Mit nachhaltiger Sport- und Outdoorbekleidung die Umwelt schonen

STADE. Wasserdicht, atmungsaktiv, belastbar: Sportbekleidung und -equipment sollen vor allem funktional sein. Sie nachhaltig zu produzieren ist eine Herausforderung, der sich immer mehr Unternehmen stellen. Bianca und Thomas Rolff von Intersport Rolff geben Tipps, worauf Verbraucher achten müssen.


Der Wanderschuh soll stabil und möglichst leicht sein, das Jogging-Shirt besonders schnell trocknen, die Yogahose bequem sitzen und schick aussehen. Sportler stellen hohe Anforderungen an Kleidung und Equipment. Dass der Fokus dabei nur selten auf Nachhaltigkeit liegt, erleben Bianca und Thomas Rolff jeden Tag. „Man muss die Kunden darauf stoßen. Von selbst sprechen sie das Thema kaum an.“ Die Inhaber des Sportgeschäfts Intersport Rolff in Stade wollen die Verbraucher sensibilisieren. „Nur wenn der Kunde nachhaltige Produkte einfordert, wird bei den Herstellern auch ein Umdenken stattfinden.“

Hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit steht das Wissen, dass die natürlichen Ressourcen der Erde begrenzt sind. Eine nachhaltige Produktion zielt nicht nur darauf ab, wirtschaftlich zu sein. Sie stellt Umweltschutz und soziale Verantwortung in den Vordergrund. Umweltfreundliche Materialien, kurze Transportwege, wenig CO2-Ausstoß und das Recyceln alter Produkte sind genauso Teil einer nachhaltigen Produktion wie faire Arbeitsbedingungen und Löhne.

Funktionalität kann auch nachhaltig sein

Die Crux: Für die Funktionalität von Sportbekleidung sorgen in der Regel chemisch hergestellte Kunstfasern wie Polyester, die zu einem Großteil aus Erdöl gewonnen werden. Nicht nur ihre energieaufwendige Produktion belastet die Umwelt. Mit jedem Waschgang eines Kleidungsstücks aus Kunststoff gelangen winzige Plastik-Partikel ins Wasser. Problematisch ist auch die Entsorgung: Bis Altkleider aus Kunstfasern verrotten, kann es mehrere hundert Jahre dauern. Wer nachhaltig produzieren will, muss nach Alternativen suchen.

Eine Möglichkeit: natürliches Material wie die Wolle des Merino-Schafs. „Merinowolle ist das nachhaltigste und funktionalste Material, das es gibt“, sagt Bianca Rolff. Im Gegensatz zu herkömmlicher Schurwolle ist Merinowolle besonders fein und weich. Sie transportiert Feuchtigkeit, ist atmungsaktiv und geruchsneutral, kratzt nicht und kann direkt auf der Haut getragen werden. Im Winter hält sie warm, im Sommer kühlt sie. Die Firma Ulvang stellt beispielsweise Unterwäsche, Mützen und Shirts aus Merinowolle her.

Outdoor-Marken gehen mit gutem Beispiel voran

Mit kreativen Ideen versuchen viele Hersteller, ihren Beitrag zum Umweltschutz zu leisten – auch wenn der nachhaltige Ansatz oft nur einen Teil der Produktionskette betrifft. Die Firma Lundhags zum Beispiel verzichtet bei der Herstellung ihrer Funktionstextilien weitestgehend auf Chemie und gestaltet ihre Wanderschuhe gezielt einfach, damit alle Verschleißteile problemlos repariert oder ausgetauscht werden können. Das Unternehmen Aevor produziert Rucksäcke, deren Außenmaterial zu 50 Prozent aus recycelten PET-Flaschen besteht. Gumbie stellt vegane Flipflops aus recycelten und natürlichen Materialien her, während Klean Kanteen mit handgefertigten Edelstahlflaschen dem Einwegmüll den Kampf ansagt.

