Schwindel: Welche Arten es gibt und wie man sie behandelt

STADE. Das Gefühl von Schwindel ist vielen Menschen bekannt, das große Problem dabei: Schwindel ist äußerst komplex. Prof.-Dr. Holger Schmidt, Chefarzt der neurologischen Klinik, sprach im Elbe Klinikum Stade über die Arten, Diagnostik und Therapie.


Rund 150 Zuhörer wollten am Montagabend von Holger Schmidt im Vortragssaal „Elbe“ im Elbe Klinikum Stade wissen, warum sie den Schwindel am eigenen Leib erfahren haben. Doch weil das Thema so komplex ist, versuchte der Mediziner gleich zu Beginn, mögliche hohe Erwartungen zu minimieren: Nicht alle Arten des Schwindels ließen sich auf einfache Art benennen. Daher sei es wichtig, im Vorfeld zu klären, um welche Art der Erkrankung es sich genau handelt. Schon einfache Geräte wie eine Stimmgabel oder ein Eimer mit einem Lot und Winkelmesser könnten Hinweise liefern.

Das menschliche Gleichgewicht wird massiv von drei Sinnesorganen gelenkt: dem Gleichgewichtsapparat im Innenohr, den Augen und den Informationen des Tast- und Lagesinns. Die Informationen der Sinnesorgane werden im Gehirn verarbeitet. Tritt zwischen diesen Informationen eine Ungereimtheit auf, entsteht Schwindel. Zum Beispiel, wenn das Auge keine Bewegung wahrnimmt, aber das Innenohr schon.

Schwindel ist vielschichtig

Dem Schwindel könne auch eine Krankheit des Innenohrs oder der Hörnerven zugrunde liegen, aber auch Stress oder gar ein Schlaganfall. Bei der Diagnose hilft, dass sich Schwindel immer unterschiedlich äußert. Etwa durch Schwanken, wie auf einem Schiff, oder ein Drehen, vergleichbar mit einer Karussellfahrt. Aufgrund der vielschichtigen Möglichkeit, um welche Art Schwindel es sich handelt, sei es schwer, so der Chefarzt, verbindliche Tipps und Therapieratschläge zu geben, sofern die genaue Krankengeschichte und ein klinisch-neurologischer Befund nicht vorlägen.

Lagerungsschwindel am häufigsten

Die häufigste Art sei der gutartige Lagerungsschwindel. Gutartig bedeute in diesem Fall, dass es sich nicht beispielsweise um einen Schlaganfall oder eine andere schwerwiegende Krankheit handelt. Laut einer Auswertung der Ludwig-Maximilians-Universität in München handelt es sich in knapp 17 Prozent aller Fälle um Lagerungsschwindel. Wird einem Patienten schwarz vor Augen, handelt es sich häufig, Betonung liegt auf häufig, um Kreislaufbeschwerden und damit einen gutartigen Schwindel.

Schwindel ist nach Kopfschmerzen das häufigste Symptom im Bereich des Nervensystems. Während nur etwa jeder Sechste in jungen Jahren eine schwerere Schwindelattacke erlebt, ist es bei den über 80-Jährigen mehr als jeder Dritte. „Das nimmt im Alter zu, aber am Ende hat mit großer Wahrscheinlichkeit jeder mal einen Schwindel erlebt.“

Schwindel durch das Smartphone

Eine Zuhörerin berichtete von ihrem Schwindel, nachdem sie an Meningitis erkrankt war. Holger Schmidt erklärte, dass eine schnelle Behandlung mit Antibiotika ihr Leben gerettet habe, sie den verbliebenen Symptomen aber nur mit Physiotherapie entgegenwirken könne. Abseits des Vortrags erzählte Rita Cohrs von ihren Symptomen. Die 67-Jährige klagt über Schwindel bei der Nutzung von Smartphone oder Tablet-PC. „Das ist wie seekrank“, beschreibt sie. Dr. Schmidt: „Das ist nicht allzu verbreitet, aber aufgrund des Bildschirm-Scrollens durchaus nachvollziehbar.“

Ursachenforschung ist Teamarbeit

Für den Chefarzt der Neurologie ist die Ursachenforschung des Schwindels Teamarbeit. Mehr als die Hälfte aller Schwindel-Erkrankungen fallen auf das neurologische Fachgebiet zurück, die restlichen seien ein Fall für den HNO-Arzt, den Psychiater oder den Internisten. Dr. Schmidt hat an Patienten mit Schwindel eine wichtige Bitte: „Suchen Sie bei bleibendem Schwindel dringend einen Arzt auf.“

Nach oben

Leserbrief
Kommentare



Weitere Topthemen aus der Region:
  • 21.11.2019, HAMBURG
    Gefährliche Resistenzen: Wenn Antibiotika nicht wirken
    Mehr
  • 15.11.2019, LANDKREIS
    11 Tipps, wie sich ein hohes Alter erreichen lässt
    Mehr
  • 13.11.2019, LANDKREIS
    Hände-Desinfektion: Kampf gegen die Klinik-Keime
    Mehr
  • 18.10.2019, Harburg
    Handverletzungen: Was im Ernstfall zu tun ist
    Mehr
  • 16.09.2019, NEU WULMSTORF
    Wie Helfer nicht zum Opfer werden
    Mehr
  • 14.08.2019, BUXTEHUDE
    Netzhautschäden mithilfe der Optischen Kohärenztomografie frühzeitig erkennen
    Mehr
  • 25.06.2019, LANDKREIS/HAMBURG
    Die besten Tipps gegen Hitze
    Mehr
  • 03.05.2019, HAMBURG
    „Krankenhausbesucher stärker in das Thema Händehygiene einbinden“
    Mehr
  • 17.04.2019, Landkreis
    Krankschreibung wegen Heuschnupfen: Was Arbeitnehmer wissen müssen
    Mehr
  • 09.04.2019, BUXTEHUDE
    Zöliakie: Mit dem „Chamäleon“ leben lernen
    Mehr