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07.03.2018, 04:21
Großalarm nach Gasaustritt in Hollenbeck
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HOLLENBECK. Weil Gas aus einer defekten Leitung in die Kanalisation entwich und an die Oberfläche strömte, mussten vier Häuser in der Ortschaft Hollenbeck (Flecken Harsefeld) in der Nacht zu Mittwoch vorübergehend evakuiert werden. 150 Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreisgebiet rückten aus.

Um kurz nach 21 Uhr ging der Alarm in der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle des Landkreises ein. Anwohner hatten an der Straße Unterdorf penetranten Gasgeruch wahrgenommen, der aus der Kanalisation kam. Wie sich später herausstellte, gab es offenbar ein Problem mit einem in der unter dem Bürgersteig verlaufenden Leitung verbauten Schieber, der sich nicht mehr zurückdrehen ließ. Die Folge: Das Gas konnte in die Kanalisation entweichen und sich von dort über Schächte und Gullys den Weg an die Erdoberfläche bahnen. Die Feuerwehren Hollenbeck, Kakerbeck, Ohrensen und Harsefeld rückten aus. Messungen in den Häusern und Kellerräumen brachten ein negatives Ergebnis. Die Feuerwehr dehnte die Messungen auf Abwasser- und Regenwasserkanal aus.

„Wir haben sehr hohe Gaskonzentrationen festgestellt“, sagte der Harsefelder Feuerwehrsprecher Günter Kachmann. Er sprach von einem „hochexplosiven Gemisch“. Die Straße Unterdorf musste gesperrt, vier Häuser mussten evakuiert werden. Es galt eine 50-Meter-Sperrzone rund um die am stärksten betroffenen Kanalschächte. Zehn Anwohner kamen zunächst im Dorfgemeinschaftshaus unter. Als sich der gefährdete Bereich wegen des immer weiter ausströmenden Gases vergrößerte und auch das Dorfgemeinschaftshaus erfasste, mussten sie für mehrere Stunden in die Räume des Autohauses Tietjen am Ortsrand ausweichen.

Schon ein Funken würde genügen

Die Feuerwehrführung entschied sich, Spezialeinheiten der Kreisfeuerwehr anzufordern. Beide Umweltgruppen, die Fachgruppe Messen & Spüren sowie der Fernmeldezug kamen zum Einsatz. Die Feuerwehr Stade sowie die Werkfeuerwehr des Chemiekonzerns Dow aus Bützflethersand brachten Spezialgerät. Die Feuerwehrleute machten sich bereit, im Notfall sofort einen Löschangriff mit Schaum beginnen zu können. Schon ein Funken würde genügen, um das Gas zu entzünden und eine Detonation herbeizuführen.

Mitarbeiter des Gasnetzbetreibers EWE legten den defekten Schieber frei. Zunächst arbeiteten sie wegen der Explosionsgefahr mit Spitzhacke und Schaufel, später durften sie einen Bagger einsetzen. Derweil belüfteten die Feuerwehrleute die Kanalisation. Teilweise mussten sie auch Fäkalien pumpen. Für die Feuerwehrleute war das vordringliche Ziel, eine weitere Ausbreitung des Gases im Kanalsystem zu verhindern. Dazu setzten sie Dichtkissen ein, womit sie die Abzweigungen verschlossen. Die starken eingesetzten Gebläse belüfteten das komplette System. Messungen nach eineinhalb Stunden ergaben nur noch eine sehr geringe Konzentration.

Gegen 1.45 Uhr konnte Kreisbrandmeister Peter Winter verkünden: „Wir haben die Lage unter Kontrolle.“ Kurzzeitig waren einige Haushalte ohne Gasanschluss, später wurde die Versorgung wieder über eine provisorische Leitung – eine Art Bypass – hergestellt. Die Explosionsgefahr war weitgehend gebannt, so dass die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren durften. Sie und die Einsatzkräfte blieben unverletzt. Die Sanitäter aus der Bargstedter Wache des Rettungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes, die zwischenzeitlich von Kräften der Buxtehuder Bereitschaft abgelöst worden waren, mussten nicht eingreifen. Nach einer von der Johanniter Unfallhilfe gebrachten Stärkung ging der Einsatz für die Ehrenamtlichen gegen 3 Uhr zu Ende. Mit knapp 30 Einsatzfahrzeugen und 150 Rettern erlebte das kleine Dorf Hollenbeck damit den wohl größten Feuerwehreinsatz in seiner Geschichte. Für fünf Stunden war die Ortsmitte komplett abgeriegelt.

„Das, was wir hier aufgefahren haben, war nötig“

„Das, was wir hier aufgefahren haben, war nötig“, resümierte Kreisbrandmeister Winter. Harsefelds Samtgemeindebürgermeister Rainer Schlichtmann, der sich vor Ort ein Bild der Lage verschafft hatte, dankte den Einsatzkräften: „Ich bin froh, dass die Anwohner wieder zurückkönnen. Unsere professionell agierenden Ehrenamtlichen haben einmal mehr bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen.“ Er lobte auch die Hilfsbereitschaft des Teams des Autohauses Tietjen, das als Notunterkunft diente. „Ich fand es beeindruckend, dass dies ohne große Worte ermöglicht wurde“, sagte der Verwaltungschef.

Wie es zu dem Defekt kommen konnte, war zunächst unklar. Die EWE-Mitarbeiter wollten dazu in der Nacht keine Angaben machen. Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren. „Vermutlich liegt es an einer Vorschädigung der Erdgasleitung durch Baumaßnahmen“, sagte der Sprecher von EWE Netz, Volker Diebels, gestern. Vor zwei Jahren ist der Gehweg an der Straße Unterdorf erneuert worden. Aktuell gehe von der beschädigten Stelle keine Gefahr aus. Die Messungen würden trotzdem in den nächsten Tagen fortgesetzt. Für die Polizei ist der Vorfall kein Thema, sagte Sprecher Rainer Bohmbach: „Es liegen keine Hinweise auf eine Straftat vor.“

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