Wohin mit dem Müll? Abfall richtig entsorgen

LANDKREIS. Immer wieder entsorgen Menschen im Landkreis Stade ihren Abfall an Orten, wo er nicht hingehört. Dabei sind es nicht nur Wildmüllsünder, die Probleme bereiten. Wie man Abfall richtig entsorgt – von A wie „Altreifen“ bis Z wie „Zahnbürste“.

Wäschekörbe, Müllsäcke, Elektroschrott, Farbe – achtlos in die Natur gekippt. Es war ein trauriges Bild, das sich den Mitarbeitern der Kommunalen Betriebe Stade (KBS) Anfang des Jahres bot. Unbekannte hatten im Januar rund zehn Tonnen Abfall an verschiedenen Orten in Stade illegal in der Landschaft abgeladen, der von Hand eingesammelt und entsorgt werden musste.

Auch darüber hinaus türmen sich in der Region allerorten immer wieder Müllberge, beispielsweise in einer Wohnsiedlung in Kutenholz (Januar 2020), an Containern in Oldendorf (Januar 2020), im Bollweg in Buxtehude, in der Bungenstraße in Stade (Mitte Mai), im Gewerbegebiet an der Reith in Hedendorf sowie an den Containern in der Bahnhofstraße in Neu Wulmstorf. Nutzer der TAGEBLATT-Facebook-Seite meldeten weitere Müll-Brennpunkte im Haddorfer Grenzweg in Stade-Hahle, in Beckdorf, Himmelpforten und Apensen. Häufig von der Vermüllung betroffen sind offenbar Sammelstellen für Altpapier- und -glas. Obwohl die Container leer seien, legten Menschen ihre – ungefalteten – Kartons davor ab, schreiben einige Facebook-Nutzer.

Farbe ergießt sich über den Feldweg; Wäschekörbe und Müllsäcke liegen auf der Grünfläche. Unbekannte haben rund zehn Tonnen Müll in der Landschaft in Stade entsorgt. Foto: Polizei

Illegale Müllentsorgung hat während der Corona-Krise zugenommen

Insgesamt 100 Tonnen Wildmüll hat der Landkreis Stade im vergangenen Jahr entsorgen müssen, wie Gabriele Mahr von der Abfallberatung des Landkreises Stade auf TAGEBLATT-Anfrage mitteilt. Kosten für die fachgerechte Entsorgung: rund 57.000 Euro. 2020 dürfte die Summe noch höher ausfallen. „In Corona-Zeiten haben die Wildmüllanzeigen deutlich zugenommen“, sagt Mahr. „Grund dafür sind die Corona bedingten Schließungen der Wertstoffhöfe und des Abfallwirtschaftszentrums in Buxtehude-Ardestorf. Außerdem konnte der Grünabfall auf den Kompostierplätzen anstatt Anfang April erst ab Mai angenommen werden. Die schon geplanten Wildmüllsammlungen durch die Vereine haben nicht stattgefunden.“ Vereine, Bürgerinitiativen, Feuerwehren, Jäger und andere ehrenamtliche Gruppen haben 2019 den Angaben des Landkreises zufolge 66 Gebiete im Kreis von Wildmüll befreit. Der Landkreis will verstärkt gegen Wildmüllsünder vorgehen. Das ist jedoch gar nicht so leicht.

„Wenn sich im Müll keine Hinweise finden, wird es schwierig, die Täter zu ermitteln“, sagt Rainer Bohmbach, Pressesprecher der Polizei Stade. Im Fall der großangelegten illegalen Müllentsorgung im Januar konnten die Beamten den oder die Täter bislang nicht ermitteln, wie Bohmbach bestätigt. Fakt ist: Wer Abfall unerlaubt in der Landschaft entsorgt und erwischt wird kann – abhängig von Art und Menge – laut Paragraf 69 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG), mit Geldbußen von bis zu 100.000 Euro bestraft werden. Wer beispielsweise seine Waschmaschine unsachgemäß entsorgt, zahlt bis zu 500 Euro Strafe; ein illegal in der Natur entsorgter Satz Altreifen kann mit bis zu 1000 Euro Bußgeld geahndet werden, für Hundekot auf Gehwegen oder Spielplätzen werden 50 bis 100 Euro fällig.

