So helfen einfache Handgriffe einem Verunglückten

HARSEFELD. Die positiven Eindrücke nach einem schweren Unglück in Harsefeld Anfang des Monats nehmen die Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes zum Anlass, aufzuklären, wie einfach und wirkungsvoll die Maßnahmen der Ersten Hilfe sind.


Das erleben selbst erfahrene Rettungsdienst-Mitarbeiter wie Rettungsassistent Michael Schmarbeck nicht alle Tage. Ein zupackender Ersthelfer reagiert nach einem Verkehrsunfall vorbildlich, lagert und betreut den Patienten bis zum Eintreffen der Profis vom Deutschen Roten Kreuz. 

An jenem Sonnabendnachmittag rückten Rettungsassistent Michael Schmarbeck und der Auszubildende Leonard Heuer von der Bargstedter Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes zu einem schweren Verkehrsunfall nach Harsefeld aus. Ein Autofahrer hatte einen Radfahrer übersehen, der Wagen hatte das Fahrrad erfasst. Der Fahrradfahrer flog durch die Luft und blieb auf dem Asphalt liegen.

Ein Kapitän, der zufällig an der Unfallstelle vorbeikam, nahm sich seiner an. „Das war ein Top-Ersthelfer. Er hat sich hingekniet und losgelegt“, sagt Michael Schmarbeck. „Das war einfach vorbildlich, das habe ich so noch nicht erlebt.“ Während eine Menschentraube die Einsatzstelle belagerte, kümmerte sich der Kapitän um den Schwerverletzten, brachte ihn in die stabile Seitenlage und blieb bei ihm, bis der Rettungswagen des Roten Kreuzes vorfuhr und die Profis übernehmen konnten.

 „Sie können nichts verkehrt machen“

„Erste Hilfe ist einfach“, sagt Michael Schmarbeck. Einen Notruf absetzen, die Einsatzstelle mit einem Warndreieck absichern und den Verletzten ansprechen – das könne jeder. „Eigenschutz geht dabei immer vor“, betont der Rettungsassistent. Sich dem Betroffenen zuwenden, ihn in die stabile Seitenlage legen und ihn im Gespräch und damit bei Bewusstsein halten – das seien die wichtigsten Aufgaben im ersten Moment. Blutende Wunden sollten mit Utensilien aus dem Verbandskasten gestillt werden, der in jedem Fahrzeug vorhanden sein muss.

In der kalten Jahreszeit und in Folge eines Schocks frieren Unfallopfer schnell. Ersthelfer sollten ihnen eine Wolldecke oder eine Wärmedecke aus dem Verbandskasten umlegen. „Wir sind auf die Unterstützung der Ersthelfer angewiesen“, sagt Michael Schmarbeck. „Sie können nichts verkehrt machen.“ Stattdessen gelte: „Wer nichts macht, der macht etwas falsch.“

Der Rettungsassistent, der seit 2006 fürs Deutsche Rote Kreuz tätig ist, rät zu einer regelmäßigen Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. Niemand müsse sich schämen, wenn ihm die Routine fehle. Das Rote Kreuz und andere Anbieter richten regelmäßig Kurse aus.

Erste Hilfe leisten - so geht's

  • Notruf absetzen: 112 wählen und einen Rettungswagen rufen. 
  • Die Unfallstelle mit einem Warndreieck absichern. 
  • Den Verletzten ansprechen, ihn in die stabile Seitenlage bringen und mit ihm sprechen, um ihn bei Bewusstsein zu halten.
  • Blutende Wunden mit Verbandsmaterial aus dem Erste-Hilfe-Kasten stillen. Vorher Einmalhandschuhe überziehen!
  • Im Herbst und Winter: Dem Verletzten eine Woll- oder Wärmedecke (siehe Verbandskasten) umlegen, damit er nicht friert.
  • Wichtig: Der Eigenschutz des Helfenden geht immer vor!

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