Pflegegrad beantragen: So geht‘s

LANDKREIS. Pflege kostet Zeit – und Geld. Wenn Mutter oder Vater, beispielsweise nach einem Schlaganfall, plötzlich pflegebedürftig wird, stellen sich Angehörige viele Fragen. Wer kümmert sich? Gibt es Geld aus der Pflegeversicherung? Hier die wichtigsten Antworten.


Von Julia Balzer

In diesem Artikel:

Seit dem 1. Januar 2017 sind aus den bekannten drei Pflegestufen fünf Pflegegrade geworden. Der Vorteil: Bereits bei einer geringen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit kann der Betroffene Geld aus der Pflegeversicherung erhalten.

Wer bis zum 31. Dezember 2016 eine anerkannte Pflegestufe hatte, wurde automatisch neu eingestuft in einen der fünf Pflegegrade. „Die pflegebedürftigen Menschen wurden durch diese neue Einstufung nicht schlechter gestellt als vorher und erhalten weiterhin Leistungen im mindestens gleichen Umfang wie bisher“, heißt es auf dem Hamburger Beratungsportal pflege.de.

Wo und wie beantrage ich den Pflegegrad?

Zunächst muss bei der Pflegekasse ein Antrag auf Pflegebedürftigkeit gestellt werden. Diese ist der gesetzlichen Krankenkasse angeschlossen, sodass die Antragsstellung dort erfolgt. Viele Krankenkassen – wie die Barmer und AOK – bieten auf ihrer Internetseite den Antrag zum Download an.  Das Ausfüllen ist mitunter kompliziert. Die Pflegekasse und Pflegeberatungsstellen helfen dabei. 

Wie wird der Pflegegrad ermittelt?

Anschließend kommt ein Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) ins Haus und stellt in einem Vor-Ort Termin die Pflegebedürftigkeit fest. Dabei werden die allgemeine Mobilität, die kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen beurteilt. Außerdem wird geprüft, inwieweit sich der Antragssteller noch selbst versorgen kann und wie er sein Alltagsleben bewältigt. Wichtig zu wissen: Dem Betroffenen stehen nicht erst Leistungen zu, wenn er körperlich vollständig beeinträchtigt ist. Daher sollte der Antrag unbedingt frühzeitig gestellt werden. Der Pflegegrad wird dann nach Umfang der Bedürftigkeit ermittelt.

Welche Leistungen sind zu erwarten?

Menschen mit Pflegegrad 1 stehen 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu, die sie auch für ihre Grundpflege durch einen ambulanten Pflegedienst nutzen können. Betreuungs- und Entlastungsleistungen werden für Angebote zur Unterstützung im Alltag geleistet. Sie sollen dem Pflegebedürftigen helfen, seinen Alltag selbstständig zu gestalten und Pflegepersonen entlasten.

Bedürftige ab Pflegegrad 2 haben zusätzlich zu den Betreuungs- und Entlastungsleistungen Anspruch auf Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige oder Ehrenamtliche. Außerdem werden sogenannte Pflegesachleistungen gezahlt, die durch einen ambulanten Pflegedienst erbracht werden. Das Pflegegeld und die Pflegesachleistungen steigen mit dem Pflegegrad. Wer außerdem seine Sachleistungen für die ambulante Pflege nicht voll ausschöpft, kann bis zu 40 Prozent davon für weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen einsetzen.

Ein Beispiel:

Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 2 hat eigentlich Anspruch auf monatliche Pflegesachleistungen von 689 Euro. Da er aber 40 Prozent dieser Summe nicht zur Bezahlung seines Pflegedienstes braucht, kann er 275,60 Euro für seine Betreuung und die Entlastung seiner Angehörigen verwenden.

Pflegegrade und Leistungen im Überblick

Infografik: Bundesgesundheitsministerium

Zusätzliche Leistungen können in vielen weiteren Bereichen beantragt werden, zum Beispiel für die Tages- und Nachtpflege, altersgerechten Wohnungsumbau und Pflegekurse für Angehörige. Weitere Informationen zu den Leistungen, zum Prozedere der Einstufung und zu den Pflegegraden erhalten Interessierte bei ihrer Kranken- beziehungsweise Pflegekasse.

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