19.07.2017, 17:04
Shisha rauchen – ein fragwürdiger Trend
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Goslar. Nachdem der Trend in den vergangenen Jahren ein wenig geruht hat, scheint er jetzt wieder aufzuflammen: Immer mehr Jugendliche vertreiben sich ihre Zeit in einer Shisha-Bar oder einem Shisha-Café. Auch auf Partys steht der Trend hoch im Kurs. Insgesamt gaben mehr als ein Viertel aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren laut Studien der Drogenbeauftragten der Bundesregierung an, schon einmal an einer Wasserpfeife gezogen zu haben.

Ganz ohne Risiko?

Bei der Shisha selbst handelt es sich um eine Wasserpfeife arabischen Ursprungs. In der morgenländischen Kultur ist das Anbieten einer Shisha ein Zeichen von Gastfreundschaft, das Rauchen wird dort mit Speisen und Getränken zelebriert. Dabei werden oft Kekse oder türkische Süßigkeiten angereicht, als Getränk wird oft Tee gewählt. Das Ganze geschieht in entspannter Atmosphäre, die Beteiligten sitzen auf dem Boden oder auf Kissen.

Viele Menschen und gerade Jugendliche vertreten die Meinung, dass es komplett ungefährlich und sogar gesünder als Zigaretten rauchen sei. Deswegen geht auch der allgemeine Trend unter den Jugendlichen vom Glimmstängel in Richtung Shisha. Es ist aber weiterhin ein heiß umstrittenes Thema. Ist das Rauchen einer Shisha nun harmlos oder nicht?

Lars Fischer von der Jugend- und Drogenberatung Goslar beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein: „Shishas sind nicht ungefährlicher als Zigaretten“, sagt er. Im Gegenteil: Eine Wasserpfeife enthalte die gleichen Giftstoffe wie eine reguläre Zigarette. Das Problem sei dabei auch, dass diese sehr schnell und tief aufgenommen werden.

Eine reguläre „Session“ dauert zwischen 60 und 90 Minuten, einer Faustregel zufolge entspricht das dem Konsum von rund 100 Zigaretten. Zudem wird dabei bis zu 200 Mal mehr Rauch inhaliert. Der süße Geschmack der Tabaksorten und die Tatsache, dass Shishas nicht wie Zigaretten im Hals kratzen, motivieren gerade dazu, den Rauch bis tief in die Lunge zu ziehen: Je intensiver am Schlauch gezogen wird, desto mehr Schadstoffe werden in die Lunge befördert.

Folgen des Konsums

Der spezielle Tabak, der für die Shisha unumgänglich ist, hat es in sich: Er ist bis zu zwanzigmal höher dosiert als in Zigaretten und enthält ebenso zehnmal mehr Nikotin und Teer.

Eine häufige Fehlannahme ist laut Lars Fischer auch die Behauptung, dass das Wasser die Giftstoffe verdünnen könne: „Im Gegensatz zu Zigaretten hat die Shisha keinen Filter. Es werden eher noch mehr Gifte durch sie aufgenommen“, erklärt er. Risikolos ist das Shisha-Rauchen aufgrund dieser Inhaltsstoffe definitiv nicht: Es kann verschiedenste Krankheiten auslösen, speziell Erkrankungen der Atemwege und der Lunge. Gerade auch das Rauchen in einer Gruppe ist riskant, da alle das gleiche Mundstück verwenden: „Hierbei können natürlich auch Infektionskrankheiten übertragen werden“, erklärt Fischer.

Oft wird vor Herpes- und Grippeviren gewarnt, im Extremfall kann man sich dabei sogar mit Tuberkulose anstecken. Der regelmäßige Konsum kann laut Gesundheits-Experten auf lange Sicht auch zu Herzerkrankungen oder verschiedenen Krebsarten führen, die durch die verschiedenen Teersorten herbeigeführt werden.

Lars Fischer sieht zudem das Risiko, auch von der Wasserpfeife abhängig werden zu können: „Nikotin hat ein vergleichbares Abhängigkeitspotential wie Heroin“, erklärt er. Es sprechen also genug Argumente gegen die Nutzung von Shishas. Dass es dennoch gerade viele Jugendliche machen, begründet er folgendermaßen: „Es geht dabei vor allem um das Dazugehören. Der Konsum einer solchen Substanz ist oft die Eintrittskarte zu einer Clique.“

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