Schadstoffe in Textilien: 10 Tipps für den Kleiderkauf

LANDKREIS. Kleidung enthält oft eine Vielzahl von Chemikalien. Diese Giftstoffe können der Gesundheit schaden. Worauf Verbraucher beim Kauf von Hemd, Hose & Co. achten sollten.

Von Sina Trispel und Janine Vonderbank

Wie gelangen Chemikalien in die Kleidung?

Während des Herstellungsprozesses werden Kleidungsstücken Chemikalien zugesetzt, um sie zu färben, zu bleichen oder ihnen besondere Eigenschaften zu verleihen. Funktionstextilien enthalten beispielsweise Perfluorierte Chemikalien (PFC), die Jacken, Hosen & Co. wasserresistent und schmutzabweisend machen. Hinzu kommt: Funktionskleidung besteht oft aus Kunstfasern. Diese synthetischen Fasern entstehen – anders als natürliche Fasern – in einem chemischen Prozess aus mineralischen Stoffen wie Erdöl.

Ist Mikroplastik gesundheitsschädlich?

Kleinste Partikel synthetischer Kleidungsstücke, das sogenannte Mikroplastik, löst sich beim Waschen, gelangt ins Abwasser und – weil die Kläranlage es nicht herausfiltern kann –, schließlich in Flüsse und Meere. Mikroplastik ist nicht biologisch abbaubar. Durch Tiere und Pflanzen, die die mikroskopisch kleinen Plastikteilchen aufnehmen, finden sie den Weg in die Nahrungskette – und damit auf unseren Teller. Welche langfristigen Folgen das für die Gesundheit hat, ist Gegenstand aktueller Forschungen.

Warum sind Chemikalien in Kleidung bedenklich?

Schadstoffe in Textilien können eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Perfluorierte Chemikalien reichern sich zum Beispiel im Gewebe und im Blut an. Sie wirken auf das Hormonsystem, können Leber und die Fruchtbarkeit schädigen. Azofarben und Formaldehyd stehen im Verdacht, Krebs auszulösen. Dispersionsfarbstoffe können Allergien hervorrufen. 

10 Tipps für den Kleiderkauf

1. Neue Kleidung vor dem ersten Tragen waschen

Bereits nach dem ersten Waschgang lösen sich Chemikalien aus einem Kleidungsstück. Deshalb: Neue Textilien vor dem ersten Tragen unbedingt waschen.

2. Kleidungsstück ist „Made in EU“

Das Wäscheschild in Textilien gibt Auskunft über das Herstellerland. Innerhalb der EU gelten für die Produktion von Kleidung weit strengere Richtlinien bezüglich des Einsatzes von Chemikalien als in Produktionsländern wie China oder Bangladesch.

3. Naturfasern bevorzugen

Das Wäscheschild informiert außerdem darüber, aus welchem Material ein Kleidungsstück hergestellt wurde. Anstelle von Kunstfasern wie Nylon, Polyester, Polyacryl, Elastan und Polyamid besser auf Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Seide zurückgreifen. Natürliche Fasern geben beim Waschen kein Mikroplastik ab, zudem können sie Farbstoffe besser halten, sodass diese nicht an die Umwelt abgegeben werden. Mit zertifizierten Bio-Produkten sind Verbraucher auf der sicheren Seite.

Das Wäscheschild in Textilien gibt Aufschluss über das Herstellungsland und Material. Foto: privat

4. Textilien mit besonderen Eigenschaften vermeiden

Bügelfrei, flammen- und mottenresistent, schmutz- und wasserabweisend: Diese Eigenschaften sind in der Regel nur durch den Einsatz von Chemikalien, vor allem Perflourierte Chemikalien, zu erzielen. PFC sind jedoch nicht biologisch abbaubar und reichern sich nachweislich in Gewässern und Böden an.

5. Ökosiegel bieten Orientierung

Ökosiegel kennzeichnen Produkte, die bestimmte Kriterien hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit erfüllen. Beispielsweise darf jedes Kleidungsstück, das zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern besteht, das GOTS-Siegel (GOTS steht für Global Organic Textile Standard) tragen. Eine Garantie für Unbedenklichkeit ist das Siegel jedoch nicht: Farbstoffe können trotzdem enthalten sein. Das Bluesign-Siegel legt Richtlinien für den Gebrauch von Chemikalien fest, sodass der gesamte Herstellungsprozess möglichst umweltschonend ist. Mehr Infos: www.nonhazcity.eu.

6. Möglichst ohne Aufdruck

Schriftzüge und Bilder auf Kleidungsstücken enthalten oft Weichmacher. Diese Stoffe können die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen und krebserregend sein.

7. Farbe: Weniger ist besser

Eine auffällige Farbe ist ein Indiz für besonders viele Farbstoffe. Auch schwarze Textilien sind besonders belastet.

8. Auf Textilien mit ausgeprägtem Geruch verzichten

Textilien, die stark riechen, besser nicht kaufen. Ein ausgeprägter Geruch weist auf Schadstoffe hin.

9. „Slow Fashion“ statt „Fast Fashion“

Unter dem Motto „Qualität statt Quantität“ steht „Slow Fashion“. Das bedeutet: Nicht jedem Trend nachjagen, sondern qualitativ hochwertige und langlebige Kleidung kaufen. Je weniger Kleidung gekauft und produziert wird, desto weniger Chemikalien gelangen in die Umwelt.

10. Secondhand-Kleidung kaufen

Textilien aus dem Secondhand-Laden enthalten weniger Chemikalien, da sie bereits mehrfach gewaschen wurden. Auch die Umwelt profitiert: Je länger ein Kleidungsstück vor dem Müll gerettet werden, kann desto besser.


Dieser Ratgeber ist in Zusammenarbeit mit dem Baltic Environmental Forum Deutschland e. V. innerhalb des Projektes NonHazCity („Eine giftfreie Stadt“) entstanden. Mehr Informationen zum Thema unter www.giftfreie-stadt.de und www.bef-de.org

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