Donnerstag, 24.01.2019 , 15:00 Uhr

Polizei fasst die flüchtigen Buxtehuder Darknet-Dealer

Ecstasy. Foto Boris Roessler/dpa

STADE. Der Darknet-Prozess vor dem Stader Landgericht sorgte im letzten Sommer für Schlagzeilen. Der Buxtehuder, der einen schwunghaften Drogenhandel über das Darknet aufgezogen hatte, wurde im August zu sechs Jahren Haft verurteilt. Nun wurden auch seine Komplizen gefasst.

Der Angeklagte und seine Mittäter haben laut Urteil zwischen April und November 2017 von Buxtehude aus 1900 Drogenpäckchen gepackt und verschickt und so über 200.000 Euro erwirtschaftet. Dabei nutzte die Bande, ebenso wie der Kunde, das sogenannte Darknet, also den Teil des Internets, der weitgehende Anonymität verspricht, weil jegliche Kommunikation verschlüsselt und verschleiert unterwegs ist.

Dazu war ein Shop im Darknet eingerichtet worden. Der funktioniert so wie der Versandhandel im üblich zugänglichen Internet. Nur, dass es sehr viel schwieriger ist, erst einmal den Shop zu finden. Dazu ist eine genaue und meist komplizierte Adresse nötig. Die Drogen allerdings sind dann ganz offen auf dem Postweg unterwegs. Die bringt der Postbote. Und der Drogenempfänger schreibt dann eine Bewertung zur Lieferung und vergibt Sternchen.

An der für die Taten geringen Strafe – laut Gesetzgeber sind zwischen fünf und 15 Jahren möglich – trug auch der Angeklagte sein Scherflein bei. Er zeigte sich beim Prozess geständig und setzte sich zwischen den Verhandlungstagen mehrmals mit Polizeibeamten zur Vernehmung zusammen. Dabei machte er auch Angaben zu den verschiedenen Rollen, die die drei Täter spielten.

Prozessbeobachter gewannen den Eindruck, dass hier der kleinste Fisch der Bande erwischt und vor Gericht gestellt worden war. Tatsächlich hatten sich alle drei Täter Ende 2017 nach Asien in den Urlaub abgesetzt, in dem Wissen, dass die Gruppe aufgeflogen sein könnte. Während die anderen Täter nicht zurückkamen, kehrte der nun Angeklagte aus dem Urlaub zurück.

Bereits im Dezember stellte sich ein erster Fahndungserfolg ein. Die Ermittler machten einen Komplizen in Bangkok aus. Über die Botschaft wurde dem Mann der Pass entzogen, so dass die thailändischen Behörden ihn festnahmen – weil er ja keinen Pass hatte – und ihn an Beamte des Landeskriminalamts übergaben, die zum Abholen kamen.

Die Berichterstattung über diesen Coup schreckte den anderen Mittäter auf, der aus den USA signalisierte, sich stellen zu wollen. Die Staatsanwaltschaft nahm das Angebot an. Vor einer Woche landete der Mann in Deutschland und wurde festgenommen. Beide werden nun gemeinsam angeklagt, berichtet der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Kai-Thomas Breas. Er rechnet damit, dass der Prozess am Landgericht in diesem Frühjahr beginnt.

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