„Besonders bei den Herstellern von Outdoor-Ausrüstung hat ein Umdenken stattgefunden, viele junge Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Umweltschutz“, sagt Thomas Rolff. Der Zusammenhang liegt nahe: Wer für Aktivität in der Natur steht, sollte ein Interesse daran haben, diese zu schützen. Das gilt für Hersteller und Sportler gleichermaßen. Letztere stehen vor der schwierigen Aufgabe, den riesigen Sportartikelmarkt – der Umsatz in Deutschland lag in den vergangenen Jahren jeweils bei rund acht Milliarden Euro – nach nachhaltigen Produkten zu durchforsten. Gütesiegel helfen bei der Orientierung, werden aber oft nur für einzelne Bereiche vergeben.

Gütesiegel kennzeichnen nachhaltige Produkte

Die Siegel „Fairtrade textile production“ und „Fair Wear Foundation“ zielen zum Beispiel darauf ab, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter in der Textil-Industrie zu verbessern. Mit dem Siegel „Oeko Tex“ gekennzeichnete Produkte sind garantiert schadstofffrei, die Ergänzung „Oeko Tex made in green“ bescheinigt darüber hinaus, dass Textilien umweltfreundlich und sozialverträglich hergestellt wurden. Auch das „bluesign“-Siegel steht für Nachhaltigkeit, es stellt sicher, dass Mensch und Umwelt im gesamten Herstellungsprozess möglichst wenig belastet werden. Ziel des „Global Organic Textile Standard (GOTS)“ wiederum ist es, einen weltweit einheitlichen, kontrollierbaren sozialen und ökologischen Standard zu etablieren.

Die Liste der Gütezeichen ist lang. Für alle, die sich detailliert mit dem Thema auseinandersetzen wollen, hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit auf der Internetseite www.siegelklarheit.de Informationen zu zahlreichen Zertifizierungen zusammengestellt. „Es liegt jetzt auch an uns im Verkauf, die Kunden nicht mehr nur über Funktion und Technik, sondern auch über die Nachhaltigkeit eines Sportartikels beraten zu können“, sagt Thomas Rolff. Dabei helfen ihm die Informationen der Hersteller. Wer die Nachhaltigkeit zum Aushängeschild seiner Produkte macht, sorgt mit Transparenz für Glaubwürdigkeit.

Vaude übernimmt Vorreiterrolle in Deutschland

Ein Pionier auf dem Gebiet: das deutsche Familien-Unternehmen Vaude. Der Outdoor-Ausrüster informiert auf seiner Internetseite www.vaude.com umfassend über Erfolge und Probleme auf dem Weg zu einem vollständig nachhaltigen Produkt. Unter dem eigenen Label „Green Shape“ ist das Unternehmen selbst sein schärfster Kritiker. Der gesamte Lebenszyklus eines Vaude-Produkts muss strenge Maßgaben erfüllen. Das Siegel deckt die sechs Bereiche Design, Materialien, Produktion, Gebrauch und Pflege sowie Recycling und Entsorgung ab.

Schon beim Entwurf eines Produkts achten die Designer darauf, dass es langlebig und gut zu reparieren ist. Es muss bei niedrigen Temperaturen waschbar sein und ohne chemische Reinigung auskommen. An Produktionsstätten mit verifizierten Sozialstandards werden zertifizierte, ressourcenschonende Materialien und umweltfreundliche Naturmaterialien verarbeitet, die am Ende auch recycelbar sind. Der Stand 2019: 90 Prozent der Sportbekleidung tragen das Zertifikat „Green Shape“. Im übrigen Sortiment vom Rucksack über Schuhe, Schlafsäcke und Zelte liegt der Wert bei etwa 70 Prozent. Ab März 2020 werden Vaude-Produkte bei Intersport Rolff erhältlich sein.

Kontakt zu den Experten aufnehmen:

Intersport Rolff Stade
Bianca und Thomas Rolff
Hökerstraße 42
21682 Stade

Tel: 0 41 41 / 44 44 3
E-Mail: info(at)intersport-rolff.de
Web: www.intersport-rolff.de, www.instagram.com/intersportrolff/,
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