Mit Hilfe der Märchentherapie persönliche Krisen überwinden

BUXTEHUDE. Märchen sind ein uraltes Kulturgut. Seit Jahrhunderten unterhalten die fantastischen Erzählungen Erwachsene und Kinder. In der Märchentherapie können sie helfen, persönliche Konflikte zu lösen. Wie, das erklärt Anita Leschke, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Buxtehude.

Sie handeln von schönen Prinzessinnen und verzauberten Prinzen, von guten Feen und bösen Hexen, von sprechenden Tieren, Drachen, Riesen und Zwergen: Märchen gehören zu den ältesten Überlieferungen der Menschheit. Gespickt mit magischen und mythischen Aspekten, verbinden die Erzählungen frei erfundene Geschichten mit den Schwierigkeiten des wirklichen Lebens. Eine Kombination, die das Märchen bis heute populär macht – nicht nur zur Unterhaltung ihrer vielen Zuhörer, sondern auch in der Märchentherapie als Form der Psychotherapie.

„Das Märchen kann einem Menschen dabei helfen, sich selbst besser kennenzulernen und Probleme zu lösen“, sagt Anita Leschke, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Buxtehude. Mehrmals im Jahr bietet sie zweitägige Seminare an, in denen sich bis zu acht Teilnehmer anhand eines ausgewählten Märchens mit ihren persönlichen Konflikten und Potenzialen auseinandersetzen. Die Idee hinter dieser Form der Therapie: Das Märchen dient als eine Art Türöffner zum Seelenleben des Menschen.

Märchen schlagen eine Brücke zum Unterbewusstsein

Seit Sigmund Freud und seinem Schüler Carl Gustav Jung hat sich die moderne Psychologie mit Märchen und ihrer heilenden Wirkung beschäftigt. Jung hat erkannt, dass der Mensch im Märchen unabhängig von Ort, Zeit und kulturellem Hintergrund immer wieder die gleichen Bilder, Motive und Handlungsweisen thematisiert. Er geht davon aus, dass viele Inhalten eines Märchens Ausdruck des menschlichen Unterbewusstseins sind. Eine Erkenntnis, die sich die Märchentherapie auf umgekehrtem Wege zunutze macht.

Die Märchen werden als Zugang zur Seele verwendet. Dabei bilden die entstehenden Bilder eine Brücke zwischen dem Bewussten und Unbewussten. Was kompliziert klingt, stellt sich in der Praxis ganz einfach dar: „Oft zeigen sich beim Hören eines Märchens genau die Themen, die bei einem Menschen in dem Moment unbewusst von Bedeutung sind“, sagt Anita Leschke. „Statt die persönliche Geschichte komplett auseinander zu nehmen und wieder zusammen zu setzen, wird mit dem gearbeitet was sich im gegenwärtigen Moment zeigt.“

Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Handeln

In ihren Seminaren erlebt Leschke ganz unterschiedliche Reaktionen auf ein und dieselbe Geschichte. Je nach persönlicher Fragestellung gewichten die Teilnehmer den Inhalt eines Märchens. „Ob es um Trauer oder Partnerschaft geht, um Erziehungsfragen oder neue Lebensphasen: In den Märchen bekommen wir Impulse, wie wir in bestimmten Situationen handeln können“, sagt Anita Leschke. Die Märchenwelt hält in ihren Geschichten für alle Lebenssituationen eine Entsprechung parat.

„Das Märchen zeigt die Sonnenseiten des Lebens genauso auf wie die Schattenseiten. Auf diese Weise hilft es mir zu lernen, wie ich eine Krise überstehen kann“, erläutert Leschke. Denn eins haben die meisten Märchen gemeinsam: Am Ende siegt das Gute über das Böse, der Märchenheld überwindet seine Krise und findet eine Lösung, um sein persönliches Ziel zu erreichen.

Distanz erleichtert den Blick auf persönliche Konflikte

Wer sich für die Märchentherapie entscheidet, bewahrt sich eine Schutzzone: Er identifiziert sich mit einem Märchenhelden, der die gleichen Nöte und Sorgen hat wie er selbst. Die Märchenfigur dient quasi als Puffer zur eigenen Person. Überlegungen zu Ursache und Bewältigung eines Problems sind in der Diskussion über das Märchen mit einer gewissen Distanz und ohne Scheu möglich.

Ein Beispiel: Das Märchen „Frau Holle“ thematisiert die Frage nach dem richtigen Weg im Leben. Als die schöne und fleißige, aber verstoßene Stieftochter ihrer blutigen Spule hinterher in den Brunnen springt, erwacht sie auf einer Wiese. Sie holt gebackenes Brot aus dem Ofen, erntet Äpfel vom Baum und schüttelt Frau Holle das Bett. Am Ende wird sie mit Gold überhäuft. Darauf hofft auch die geliebte, aber hässliche und faule Tochter, als sie ebenfalls in den Brunnen springt. Auch sie landet auf Frau Holles Wiese, erledigt jedoch keine der Aufgaben und wird zum Schluss mit Pech überschüttet. „Das Märchen zeigt: Jeder muss im Leben seinen eigenen Weg finden. Versucht man die Wege anderer nachzugehen, verliert man seinen Wesenskern aus den Augen.“

Verschiedene Wege führen zum Ziel

Für die Märchentherapie als solche gibt es ebenfalls kein Patentrezept. Vom Einzelgespräch bis hin zu Gruppenseminaren, wie Anita Leschke sie anbietet, ist alles denkbar. Auch haben sich in der Psychotherapie seit Carl Gustav Jung und den Anfängen der Märchentherapie ganz unterschiedliche Herangehensweisen und Therapieformen etabliert. Leschke erarbeitet die Märchen in Anlehnung an Hildegard Wiedemann und ihre Initiatische Märchen- und Mythenarbeit. Wiedemanns Ziel ist es, den Menschen zu seinem innersten Wesenskern zu führen.

Mit Düften und Dekoration schafft Anita Leschke in ihren Seminaren den passenden Rahmen, regt die Teilnehmer mit Imaginationsübungen dazu an, in Bildern zu denken. Das Vorlesen von einzelnen Märchenpassagen gehört genauso zum Ablauf wie systemische Aufstellungen, intuitives Malen, der Einsatz von Gebärden und der Austausch unter den Teilnehmern. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie sagt: „Auch was die Therapie angeht, muss jeder den für sich passenden Weg finden. Wer sich dabei an mich wendet, den versuche ich auf diesem Weg bestmöglich zu begleiten.“

Kontakt zur Expertin aufnehmen:

Anita Leschke
Vaßmerstraße 26
21614 Buxtehude

Tel.: 0 41 61 / 64 95 66
Mail: info(at)anita-leschke.de
Web: www.anita-leschke.de

Foto: Dirk Uhlenbrock

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