an der regionalen Verbundenheit liegen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Harm Wiebusch nicht zu denen zählt, die Lautsprecher in eigener Sache sind. Er ist zurückhaltend, macht nicht viele Worte um sich und seine Erfolge, ist ein Familienvater, der sein Jüngstes auf dem Schoß hält, bis es beim Pressegespräch nach dem Großen Preis in seinen Armen Ruhe für das Mittagsschläfchen findet.

Schwester galt als größeres Talent

Und er hält auch nicht damit hinter dem Berg, dass seine Schwester immer als das größere Talent in der Familie Wiebusch galt, dass der Weg zum Reitprofi und in den renommierten Ausbildungs- und Trainingsstall seines Vaters Hans-Jürgen Wiebusch in Fredenbeck-Wedel gar nicht so selbstverständlich war.

Harm Wiebusch selbst spricht bescheiden von „Fleiß“, durch den er den „ein oder anderen Erfolg“ habe feiern können. Er habe Glück gehabt in diesem Jahr, zwei ältere und erfahrene Pferde zur Verfügung gehabt. Die Landesmeisterschaft in Elmlohe und der Große Preis am Dobrock – zwei große Erfolge und Lohn für den Fleiß, aber auch Zeichen für das Talent des 33-Jährigen. Es ist eine dieser Geschichten, die vielleicht nur ein Traditionsturnier wie das Dobrock-Turnier schreiben kann. Dass ein Reiter so von den Zuschauern geschätzt wird, dass sein Können erkannt und er selbst so gemocht wird – dafür bedarf es noch nicht mal der „David gegen Goliath“-Geschichte. Aber die macht diese Augenblicke trotzdem ganz besonders.

Mein Moment 2019

Grit Klempow berichtet für das TAGEBLATT vom Dobrock-Turnier und bemerkte nach Wiebusch Siegesritt erstaunt, dass ihre Daumen schmerzten.

Alle Artikel zum Jahresrückblick gibt es unter: www.tageblatt.de/specials/jahresrueckblick

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