Feuchttücher verstopfen die Abwasserpumpen

Ein Feuchttücher-Zopf hat eine Pumpe des Abwasserzweckverbandes Altes Land und Geestrand verstopft. Foto: Vasel
Neben Wildmüllsündern bereiten auch Haushalte Probleme, die sich ihres Abfalls nicht ordnungsgemäß entledigen. Ein Problem, das fast alle Abwasserbetriebe in der Region beklagen, sind Feuchttücher, die im WC entsorgt werden. Anders als Toilettenpapier lösen sich die Fasern von feuchtem WC-Papier, Babyfeucht-, Reinigungs- und Kosmetiktüchern im Wasser nicht auf, selbst wenn auf der Produktverpackung etwas anderes steht. Die Folge: Die Tücher verschlingen sich ineinander, es bilden sich teilweise meterlange Verzopfungen, die die Abwasserpumpen lahmlegen.

Um die Funktionstüchtigkeit der Pumpen wiederherzustellen, müssen diese unter großem Aufwand mit technischem Gerät oder im Extremfall von Hand entfernt und gesondert entsorgt werden. Gernot Witte, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Altes Land und Geestrand berichtet, dass ein Großteil der geschätzt 120 Pumpen-Störungen pro Jahr durch Feuchttücher verursacht werden. Die Pumpen werden deshalb häufiger gewartet. Das kostet Geld – Geld, das auf die Gebührenzahler umgewälzt wird und dazu führen kann, dass die Abwassergebühren steigen.

Speisereste gehören nicht in die Toilette

„Auch in Stade bereitet die Entsorgung von Feuchttüchern betriebliche Probleme und führt insbesondere zu Verstopfungen von Pumpen, in deren Folge Störungen und damit Störungseinsätze auftreten“, teilt Myriam Kappelhoff, Pressesprecherin der Stadt Stade, auf Anfrage mit. Hamburg Wasser, der zuständige Abwasserentsorger für Buxtehude, bestätigt ebenfalls eine steigende Anzahl von Fällen verstopfter Pumpen.

Die Abwasserbetriebe richten daher den dringenden Appell an die Verbraucher, Feuchttücher nicht in der Toilette hinunterzuspülen, sondern im Hausmüll zu entsorgen. Dasselbe gilt für Binden, Tampons, Wattestäbchen – und: Speisereste. Im WC hinuntergespülte Essensreste ziehen Ratten in der Kanalisation an und begünstigen ihre Vermehrung.

Mülltrennung – was gehört wohin?

Altglas

Wo entsorgen? Im Altglascontainer, die an vielen verschiedenen Standorten aufgestellt sind.
Was darf hinein? Glasflaschen (z. B. Weinflaschen, Saftflaschen) und Verkaufsverpackungen aus Glas nach Farben getrennt. Ohne Deckel!
Was nicht? Fensterglas, Spiegelglas, Keramik, Behältnisse aus Ton, Porzellan, Behältnisse aus Steingut, Glühbirnen, Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren

Altpapier

Wo entsorgen? In der Altpapiertonne oder im Altpapiercontainer (Standorte unter www.rzs-stade.de).
Was darf hinein?
Papiere, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher
Was nicht? Kohle- und Thermopapiere (z. B. Kassenbons), Hygienepapiere wie Papierservietten, Papierhandtücher, Tapeten, Pappe in Verbindung mit Kunststoffen und Aluminium (z. B. Getränkekartons), Fotos und Fotopapier

Bioabfälle

Wo entsorgen? In der Biotonne.
Was darf hinein? Kompostierbare Küchen- und Gartenabfälle: Speisereste, Kaffeefilter, Fleisch- und Fischabfälle, Knochen, Brotwaren, Milchprodukte ohne Verpackung, Pflanzenreste, Grasschnitt, Eierschalen, Schnittblumen, Topfpflanzen
Was nicht? Tüten und Beutel aus Kunststoff, Keramik, Grassoden, Mutterboden, Sand, Textilien, Kleintierstreu

Elektroschrott

Wo entsorgen? Kann an den Sammelstellen (Übersicht unter abfall.landkreis-stade.de) kostenfrei abgegeben werden.
Was wird angenommen? Defekte Kühlschränke, Waschmaschinen, Mikrowellengeräte

Sammelstellen im Kreis Stade nehmen Elektroschrott kostenfrei entgegen. Foto: Heiko Wolfraum/dpa

Grünabfälle

Wo entsorgen? Kostenpflichtige Entsorgung auf öffentlichen Kompostierplätzen von April bis Ende November (z. B. in Horneburg, Harsefeld, Freiburg und Sauensiek) oder bei den mobilen Grüngutsammelstellen.
Was wird angenommen? Pflanzenreste, Laub, Rasenschnitt, Grün- und Gehölzabfälle
Was nicht? Speiseabfälle, Kleintierstreu

