24.12.2019, 12:00
Jahresrückblick: Störfall in Chemiefabrik sorgt für Aufregung

Ein Störfall in der Chemiefabrik Synthopol hat am 10. Juni in Buxtehude für Aufregung gesorgt: Ein Reaktionsbehälter mit Kunstharz überhitzte, der Inhalt trat durch den Schornstein aus und ging in der Umgebung als klebriger Regen nieder.

Rebecca Tautz war mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn auf dem Hof der nahen Autowerkstatt ihres Vaters, als sie ein lautes Zischen hörte. Die ganze Familie konnte beobachten, wie aus einem Rohr im Dach von Synthopol eine Fontäne schoss. Kurz darauf gingen Kunstharztropfen auf sie nieder. Sie verklebten ihre Haare ebenso wie die Scheiben der Fahrzeuge auf dem Hof und die des Hauses. Wie Rebecca Tautz und ihrer Familie ging es mehr als 20 Betroffenen: Niemand kam ernsthaft zu Schaden, aber viele nördlich der Fabrik abgestellte Fahrzeuge und Gebäude waren von dem klebrigen Regen betroffen.

Etwa 100 Einsatzkräfte von Zug I und II der Buxtehuder Feuerwehr, von THW, Umweltgruppe Süd und Umweltdienst des Landkreises waren unter der Leitung von Stadtbrandmeister Horst Meyer im Einsatz, räumten das Fabrikgebäude, fuhren die Anlagen herunter und führten Messungen durch. Während des Störfalls und in den Stunden danach erfüllte durchdringender Klebstoffgeruch die Luft in der Umgebung der Fabrik. Wie Dr. Henning Ziemer, Sprecher der Synthopol-Geschäftsführung, später erklärte, wird dieser Klebstoff für Lebensmittelverpackungen eingesetzt, es ist ungefährlich, damit in Berührung zu kommen. Das Lösemittel, das zu riechen war, sei mit Nagellacklösungsmittel vergleichbar und verdunste schnell.

Störfall durch menschliches Versagen verursacht

Ein Sachverständiger des Gewerbeaufsichtsamts Cuxhaven überprüfte die Anlage vor Ort. Die Ursache des Störfalls steht inzwischen fest, berichtete Ziemer im Juli bei einem Besuch in der Fabrik mit Lesern im Rahmen der Aktion TAGEBLATT öffnet Türen: menschliches Versagen. Ein Behälter wurde verwechselt, ein falscher Rohstoff löste Überhitzung aus. In Abstimmung mit der Gewerbeaufsicht wurden acht Maßnahmen erarbeitet, um die Überwachung der Prozessschritte zu optimieren. Inzwischen sind sie umgesetzt. Unter anderem mussten einige Anlagenteile auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden.

Synthopol setzt in Buxtehude auf Wachstum: 20 Millionen Euro hat die Firma in den Jahren 2013 bis 2017 in Technik, Gebäude und in Erweiterungsreserven investiert. In der 2014 gebauten Halle 16 ist Platz für zehn Anlagen, bisher ist erst eine eingebaut.

Alle Artikel zum Jahresrückblick gibt es unter: www.tageblatt.de/specials/jahresrueckblick

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