Donnerstag, 29.07.2021, 17:31 Uhr

Was tun bei Unwetter, Hochwasser und Stromausfall?

Vor dem Bau der neuen Deiche und der Überlaufschwelle trat die Aue immer wieder unkontrolliert über ihre Ufer. Bereits im Mittelalter wurde der Bullenbruch in Horneburg bei Hochwasser geflutet, rechts die Bebauung am Marschdamm. Archivfoto: Vasel

LANDKREIS. Die Überflutungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben vor Augen geführt, wie schnell eine Gefahrensituation eintreten kann – und wie wichtig es ist, dann sich richtig zu verhalten. Wir zeigen, welche grundlegenden Tipps es gibt.

Von Jens Gehrke

Was, wenn das Unerwartete doch eintritt? Behörden raten dazu, sich ständig zu informieren – zum Beispiel über eine Warn-App wie NINA, Radio und Fernsehen, seriöse Online-Nachrichtenseiten oder die Seite des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) informiert über das richtige Verhalten. Auch das für Feuerwehr und Katastrophenschutz zuständige Fachamt beim Landkreis Stade liefert wertvolle Informationen.

Hochwasser, Überflutung nach Starkregen

Gute Vorbereitung ist wichtig: Das geht vom Bereitlegen von Sandsäcken und Silikon bis hin zu der Aufgabe, möglichst alle wichtigen Gegenstände in die oberen Stockwerke zu bringen. Schon lange vorher sollten Hausbesitzer über Rückstausicherungen im Abwasserkanal, Blitzableiter und gegebenenfalls Sturmhaken zur Dachsicherung nachdenken.

  • Während des Hochwassers dürfen Betroffene auf keinen Fall in den Keller flüchten – dort herrscht Lebensgefahr. Auch Tiefgaragen können bei Hochwasser zu tödlichen Fallen werden.
  • Überschwemmte Räume, in denen sich elektrische Geräte befinden, sollten nicht betreten werden. Es besteht möglicherweise Lebensgefahr.
  • Man sollte grundsätzlich überprüfen, ob ausreichend Lebensmittel und Trinkwasser im Haus sind.
  • Den Strom sollten Betroffene gegebenenfalls für die von der Überflutung bedrohten Räume oder komplett ausschalten (Sicherung raus).
  • Das BKK rät dazu, ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio, eine Taschenlampe, einen Campingkocher und eine Campingtoilette vorzuhalten.
  • Auch eine Dokumentenmappe und das Notgepäck sollten bereitgestellt werden, falls man Hals über Kopf das Haus verlassen muss.
  • Informationen zu aktuellen Hochwasserständen sind laut BBK in den Hochwasserzentralen der Länder abzurufen. Das BKK rät auch dazu, die Starkregengefahrenkarten zu checken.

Tagelanger Stromausfall

In Notsituationen kann es durchaus auch einmal Tage dauern, bis der Strom wieder verfügbar ist. Beispielsweise wenn Stromleitungen bei einem Unwetter oder starken Schneefällen beschädigt wurden. Diese Tipps gibt es:

  •  Die Bewohner sollten sich ausreichende Vorräte an Trinkwasser, Lebensmitteln und Babynahrung sowie Hygieneartikeln anlegen.
  • Ohne Strom fällt in der Regel die Heizung aus. Wer als Betroffener auf den Kamin oder provisorische Heizungen ausweicht, vor allem auch gasbetriebene, sollte immer die Gefahren Sauerstoffmangel und Brand im Blick haben. CO2-Warnmelder erhöhen die Sicherheit. Auch mit warmer Kleidung und Decken lässt sich die Heizung eine Zeit lang ersetzen.
  • Betroffene sollten am besten (Kurbel-)Taschenlampe oder LED-Leuchten, Kerzen und Streichhölzer oder Feuerzeuge, Camping- oder Outdoor-Lampen oder Petroleumlaternen vorrätig haben (samt Batterien). So kann man sich auch nach Einbruch der Dunkelheit orientieren
  • Kleinere Mahlzeiten kann man I auf einem Campingkocher zubereiten.
  • Man sollte Powerbanks, solarbetriebene Batterieladegeräte und passende, geladene Akkus für Laptops, Mobiltelefone, Telefone bereithalten.
  • Betroffene sollen auf jeden Fall daran denken, ausreichend Bargeld zur Verfügung zu haben, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren.
  • Auch bei Stromausfall ist ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio Gold wert.
  • Elektrische Geräte sollten manuell ausgestellt werden, damit sie nicht unkontrolliert wieder den Betrieb aufnehmen, wenn der Strom wieder zurückkehrt.

Unwetter

Unwetter, insbesondere schwere Stürme, werden in der Regel einige Tage vorher angekündigt, teilt das Bundesamt BBK mit. Das können Bürger noch tun, wenn ein Unwetter droht:

  • Fenster und Türen sollten geschlossen, Räume unmittelbar unter dem Dach und der Keller gemieden werden.
  • Das Zuhause sollte man bei einer Unwetterwarnung möglichst nicht verlassen, auch nicht für Einkäufe. Man sollte versuchen, Verabredungen oder Termine zu verschieben und, falls es möglich ist, Homeoffice-Regelungen in Anspruch zu nehmen. Herabstürzende Äste oder Dachziegel, umherfliegende Gegenstände – bei einem schweren Sturm ist man im Freien vielen Gefahren ausgesetzt. Darum: Am besten drinnen bleiben.
  • Dokumentieren des Eigentums durch Fotos. Das kann hilfreich sein, wenn es bei Unwetter zu Schäden kommt und eine Versicherung in Anspruch genommen wird.
  • Betroffene sollten lose Gegenstände im Außenbereich gegen Sturmböen sichern und bei Hagel und Wirbelstürmen die Fenster, Roll- oder Fensterläden schließen sowie sich von ungeschützten Öffnungen und Fenstern fernhalten. Auch Räume mit großer Deckenspannweite wie zum Beispiel Hallen sollte man meiden.
  • Im Freien sollten Personen, die in ein Unwetter geraten sind, sofort Schutz suchen, dabei aber ungeschützte Orte meiden, an denen man von Hagel oder von vom Sturm mitgerissenen Gegenständen getroffen werden könnte.

bbk.bund.de

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