Medikamente

Es gibt in Deutschland keine einheitliche Regelung, wie abgelaufene Arzneimittel entsorgt werden müssen – nur die Voraussetzung, dass die Entsorgung nicht die Umwelt belasten darf.
Wo entsorgen? In der Hausmülltonne oder in Apotheken (Annahme freiwillig); Krebsmedikamente sind Sondermüll. Gebrauchte Spritzen und Kanülen müssen so verpackt sein, dass sie keine Verletzungsgefahr darstellen.
Wo nicht? Auf keinen Fall über das WC entsorgen, damit keine Wirkstoffe ins Abwasser gelangen.

Plastik- und Kunststoffverpackungen und Verpackungen aus Verbundstoffen

Wo entsorgen? Im Gelben Sack bzw. in der Gelben Tonne.
Was darf hinein? Konserven- und Getränkedosen ohne Pfand, Milch- und Getränkekartons, vollständig entleerte Spraydosen aus Aluminium, Aluminiumschalen, Flaschen und Tuben von Körperpflegemitteln aus Kunststoff, Styroporabfall
Was nicht? Windeln, Spritzen und Kanülen

Restabfall

Wo entsorgen? In der Hausmülltonne (Nachbarschaftstonne, Beistellsäcke).
Was darf hinein? Staubsaugerbeutel, (kalte) Asche, zerbrochenes Geschirr, defekte Elektrokleingeräte (z. B. Fön), ausgediente Gebrauchsgegenstände wie Zahnbürsten, Küchenschüsseln, Filzstifte, defektes Spielzeug, gebrauchte Hygieneartikel (z. B. Baby-Feuchttücher, feuchtes Toilettenpapier, Binden, Tampons), defekte Bekleidung und Textilien, Kleintierstreu – kurz: alles, was nicht verwertet werden kann.
Was nicht? Bauschutt

Sonderabfälle

Wo entsorgen? Annahme von Sonderabfällen bis 30 Liter beim Schadstoffmobil (Termine siehe abfall.landkreis-stade.de). Kostenpflichtige Entsorgung beim Abfallwirtschaftszentrum Stade-Süd und Buxtehude-Ardestorf.
Was darf entsorgt werden? Farben, Lacke, Säuren, Gifte, Reinigungs- und Putzmittelreste, Pflanzenschutzmittel, Leuchtstoffröhren, Batterien, Energiesparlampen

Lacke und Farben sind Sonderabfall. Foto: pixabay.de

Sperrmüll

Wo entsorgen? Anlieferung bei den Abfallwirtschaftszentren und Wertstoffhöfen. Außerdem: Sperrmüllabfuhr zweimal im Jahr bis zu sechs Kubikmeter oder einmal von sechs bis zwölf Kubikmetern.
Was darf entsorgt werden? Abfall, der zu groß für die Mülltonne ist.
Was nicht? WCs und Waschbecken, Bade- und Duschwannen, Dachrinnen, Bauschutt, Laminat, Fenster und Türen, Bretter, Zäune, Fenster, Altreifen

Speisereste

Wo entsorgen? In der Hausmülltonne.
Wo nicht? Im WC.

Weihnachtsbäume

Gesonderte Weihnachtsbaumabfuhr im Januar

Mehr Infos: abfall.landkreis-stade.de

Leserbrief
Kommentare


Kommentare
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Jochen Mextorf schrieb am 04.07.2020 18:45

Failed State. Wer kontrolliert?

Helmut Wiegers schrieb am 04.07.2020 18:04

Nur eine kleine Info zum Nachdenken: DSD, Duales System Deutschland - wer zahlt, wer kassiert und wer steuert? Welche Aufgabe hatte dieses System einmal?

Heiko Kania schrieb am 04.07.2020 17:17

Sie irren, „der Staat“ hat verbindliche Regeln aufgestellt, die von gewinnmaxierenden Privatunternehmen in dem Sinne ausgenutzt werden. Würde der in Form eines „ehrbaren Kaufmannes“ handeln, gäbe es so etwas nicht.

Jochen Mextorf schrieb am 04.07.2020 14:28

Alle Annahmestellen schließen, dann sich über Müll-Frevler aufregen - seltsam. Der Staat geht mit Beispiel voran: Gelbe Säcke exportieren nach Fernost, ins Meer ...

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