08.02.2019, 17:15
23-Jähriger muss lebenslang ins Gefängnis

HAMBURG. Wegen tödlicher Schüsse vor einem Fitnessstudio hat das Landgericht Hamburg einen 23-Jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Angeklagte habe dem 26 Jahre alten Opfer am 13. Juli vergangenen Jahres auf einem Parkplatz im Stadtteil Steilshoop aufgelauert und es mit drei Schüssen aus einem Revolver getötet, sagte die Vorsitzende Richterin am Freitag. Bei der Tat handele es sich um einen Mord aus Heimtücke. Mit der Strafe entsprach das Schwurgericht der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Der Deutsch-Afghane hatte sich mit seinem Landsmann um 8000 Euro gestritten, wie er im Prozess erklärt hatte. Das Geld hatte der Angeklagte dem Bekannten ein Jahr zuvor geliehen, damit sich dieser ein Motorrad kaufen konnte. Das brauchte er, um in die Rockergruppe „Bruderschaft Hamburg“ aufgenommen zu werden. Der 26-Jährige zahlte das Geld aber nicht zurück. Der Streit eskalierte, als dem 23-Jährigen vorgeworfen wurde, er habe öffentlich über die Schulden des Bekannten gesprochen. Es gab eine Schlägerei zwischen beiden, am Auto des Angeklagten wurden die Reifen zerstochen.

Am Tattag seien die Männer im Fitnessstudio aufeinandergetroffen. Der 26-Jährige sei in Begleitung eines anderen Mitglieds des Rockerclubs gewesen. In einem 30-minütigen Gespräch habe der Angeklagte auf ein Angebot zu einem Treffen eingehen müssen. Er habe sich gedemütigt gefühlt. Wutentbrannt sei er losgefahren, um seine Waffe zu holen und den Kontrahenten zu erschießen. Noch am Nachmittag versteckte er sich auf dem Parkplatz und schoss aus drei Meter Entfernung auf das Opfer, wie die Richterin ausführte. Der 26-Jährige habe zu seinem Begleiter nur noch sagen können: „Bruder, er hat mir in den Kopf geschossen.“ Dann sei er zusammengebrochen und noch am Tatort gestorben.

Es sei dem Angeklagten nicht mehr auf die Rückzahlung des Geldes angekommen, sondern vor allem auf die Wiederherstellung seiner Ehre. „Der Angeklagte wollte nicht als Schwächling dastehen“, sagte die Richterin. Es sei um Stärke und Männlichkeit gegangen. Sie bezeichnete die Tat als „völlig überflüssig“. Anzeige bei der Polizei zu erstatten, gelte in der Szene des Angeklagten als ehrenrührig.

Die Richterin richtete auch scharfe Worte an die gut 30 fast ausschließlich männlichen Zuschauer. Diese hätten bei früheren Verhandlungsterminen mit dem Schlagen an die Trennscheibe im Gerichtssaal und Gebrüll ihre „Zivilisationsdefizite“ gezeigt.

Einige der Männer mit kurz geschorenen Haaren und Bärten trugen T-Shirts, auf denen das Opfer als „Märtyrer“ bezeichnet wurde. Den Urteilsspruch begrüßte das Publikum mit kurzem, kräftigem Applaus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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