24.03.2020, 18:56
Kriminelle nutzen Corona-Krise für Enkeltrick

HAMBURG. In Hamburg nutzen Kriminelle die Corona-Pandemie für eine neue Masche. Nach dem Muster des Enkeltricks meldeten sie sich telefonisch bei Senioren als angebliche Verwandte, die wegen einer Corona-Erkrankung Geld benötigen.


„Wir raten Älteren sehr, sehr vorsichtig zu sein“, sagte Innensenator Andy Grote (SPD) gestern. Er sprach von „Corona-Kriminalität“. Rund eine Handvoll Betrugsversuche sind bislang registriert, Festnahmen gab es nicht. Nach Angaben Grotes haben sich Kriminelle in den vergangenen Tagen als falsche Einkaufshelfer, falsche Polizisten und falsche Mitarbeiter der Gesundheitsämter ausgeben, um Zutritt zu Wohnungen zu erhalten. Andere Täter bieten als IT-Experten Hilfe im Homeoffice an oder versuchen, mit Phishing-Mails zum Thema Corona an persönliche Daten zu gelangen. Der Innensenator: „Die Straftäter sind sehr agil und haben sich schnell angepasst.“

Die staatlichen Auflagen zur Eindämmung der Infektion stellen die Ordnungshüter noch vor andere Herausforderungen. So nahmen Beamte seit Inkrafttreten der Ladenöffnungsverbote am Dienstag voriger Woche hamburgweit 650 mögliche Verstöße auf, bilanzierte Vehren. In wie vielen Fällen Straftaten vorliegen, werde geprüft. Laut Justizsenator Steffen (Grüne) leitete die Polizei wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz mehr als 50 Strafverfahren ein.

Keine Corona-Partys

Die allermeisten Menschen zeigten sich aber rücksichtsvoll und bei entdeckten Übertretungen auch einsichtig. Verabredete Corona-Partys wurden nicht festgestellt. In einem Fall aber stießen die Beamten laut Vehren auf den dreisten Versuch, die Einschränkungen zu umgehen. Ein Elektromarkt hatte trotz Verbots geöffnet. Als Polizisten das Geschäft überprüften, empfing sie einer der Verantwortlichen: „Ich habe schon auf sie gewartet. Ich wollte noch das Vormittagsgeschäft mitnehmen.“ Den Mann erwartet eine Strafanzeige.

Hamburgs Polizei registriert zwar ein erhöhtes Aufkommen an Bürgeranrufen und -anzeigen im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Corona-Regeln. Eine befürchtete Zunahme von häuslicher Gewalt oder von Ruhestörungen sei bislang aber nicht feststellbar. Zugleich geht die Alltagskriminalität in der Stadt spürbar zurück, vor allem Taschendiebstähle, Wohnungseinbrüche und Raubtaten – wohl auch, weil Straftaten auf den weitgehend leeren Straßen stärker auffallen würden. Die Polizei fährt häufiger Streife als üblich.

Bemerkenswert auch: Zwar ist der Autoverkehr deutlich zurückgegangen und die Zahl der Unfälle gesunken, zugleich ergibt sich daraus eine neue Gefahr. Der Polizeisprecher: „Einige Fahrer fahren jetzt schneller, weil sie denken, die Straßen sind ja leer.“

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