27.12.2019, 10:00
Jahresrückblick: Nachts schwebt sie ein

HARSEFELD. Um sie wurde tüchtig gestritten. Heute steht sie fertig da: Harsefelds Fußgänger- und Radfahrerbrücke. Längst fahren Züge unter ihr durch. Zum ersten Mal am 23. Mai um 4 Uhr morgens.

Kein „Golden Gate in Harsefeld“, „aus der Luft gegriffene Nutzerzahlen“, die Brücke bringe kaum Zeitersparnis – anfangs sind so einige aus der Politik und viele Bürger gegen den Bau über die Bahngleise. Auf Höhe des Harsefelder Bahnhofs befindet sich eine wahre Schlucht, entstanden durch den Bau der Schienenstränge. Zwei Straßen endeten hier am Abhang im Nichts, Böberstroot und Querweg. Immer wenn ich heute unter der Brücke hindurchfahre, muss ich an die Nacht denken, in der die Betonteile sprichwörtlich über unseren Köpfen einschwebten.

Sieben Stunden hat es gedauert, um die Brückenteile als Schwertransport von der Produktionsstätte in Meppen nach Harsefeld zu transportieren. Kaum noch einmal so viel Zeit, und die Brücke steht. In der Nacht vom 22. auf den 23. Mai wird sie aufgebaut, ein bisschen wie aus einem Baukastenset.

Das mit 35 Metern längste Brückenelement hebt der riesige Kran um 23.20 Uhr an. Bei acht Grad Celsius – es ist windstill und trocken – bietet sich uns Neugierigen am Straßenrand ein besonderes Schauspiel. Nach 20 Minuten liegt das erste Teil sicher auf den Pfeilern. Um 2.19 Uhr ist ein weiteres großes Brückenelement gelandet. Um 4 Uhr erfolgt die Freigabe der Bahnstrecke. Der erste Zug kann unter der Brücke hindurchfahren.

Noch einmal kommt die Erinnerung an die Zeit des Streits, der Präsentationen: Zwischenzeitlich hatte es sogar eine politische Mehrheit gegen den Brückenbau gegeben. Hauptgrund: die Sorge um die Kosten. Für 3,2 Millionen Euro sollte sie eigentlich entstehen. Dann wurden es 4,1 Millionen Euro. Aber es gibt auch 2,1 Millionen Euro an Fördergeldern. Passend zur 1050-Jahr-Feier Harsefelds wird das Bauwerk am 27. September eingeweiht. Es wird für mich ein besonderes Bauwerk bleiben, das hier über Nacht seinen Platz fand.

Mein Moment 2019

Schwebende Betonteile in der Nacht und am nächsten Tag eine fertige Brücke. Miriam Fehlbus war fasziniert von der Präzision und Schnelligkeit beim Bau.

Alle Artikel zum Jahresrückblick gibt es unter: www.tageblatt.de/specials/jahresrueckblick

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