Samstag, 05.06.2021, 08:00 Uhr

Organspende: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird am Eingang eines OP-Saales vorbeigetragen. Foto Soeren Stache/dpa

LANDKREIS. Zwar steht die Mehrheit der Deutschen einer Organspende positiv gegenüber, aber nur etwa ein Drittel von ihnen hat dies auch schriftlich dokumentiert. Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beantworten Fragen.

Fragen zum Thema beantwortete das Expertenteam vom Infotelefon Organspende der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BzgA, während einer Telefonaktion. Hier die Zusammenfassung:

Brauche ich eine ärztliche Untersuchung, bevor ich einen Spenderausweis ausfülle?

Nein, solch eine Untersuchung ist weder notwendig noch wäre sie zu diesem Zeitpunkt sinnvoll. Zum einen kann sich der gesundheitliche Zustand eines Menschen fortwährend ändern, zum anderen wird über eine eventuelle Organentnahme erst nach einem zweifelsfrei festgestellten Hirntod entschieden.

Ich stelle mir vor, dass es für Angehörige manchmal nicht ganz einfach ist, eine Organspende zu akzeptieren. Gibt es Hilfe oder Betreuung?

Angehörige von Organspendern können sich vom „Netzwerk Spenderfamilien“ beraten lassen – und zwar sowohl vor als auch nach ihrer Entscheidung zur Organentnahme. Das Netzwerk wurde gegründet, um den Angehörigen zu helfen, die Situation dauerhaft gut zu bewältigen. Über die Seite www.lebertransplantation.eu findet man Kontakte zum Netzwerk. Außerdem führt die Deutsche Stiftung Organtransplantation, DSO, Angehörigentreffen durch. Termine können direkt bei der DSO erfragt werden. Es gab ja im vergangenen Jahr eine Gesetzesänderung zum Thema Organspende.

Aber im Grunde ist doch alles so geblieben, oder?

Ja, die derzeit geltende Rechtslage, die sogenannte Entscheidungslösung, bleibt unverändert bestehen. Danach ist eine Organspende nur dann möglich, wenn der Spender zu Lebzeiten eingewilligt hat. Liegt keine Erklärung vor, werden die Angehörigen befragt. Stimmen sie zu, ist eine Organentnahme möglich. Es gibt aber einige Neuerungen. So soll man ab 2022 die persönliche Entscheidung in einem Online-Register hinterlegen können. Außerdem sollen für alle Bürger verbindliche Informationen und bessere Aufklärung gewährleistet werden.

Wird das Online-Register Pflicht für alle oder kann ich meinen Organspenderausweis behalten?

Nein, es gibt keinerlei Pflicht für das Online-Register. Sie können Ihren Spenderausweis weiterhin behalten. Daneben können Sie Ihre Entscheidung auch in einer Patientenverfügung oder in sonstiger schriftlicher Weise festhalten oder Ihren Angehörigen mündlich mitteilen. Diese Möglichkeit wird auch nach Inbetriebnahme des Registers bestehen bleiben. Damit wird berücksichtigt, dass nicht jeder über die Möglichkeit verfügt, sich jederzeit elektronisch an das Register zu wenden.

Kann ich meine Entscheidung zur Organspende auch in meinem Testament festhalten?

Nein. Dieses Dokument ist dafür ungeeignet. Denn wenn das Testament eröffnet wird, ist es für eine Organentnahme zu spät. Nutzen Sie daher einen Organspenderausweis oder später das Online-Register. Das Ausfüllen ist unbürokratisch und mühelos. Informieren Sie bitte unbedingt Angehörige und Freunde über Ihre Entscheidung. Das macht es ihnen leichter, später mit der Situation umzugehen.

Wie alt muss man sein, um eine Entscheidung zur Organspende zu treffen?

Laut geltender Rechtslage kann die Einwilligung in eine Organentnahme und die Übertragung der Entscheidung auf eine Vertrauensperson vom vollendeten 16. Lebensjahr an, der Widerspruch bereits vom vollendeten 14. Lebensjahr an erklärt werden. Nach oben gibt es keine Begrenzung.

Ist eine einmal getroffene Entscheidung zur Organspende verbindlich?

Mit Ihrer Unterschrift ist der Organspenderausweis verbindlich. An die niedergelegte Entscheidung müssen sich Ärzte und Angehörige halten. Sollten Sie aber Ihre Einstellung zur Organ- und Gewebespende ändern, können Sie die alte Erklärung vernichten und einen neuen Ausweis ausfüllen. Auch beim künftigen Online-Register kann die Entscheidung jederzeit verändert werden.

Wovon hängt es ab, wer im Falle einer Spende Organe oder Gewebe bekommt?

Es gibt viele Faktoren, dazu gehören Blutgruppe, Alter, Gewicht und die Gewebemerkmale. Je ähnlicher die Merkmale von Spender und Empfänger sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass nur geringe Abstoßungsreaktionen auftreten. Bei sehr unterschiedlichen Gewebemerkmalen ist eine Abstoßung wahrscheinlicher. Die gemeinsame Warteliste des Verbundes von Eurotransplant, dem Belgien, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Ungarn und Slowenien angeschlossen sind, erleichtert es, den optimalen Empfänger zu ermitteln.

Kann ich bestimmte Organe von einer Spende ausnehmen?

Ja, das ist möglich. Sie können ohne Angabe von Gründen festlegen, welche Organe oder Gewebe Sie spenden möchten und welche nicht.

Voraussetzung für eine Organentnahme ist der Hirntod. Trotzdem wird der Verstorbene an künstliche Beatmung angeschlossen. Warum ist das nötig?

Eine hirntote Person kann nicht mehr selbstständig atmen. Ohne maschinelle Beatmung führt der eintretende Sauerstoffmangel unweigerlich zum Her-Kreislauf-Stillstand. Dann werden die Organe aufgrund fehlender Durchblutung und Sauerstoffversorgung zunehmend geschädigt, so dass sie nicht mehr übertragen werden können. Nur, wenn die Organe weiter durchblutet werden, besteht die Möglichkeit, sie für die Transplantation zu entnehmen.

Informationen

Weitere Informationen gibt es beim gebührenfreien Infotelefon Organspende unter 0800/9040400.  Dort können auch kostenlos Organspenderausweise und Informationsmaterial angefordert werden: per Mail unter organspende@bzga.de sowie im Internet: www.organspende-info.de

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