13.09.2017, 18:49
Orkantief wütet in Norddeutschland
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HAMBURG/KIEL. Als erster großer Herbststurm des Jahres hat Orkantief „Sebastian“ mit großer Kraft über Norddeutschland gewütet. Züge und Fähren fielen am Mittwoch aus, und auch der Verkehr auf den Autobahnen wurde durcheinandergewirbelt.

In Hamburg wurde ein Mann von einem Baugerüst erschlagen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Orkanböen, die in einzelnen Fällen Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern erreichen könnten.

In Hamburg und an der nordfriesischen Küste erwartete das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) für den Abend eine Sturmflut mit Wasserständen zwischen 1,50 und 2 Metern. „Dies führt zu leichten Überschwemmungen auf dem Hamburger Fischmarkt“, teilte das BSH am frühen Abend mit.

Umgestürzte Bäume, geschlossene Kitas, abgesagte Sportveranstaltungen: Einige fühlten sich an Orkan „Christian“ erinnert, der 2013 über Norddeutschland und Nordeuropa gewütet hatte. Damals starben mehrere Menschen, die Sachschäden allein in Schleswig-Holstein gingen in die Millionenhöhe.

Ein Baum liegt auf einer Straße, dies bedeutet Arbeit für die Feuerwehr. Foto: Nolte/dpa

Die Feuerwehr rückte in Schleswig-Holstein zeitweise im Minutentakt aus. Im Kreis Pinneberg zählten die Rettungskräfte am Nachmittag fast 40 Unwettereinsätze. Unter anderem mussten auf der A 23 umgestürzte Bäume von der Fahrbahn geräumt werden. An einer vor einem Monat abgebrannten Tennishalle in Schenefeld drohten sich Teile zu lösen. In Kiel musste das Dach eines Mehrfamilienhauses gesichert werden.

Die Stadt Flensburg empfahl, am Nachmittag und frühen Abend lieber zu Hause zu bleiben. Die städtischen Kindergärten wurden geschlossen, den Schulen wurde dies empfohlen. In Nordfriesland beendeten einige Schulen früher den Unterricht. Auch Sportveranstaltungen wie die Leichtathletik-Kreismeisterschaften der U12 im Flensburger Stadion wurden abgesagt.

In der Hamburger Innenstadt begrub ein umgestürztes Baugerüst einen Passanten unter sich. Der Mann erlitt tödliche Verletzungen. Nach Angaben der Feuerwehr hatte sich das Gerüst vermutlich in Folge starker Windböen vom Dach des siebengeschossigen Bürogebäudes gelöst.

Rollstuhlfahrer ertrinkt in Blankenese

Am Elbanleger Blankenese stürzte ein Rollstuhlfahrer in die Elbe. Taucher hätten den Mann tot aus dem Fluss geborgen, teilte die Feuerwehr mit. „Ein Suizid ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen“, sagte ein Polizeisprecher.

In Wyk auf Föhr wurde eine 70 Jahre alte Fußgängerin von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt. Glück im Unglück hatte ein Mitarbeiter der Nikolaikirche in Kiel. Ein Ziegel fiel nach Angaben der Gemeinde vom Dach der Kirche auf sein Auto und zerschlug das Glasdach. Der Mitarbeiter hatte den Wagen kurz zuvor verlassen.

Selbst die sturmerprobten Hallig-Bewohner ließ „Sebastian“ nicht ganz kalt. Das laue Lüftchen habe sich gewandelt zu einem richtig kräftigen Sturm, sagte Erco Lars Jacobsen von der Hallig Hooge. Es sei unangenehm, dass der Sturm dieses Jahr sehr früh da ist.

Der Sturm wirbelte auch die Fahrpläne der Fähren durcheinander. Die Schiffe zwischen dem Festland und den Inseln und Halligen im Wattenmeer fuhren zum Teil nicht, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei mitteilte. Auch die Hochseeinsel Helgoland war per Schiff nicht erreichbar. Die Fähren von Büsum, Cuxhaven und Bremerhaven fuhren wegen des Wetters nicht, teilte die Reederei Cassen Eils mit. Auch der Hochgeschwindigkeits-Katamaran „Halunder Jet“ stellte die Verbindung von Hamburg nach Helgoland ein.

Spaziergänger stemmen sich am am Strand von St. Peter-Ording (Schleswig-Holstein) gegen den ersten Herbststurm des Jahres. Foto: Wolfgang Runge/dpa

Auch zahlreiche Bahnverbindungen fielen aus, unter anderem waren die Regionalbahnen zwischen Hamburg und Flensburg, Kiel und Flensburg sowie Lübeck und Puttgarden nach Angaben der Bahn betroffen. Auch viele Verbindungen des Anbieters Metronom wurden gestrichen. Zudem fielen Fernverkehrsstrecken nördlich von Hamburg etwa nach Westerland aus. Vielerorts lagen laut Bahn Gegenstände im Gleis. Auch in Hamburg sorgte „Sebastian“ zeitweilig für Einschränkungen im U- und S-Bahnverkehr. Und der Sylt Shuttle der Bahn und der Konkurrent von der RDC stellten ihre Fahrten nach Sylt am Nachmittag ein.

Die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal wurde nach einem Lkw-Unfall komplett gesperrt – und damit die A 7 in beide Richtungen. „Da zudem die Gefahr bestand, dass der Anhänger wegen des Sturmes über die Brücke geweht werden könnte, wurde zusätzlich der Schiffsverkehr im Nord-Ostsee-Kanal gesperrt“, hieß es in einer Polizeimitteilung.

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