15.06.2019, 00:00
No. 5 Elbe: Bergung dauert mehrere Tage – Fachfirma übernimmt Ölbekämpfung

STADE. Die Bergung des in der Schwingemündung bei Stade liegenden Lotsenschoners No. 5 Elbe wird sich bis Anfang kommender Woche hinziehen. „Wir werden die Arbeiten kritisch beobachten“, sagt der stellvertretende Stadtbrandmeister Wilfried Sprekels.

Der auf der Seite im Schlick liegende Holzrumpf soll mit Hilfe von Hebesäcken und starken Pumpen aufgerichtet und zum Schwimmen gebracht werden. Der Auftrag ging an ein spanisches Bergungsunternehmen, das sich auf komplizierte Bergungen mithilfe von aufblasbaren Hebesäcken spezialisiert hat. Am späten Freitagabend haben die Arbeiter der Firma ihr Equipment in mehreren Kleinbussen nach Stadersand gebracht. In den kommenden Tagen wird wieder mit einem großen Ansturm von Schaulustigen und Journalisten in Stadersand gerechnet. Teile der Stader Elbstraße und des Parkplatzes am Anleger sind wegen der Bergungsarbeiten gesperrt.

Am heutigen Sonnabend soll es vor allem um die Sondierung des Rumpfes und des Untergrundes gehen. Am morgigen Sonntag soll mit der Anbringung der Hebesäcke unter dem Rumpf begonnen werden. Dies ist nur mit Tauchereinsatz möglich – und der wiederum immer nur bei Hoch- oder Niedrigwasser, weil die Gezeitenströmung in der Schwingemündung bis zu vier Knoten stark läuft, heißt es vonseiten der Stiftung Hamburg Maritim als Eigner des Lotsenschoners No. 5 Elbe. „Wir begrüßen die Bergung mit Hebesäcken, da sie mit einer größtmöglichen Schonung des historischen Holzrumpfes verbunden ist“, sagt Stiftungsvorstand Joachim Kaiser.

„Die Entwicklung am Bergungsort in Stadersand macht es wenig wahrscheinlich, dass sich am Wochenende dort spektakuläre Szenen abspielen werden“, sagt Kaiser. „Mit dem eigentlichen Aufrichten, Abdichten und Leerpumpen des Rumpfes ist eher Montag bis Dienstag zu rechnen.“ Der Rumpf des 30 Meter langen Schiffes scheint trotz der Kollision mit dem 140 Meter langen und 15 Knoten schnellen Containerfeederschiffes aus Stahl noch weitgehend intakt zu sein. Bisher ist bekannt, dass Planken aufgebrochen sind. Das konkrete Ausmaß der Schäden lässt sich jedoch erst nach der Bergung begutachten. „Wir wollen den Segler wieder fit machen“, kündigt Stiftungsvorstand Kaiser an.

„Wir werden die Bergungsarbeiten kritisch beobachten“, sagt der stellvertretende Stader Stadtbrandmeister Wilfried Sprekels. Die Stader Feuerwehr und der Ölwehrzug der Kreisfeuerwehr waren in den vergangenen Tagen immer wieder zusammen mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft aus Stade sowie dem Technischen Hilfswerk aus Cuxhaven im Einsatz, um die Ausbreitung auslaufender Betriebsstoffe einzudämmen. Die Experten des Technischen Hilfswerks hatten den Tank leergepumpt. Doch in den Motoren und Leitungen befinden sich noch größere Mengen Öl, die in den Stadthafen und die Elbe zu fließen drohen. „Inzwischen ist eine Fachfirma vor Ort, die rund um die Uhr die Ölbekämpfung durchführt“, sagt Sprekels.

Am späten Freitagabend haben die Mitarbeiter des Unternehmens noch einmal neue Ölsperren installiert. Dazu steht ihnen auch ein Boot zur Verfügung. „Sie sind ständig im Einsatz. Sobald etwas festgestellt wird, werden sie sofort tätig“, betont Sprekels. Feuerwehr und Wasserschutzpolizei hätten ein wachsames Auge auf die Bergungsarbeiten. Vertreter vom Landkreis-Umweltamt, von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sind ebenfalls regelmäßig vor Ort. Dass sich hier und da ein Schmierfilm auf der Schwinge zeige oder es nach Diesel oder Öl rieche, sei zurzeit kaum zu verhindern. Die beauftragte Firma kümmere sich jedoch darum, dass die Betriebsstoffe aufgenommen werden. Die Behörden stünden stets in Kontakt mit den Ausführungen in Stadersand.

Freizeitkapitäne müssen sich in den kommenden Tagen auf Behinderungen einstellen. Wegen der Vorbereitungen der Bergung und der Bergungsarbeiten selbst wird die Schwinge mehrfach für den Schiffsverkehr gesperrt. Selbst ein Stader Wahrzeichen musste sich kurzerhand einen neuen Haltepunkt suchen. Das Museumsschiff Greundiek liegt derzeit am Anleger in Stadersand.

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